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Ein Kampf um Rom

Ein Kampf um Rom

Titel: Ein Kampf um Rom Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Felix Dahn
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ihm – wie du
     jetzt – gleich alles dem Kaiser zu melden. Aber ich – ich zitterte vor des Kaisers Mißtraun, das schon in der Aufforderung
     an Belisar einen Schein der Schuld erblicken konnte.«
    »Das war es wohl nicht allein«, sprach Cethegus vorsichtig, erst nach Lauschern sich umblickend, »was deinen Rat bestimmte,
     dem Belisar, wie immer, folgte.«
    »Was sonst? was kannst du meinen?« frug Antonina leise.
    Sie errötete über und über.
    »Du wußtest, daß gute Freunde eures Hauses beteiligt waren – diese wolltest du erst warnen, erst lösen von den Schuldigen,
     ehe sie angezeigt würden.« –
    »Ja«, stammelte sie, »Photius, sein Freigelassner   –«
    »Und noch ein andrer«, flüsterte Cethegus, »der doch nicht, aus Theodoras goldnem Kerker kaum befreit, gleich in die Gewölbe
     des Bosporus wandern sollte.«
    Antonina schlug beide Hände vor das Antlitz.
    »Ich weiß alles, Antonina:– die geringe Schuld von früher –: die starken guten Vorsätze späterer Zeit. Aber hier hat dich
     die alte Neigung bestrickt. Statt nur an Belisar zu denken, hast du auch an
sein
Wohl gedacht. Und wenn nun darüber Belisar untergeht – weß ist die Schuld?«
    »O halt ein, erbarme dich«, flehte Antonina.
    »Verzage nicht«, fuhr Cethegus fort. »Dir bleibt ja eine starke Stütze – eine Fürsprecherin bei Justinian. Wenn auch vielleicht
     Verbannung droht – das Äußerste wird doch die Fürbitte deiner Freundin abwenden, der Allmächtigen.«
    »Die Kaiserin!« rief Antonina entsetzt. »Wie wird sie alles darstellen! Ach, sie hat uns den Untergang geschworen.«
    »Dann ist’s schlimm«, sprach Cethegus, »sehr schlimm. Denn auch die Kaiserin weiß von der Verschwörung und von den Ladungen
     an Belisar. Und du weißt:– viel geringere Schuld, als die zu einer Verschwörung aufgefordert zu sein, genügt   –«
    »Die Kaiserin weiß es? Dann sind wir verloren! O du, der du Auswege zu finden weißt, wo kein Auge sonst sie sieht – hilf,
     rette.«
    Und die stolze Gestalt sank flehend vor dem Präfecten nieder. Aus der Zimmerecke erscholl ein klägliches Geheul: bei diesem
     Anblick schüttelte den Leoparden aufs neue die Furcht. Einen raschen Blick warf der Präfect auf den heulenden Gegner:– dann
     erhob er sanft die Kniende.
    »Auf, Gattin Belisars, verzage nicht. Ja, es gibt ein Mittel, Belisar zu retten. Aber nur Eines.«
    »Soll er jetzt die Anzeige machen? sobald er heimkehrt?«
    »Das ist zu spät und zu wenig. Man würde ihm nicht glauben, daß es ihm ernst mit bloßen Worten. Nein, er muß in Taten seine
     Treue beweisen. Er muß die Verschwornen alle zusammen fassen und alle zusammen dem Kaiser ausliefern.«
    »Wie kann er sie zusammen fassen?«
    »Sie laden ihn ja selbst. Heute nacht, in des Photius, seines Freigelassnen, Hause versammeln sie sich. Wohlan: er sage zu,
     ihr Haupt zu werden. Er erscheine und nehme sie dort alle gefangen.–
    Anicius«, fügte er bei, »ist von der Kaiserin selbst gewarnt für heute nacht – er war bei mir.« –
    »O und müßt’ er sterben:– es gilt ja, Belisar zu retten. Er muß es tun! Ich seh’ es ein. Und es ist kühn, gefährlich – es
     wird ihn reizen.«
    »Wird er seinen Freigelassnen opfern?« –
    »Siebenmal haben wir den Toren vergebens gewarnt. Was liegt an Photius, wenn es Belisar gilt. Wenn ich je Gewalt über ihn
     gehabt:– heute werd’ ich ihn überzeugen. Schon früher riet ihm Prokop, einmal einen solchen, wie er sagte, brutalen Beweis
     seiner Treue zu führen, nachdem er nicht gleich die erste Aufforderung dem Kaiser mitgeteilt. Ich werde ihn dieses Rats Prokops
     erinnern. Sei gewiß: er folgt meinem, unsrem übereinstimmenden Rat.«
    »Gut, er soll vor Mitternacht dort sein. Wenn der Wächter auf den Mauern die zwölfte Stunde ausruft, breche ich in den Saal:
     und, auf daß er ganz sichergeht, soll er nur eintreten, wenn er meinen Mauren Syphax in der Nische des Hauses hinter der Petrusstatue
     sieht: auch kann er einige seiner Leibwächter vor das Haus stellen: sie sollen ihn decken für den Notfall und Zeugnis ablegen
     für ihn. Große Verstellungskunst wird ihm nicht zugemutet: er soll erst kurz vor Mitternacht eintreten: er braucht dann nur
     zu hören, nicht zu reden. Unsere Wachen harren im Hain des Constantinus vor der Hintertür des Muschelhauses des Photius: mit
     dem Ausruf der Mitternacht – die Tuba bläst die Ablösung der Wachen, du weißt, man hört es deutlich – brechen wir ein. Er
     braucht also

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