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Ein Kampf um Rom

Ein Kampf um Rom

Titel: Ein Kampf um Rom Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Felix Dahn
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doch wußte man, daß die kleine
     dreieckige Harfe seine Begleiterin in Krieg und Frieden war, unzertrennlich wie sein Schwert an ihn gebunden. Und in der Schlacht
     im Ansturm hörte man ihn wohl manchmal wilde, abgerissene Zeilen singen zu dem Takt der gotischen Hörner. Und wer ihn in der
     Nacht beschlich, die er gern im Freien, zwischen der Wildnis von weißem Marmor und dunklem Gebüsch, in den römischen Ruinen,
     verbrachte, der mochte wohl manchmal eine verlorne Weise seiner Harfe erlauschen, zu der er träumerische Worte sang. Fragte
     ihn aber einer,– wasselten gewagt wurde,– was ihm fehle, so wandte er sich schweigend ab. Einmal, nach der Einnahme Roms, antwortete er Herzog
     Guntharis auf die gleiche Frage: »Der Kopf des Präfecten.«
    Der einzige, mit dem er häufiger verkehrte, war Adalgoth, dessen er sich in jüngerer Zeit angenommen. Der junge Hirt war vom
     König zu seinem Herold und zum Mundschenk erhöht worden, zum Dank für seine kühnen und rettenden Taten bei der Erstürmung
     des Tiberufers. Er hatte eine starke Anlage zum Singen und Sagen mitgebracht, obzwar mit geringer Schulung. Teja hatte Freude
     an seiner Gabe gefunden: und man sagte, er lehre ihn geheim seine überlegne Kunst, obwohl sie zueinander stimmten wie Nacht
     und Morgenglanz.
    »Eben drum«, hatte Teja gesagt, als ihm sein tapfrer Vetter Aligern dies vorhielt.
    »Und es muß doch noch was übrigbleiben, wenn die Nacht versank.« –
    Der König fühlte: das Einzige, was diesem Mann zu bieten war, hatte Er zu bieten: aber nicht Gold, Land und Würden.
    Eines Abends – schon traten die Sterne aus dem rasch dunkelnden Himmel – machte sich der König auf von dem Abendgelage in
     seinem Palast (dem Haus der Pincier, in welchem Belisarius gewohnt hatte), ohne Begleitung den scheuen Helden zu suchen in
     der Wildnis von Gestein und Lorbeer, welche die Gärten des Sallust erfüllte, und wo Teja, wenn er in Rom war, zu hausen pflegte.
     Adalgoth, der Mundschenk, hatte sich für den Abend Urlaub von des Königs Tafel erbeten: dieser erriet, daß er die dunkelnden
     Stunden, wie so oft, bei dem dunkeln Harfenmeister verbringen werde. Der König wußte daher, er werde Teja in seiner Gartenwildnis
     finden. Wirklich weilten Lehrer und Schüler diese Nacht unter dem Schatten uralter römischer Pinien und Cypressen, gotischer
     Harfenkunst pflegend.
    »Nun horch einmal, Graf Teja«, hob der Jüngling an, »was ich da aus deinen neulich angefangnen Zeilen weiter ersonnen habe.
     Bei dir ist wieder alles so traurig! Das Ende, der hoffnungslose Sprung in den Strom! Ich habe das viel lustiger gewendet.«
    »Wenn’s nur auch so wahr ist.«
    »Ei, wenn’s nur schön ist! Und wahr! ist denn nur das wahr, was traurig ist?«
    »Leider: ja.«
    »Gibt’s keine Freude in der Welt?«
    »O ja! Aber sie währt nicht lang. Der Ausgang ist immer – Untergang.«
    »Nun, aber doch oft erst recht spät. Und was zwischen Aufgang und Untergang liegt – hat das keinen Wert? Ist’s nicht auch
     ein Gang.«
    »Ja, es soll sein: Heldengang.«
    »Nun, so höre nur. Ich habe deinen Aufgang beibehalten: in der Mitte Trauergang: dann Siegesgang   – Aber deinen Untergang hab’ ich weggelassen. Bei dir springen sie hoffnungslos in den Isterstrom. Ich aber habe unsern alten
     Waffenmeister Hildebrand   –«
    »Wenn er doch endlich Ravenna hätte!«
    »Und unseren großen König Dietrich als Kind, als geretteten Erben, habe ich ihn hineingebracht. Und das Ganze will ich nächstens
     bei einem großen Königsfest dem lieben Herrn vorspielen. Aber wohlverstanden:– ich hab’ es in der neuen Klingweise gesetzt,
     die du mich gelehrt hast, und die viel mehr das Ohr gewinnt und die Seele befängt, als der alte Stabreim, nach dem unsere
     Heldengesänge und die Vorzeitsprüche gesetzt sind. Woher hast du nur die Klingweise am Schluß der Zeilen genommen?«
    »Die Mönche singen so die lateinischen Lieder und die Priester in der Kirche: ich hörte es einmal, abends, im Dämmerlicht
     in der Basilika Sanct Peters: die Vorhänge der Kirche waren zurückgeschlagen: das Abendlicht flutete träumerisch herein: die
     Kerzen am Altar gaben ihren roten Schein dazu: Weihrauchwolken zogen duftend dazwischen, und unsichtbare Priesterknaben sangen
     mit hellen Stimmen aus der Krypta, wo sie einen Toten bargen. Da zuerst hörte ich den Klang, der gleich ist und doch wieder
     nicht ganz gleich: und zauberhaft umfing der Wohlklang mein Gehör: und ich versuchte, in unsrer

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