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Ein Hoffnungsstern am Himmel Roman

Titel: Ein Hoffnungsstern am Himmel Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Haran
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sah ihn an, die großen grünen Augen voller Tränen. »Wirklich?«
    Murphy nickte stumm. Er glaubte nicht daran, dass sie gerettet wurden, doch er konnte es nicht ertragen, Estella so verzweifelt zu sehen.

25
    I ch weiß nicht, wie es dir geht, aber ich hab genug von diesen
    Buschtomaten«, stieß Murphy hervor und warf die Reste einer dieser Früchte fort.
    Estella verstand seinen Unmut. Ihr selbst ging es nicht anders. Doch beiden war klar, dass sie essen mussten, was die Natur ihnen bot, bevor sie sich an die Notrationen machten. Nur so hatten sie eine Chance zu überleben, bis die Retter kamen – falls sie kamen.
    Murphys angespannte Miene war ein deutliches Zeichen dafür, dass er Schmerzen litt. Seine bleiche Haut war schweißnass, und um seinen Mund hatten sich tiefe Furchen in die Haut gegraben. Estella war versucht, ihm eine weitere Morphiumspritze zu geben, hielt es jedoch für das Beste, den Vorrat so lange aufzuheben, bis es nicht mehr anders ging. Sie bewunderte Murphys Mut und seine Selbstbeherrschung, denn er hatte nicht einmal um eine Spritze gebeten.
    »Ich sollte weiter an der Landepiste arbeiten«, sagte Estella.
    Es war später Nachmittag, die Hitze des Tages ließ allmählich nach. Als Estella zu der Piste gelangte, warf sie dutzende großer Steine von dem Streifen, der als Landebahn gedacht war, an den Rand. Sie würde die Steine in zwei Reihen hintereinander legen, wenn die Bahn frei war. Mehr als einmal erlebte sie unangenehme Überraschungen, wenn sie einen Stein hochhob. Eine Vielzahl von Kriechtieren – Skorpione, kleine Eidechsen, Käfer und Ohrenkneifer – hatten sich in den kühlen Schatten verkrochen.
    Als die Sonne unterging, richtete Estella sich auf und rieb sich den schmerzenden Rücken. Für einen Moment ließ sie den Frieden der Umgebung auf sich wirken. Sie war beeindruckt von der Schönheit der Wüste im Abendrot, doch sie konnte unmöglich vergessen, wie erbarmungslos dieses Land sein konnte. Der Himmel schien die Farben der unendlichen Weite aufzunehmen und widerzuspiegeln. Die Hügel in der Ferne schienen zu glühen, und die nahen Sanddünen schimmerten wie Goldstaub. Viele Menschen glaubten, in der Simpson-Wüste könne kein lebendes Wesen existieren, doch Estella brauchte nur auf den Boden zu blicken und sah eine Vielzahl verschiedener Kreaturen, denen die Wüste Heimat war. Zu ihnen gehörten auch die riesigen blauschwarzen Ameisen, die an ihren Hosenbeinen emporkrabbelten und sie bissen, sobald sie einmal länger als eine Sekunde stehen blieb. Diese Bisse waren ziemlich schmerzhaft und hinterließen juckende rote Pusteln. Die großen Ameisen, die mehr als anderthalb Zentimeter lang waren, schienen die kleinen, flachen Lehmmulden, die Estella auf dem direkten Weg zur Landepiste durchquert hatte, dem Wüstensand vorzuziehen; deshalb mied sie dieses Gebiet. Außerdem gab es unzählige Pflanzen mit Dornen, die überall wuchsen: kleine, haarige Gewächse ebenso wie Kakteen mit Furcht erregenden Stacheln. Man konnte sie nur von der Piste entfernen, indem man sie mit einem großen Stein zerschmetterte und die Überreste mit einem Stock beiseite schleuderte. Das kostete zwar viel Zeit, war aber nötig, wollte man sich nicht ständig an den Dornen stechen.
    Murphy war mit der Reparatur des Funkgeräts unerwartet gut vorangekommen. Obwohl es buchstäblich in Trümmern lag, hatte er Drähte verbunden und umgestöpselt und hörte nun immerhin schon ein Rauschen. Doch es machte ihn wütend, dass er weder empfangen noch senden konnte, ohne den Grund dafür zu kennen. Schließlich fand er heraus, dass die Drähte, die das Gerät mit dem Mikrofon verbanden, aus denAnschlüssen gerissen waren. Diese Drähte zu entwirren und zu ordnen, brachte Murphy beinahe um den Verstand. In der drückenden Hitze und mit den Schmerzen unter denen er litt, fiel es ihm schwer genug, klar zu denken.
    Als der Tank der Maschine vor dem Absturz plötzlich leer gewesen war, hatte seine Geschwindigkeit bei siebzig Knoten mit Gegenwind gelegen. Außerdem hatte er im Logbuch vermerkt, dass er zehn Minuten zuvor Wilson’s Creek überflogen hatte. Also mussten sie ungefähr fünfzehn Meilen nordwestlich notgelandet sein. Wenn es ihm gelang, diese Information durchzugeben, hatten sie eine Chance.
    »Hier Michael Murphy. Hört mich jemand? Over«, sagte er immer wieder, während er mit den Drähten hantierte.

    Dan ging gerade am Funkgerät vorüber, als er ein statisches Rauschen hörte und meinte, die Worte:

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