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Ein Hauch von Schnee und Asche

Ein Hauch von Schnee und Asche

Titel: Ein Hauch von Schnee und Asche Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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schüttelte mir verklebte Körnerklumpen von den Fingern und griff mit der sauberen, linken Hand nach der bereitstehenden Schüssel mit gehackten und sautierten Zwiebeln. Das kräftige Zwiebelaroma überlagerte den Metzgereigeruch, ein heimeliger Küchenduft.
    Das Salz war gemahlen, der Pfeffer gerieben. Alles, was ich jetzt brauchte … Wie auf ein Stichwort kam Roger um die Hausecke gebogen, eine große Schüssel mit klein gehacktem Schweinespeck in der Hand.
    »Gerade rechtzeitig!«, sagte ich und wies kopfnickend auf das Fass. »Nein, schütte es nicht hinein, es muss abgemessen werden – zumindest in etwa.« Ich hatte zehn doppelte Hände voll Hafermehl gebraucht, zehnmal Reis, zehnmal Gerste. Also die Hälfte – fünfzehn. Ich schüttelte mir erneut
das Haar aus den Augen, schöpfte eine Doppelhand aus der Schüssel und ließ sie in das Fass plumpsen.
    »Alles in Ordnung bei dir?«, fragte ich. Ich deutete mit dem Kinn auf einen Hocker, während ich begann, das Fett mit den Fingern unter die Mischung zu arbeiten. Roger war immer noch ein wenig blass und angespannt um den Mund, doch er lächelte mich gequält an, als er sich hinsetzte.
    »Prima.«
    »Du hättest es nicht tun müssen, weißt du?«
    »Doch. Das musste ich.« Der gequälte Tonfall seiner Stimme wurde stärker. »Ich wünschte nur, ich hätte es besser gemacht.«
    Ich zuckte mit einer Schulter und griff in die Schüssel, die er mir hinhielt.
    »Man muss es üben.«
    Roger hatte sich bereit erklärt, das Schwein zu schlachten. Jamie hatte ihm einfach nur den Holzhammer gereicht und war zur Seite getreten. Ich hatte Jamie schon öfter Schweine schlachten sehen; er sprach ein kurzes Gebet, segnete das Schwein und schlug ihm dann mit einem mächtigen Hieb den Schädel ein. Roger hatte fünf Anläufe gebraucht, und ich bekam jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich mich an das Kreischen erinnerte. Danach hatte er den Hammer hingelegt, war hinter einen Baum getreten und hatte sich heftig übergeben.
    Ich schöpfte eine weitere Hand voll. Die Mischung verdickte sich und fühlte sich langsam fettig an.
    »Er hätte dir zeigen sollen, wie es geht.«
    »Ich glaube nicht, dass es technisch irgendwie schwierig ist«, sagte Roger trocken. »Es ist schließlich ziemlich unkompliziert, einem Tier auf den Schädel zu hämmern.«
    »Körperlich vielleicht«, pflichtete ich ihm bei. Ich schöpfte noch mehr Speck und arbeitete nun mit beiden Händen. »Es gibt ein Gebet dafür, weißt du. Für das Schlachten eines Tiers. Jamie hätte es dir sagen sollen.«
    Er sah ein wenig verblüfft aus.
    »Nein, das wusste ich nicht.« Er lächelte, diesmal etwas überzeugender. »Letzte Ölung für das Schwein, aye?«
    »Ich glaube nicht, dass es im Interesse des Schweins geschieht«, sagte ich scharf. Wir verstummten für einige Sekunden, während ich den Rest des Specks in die cremige Getreidemischung rührte und dann und wann innehielt, um ein Knorpelstückchen wegzuschnippen. Ich konnte Rogers Blick auf dem Fass spüren, während er der seltsamen Alchimie des Kochens zusah, jenem Prozess, der den Übergang des Lebens von einem Lebewesen zum anderen schmackhaft machte.
    »Die Viehtreiber in den Highlands zapfen manchmal einem ihrer Tiere eine oder zwei Tassen Blut ab und vermischen es mit Hafermehl, um es unterwegs zu essen«, sagte ich. »Nahrhaft, schätze ich, aber nicht so köstlich.«
    Roger nickte geistesabwesend. Er hatte die fast leere Schüssel auf den Boden
gestellt und pulte mit der Spitze seines Dolches das getrocknete Blut unter den Fingernägeln hervor.
    »Ist es dasselbe wie bei Rotwild?«, fragte er. »Das Gebet. Ich habe einmal gesehen, wie Jamie es gesprochen hat, obwohl ich die meisten Worte nicht verstanden habe.«
    »Das Grallochgebet? Ich weiß es nicht. Warum fragst du ihn nicht?«
    Roger beschäftigte sich intensiv mit seinem Daumennagel und hielt den Blick fest auf seine Hand gerichtet.
    »Ich war mir nicht sicher, ob es ihm recht ist, dass ich es lerne. Ich meine, wo ich doch kein Katholik bin.«
    Ich blickte in die Mischung hinunter und lächelte insgeheim.
    »Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt. Dieses Gebet ist sehr viel älter als die Kirche Roms, wenn ich mich nicht irre.«
    In Rogers Gesicht flackerte Interesse auf, und der Wissenschaftler in ihm regte sich.
    »Ich hatte das Gefühl, dass es eine sehr alte Form des Gälischen war – sogar älter als das, was man heutzutage hört – ich meine… jetzt.« Er errötete ein wenig, als ihm

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