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Ein Land, das Himmel heißt

Ein Land, das Himmel heißt

Titel: Ein Land, das Himmel heißt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stefanie Gercke
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wann sie unser Haus bekämen. Mandela hätte jedem von ihnen eins versprochen, und unseres hätten sie sich ausgesucht. Besonders mein neuer Herd hätte es ihnen angetan. Was soll man dazu sagen?«
    Jill musste an Jenny und Malcolm denken und an das, was jemand mit ihrem Blut an die Wände geschmiert hatte.
    Bulala amaBhunu. Tötet die Farmer.
    »Freunde in Mpumalanga haben einen Zaun um ihr Haus ziehen lassen, drei Meter hoch und mit 8000 Volt geladen«, fuhr Angelica fort, »auf der Innenseite läuft ein zweiter, der Kinder und Hunde vor dem Elektrozaun bewahren soll. Sie gehen jeden Abend mit ihren Gewehren ins Bett, tagsüber machen sie keinen Schritt ohne sie. Seit die Sache mit Jenny und Malcolm passiert ist, denkt Alastair auch an einen elektrischen Zaun. Vorerst will er einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, der ständig über das Land patrouilliert. Bis an die Zähne bewaffnet, natürlich.« Ihre Stimme klang müde, sie hatte die Arme fest um ihren kleinen Sohn gelegt.
    Privater Sicherheitsdienst. Klang eigentlich nicht nach Geheimbund. »Wer betreibt den?«
    »Ein einarmiger Ex-Polizist. Entsetzlicher Kerl, aber er soll ziemlich gut sein. Alastair kann ihn menschlich auch nicht ausstehen, aber er ist der Einzige, der diesen Service anbietet.« Sie zuckte mit den Schultern. »Wen schert’s, er soll ja nicht Familienmitglied werden. Und wenn du nichts dagegen hast, möchte ich jetzt bitte über Babynahrung, das Wetter oder die Klamotten reden, die ich mir haufenweise kaufen werde, wenn ich dieses Balg geworfen habe! Über alles andere, nur nicht über Politik und unsere Zukunft in unserem Land.«
    Nachdenklich sah Jill ihre Freundin an. Der einarmige Ex-Polizist. Leons Freund Len? »Heißt der Einarmige Len?«
    Angelica nickte abgelenkt. Patrick hatte in einem Moment ihrer Unaufmerksamkeit in den übrig gebliebenen Karottenbrei gelangt und ihn freudestrahlend in seine Haare geschmiert. Jetzt wischte er seine Händchen an Jills weißer Couch ab. »Du kleiner Teufel«, schimpfte seine Mutter. »Ich hab’s dir doch gleich gesagt, wir hätten den Bengel in der Badewanne füttern sollen.«
    »Macht nichts, ich lass sie reinigen«, murmelte Jill, verrieb tief in Gedanken den Karottenfleck zu einem Kreis. Leons Freund Len also leitete seinen eigenen Sicherheitsdienst und war Ex-Polizist. Verkehrspolizist oder Kripo? Auf jeden Fall wurzelte seine Gesinnung mit Sicherheit tief im Apartheidsystem. Sie nahm sich vor, gleich morgen Neil Robertsons unerschöpfliche Informationsquellen anzuzapfen.
    Nachdem Angelica Patrick und ihren Sieben-Monats-Bauch in ihrem Kleinwagen verstaut hatte, rief Jill bei den Robertsons an.
    »Madam und Master sind nicht hier«, beschied ihr Regina, Titas Hausmädchen, »sie reisen.«
    »Oh.« Jill war enttäuscht. »Wohin? Wann kommen sie wieder?«
    »Hat Madam nicht gesagt«, antwortete Regina lakonisch auf beide Fragen. »Irgendwann«, setzte sie hinzu.
    Also teilte Tita ihrem Hauspersonal aus Sicherheitsgründen auch nicht mit, wie lange sie fortbleiben würden. Doch dann fiel ihr einer ein, der es wissen musste, es ihr auch sagen würde. »Ist Twotimes da? Ich möchte ihn sprechen.«
    Titas Beschützer Twotimes sagte ihr, dass Tita und Neil eine ausgedehnte Reise nach Europa angetreten hatten. »Sie werden im Frühling wieder hier sein.«
    Sie legte auf. Ende August oder September also. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten. Rasch räumte sie ihr kleines Wohnzimmer auf, Martin musste gleich nach Hause kommen. Den Bezug des Couchkissens warf sie in den Wäschekorb. Er war aus Baumwolle, Thoko sollte ihn waschen. Die halbe Stunde, die ihr noch blieb, nutzte sie, um die Bilder der verschiedenen Vögel, die sie in der letzten Zeit aufgenommen hatte, zu ordnen und zu beschriften. Stundenlang saß sie allein im Busch, um seltene Vögel für ihr Buch aufzuspüren und zu fotografieren. Es half ihr. Außerdem suchte sie ein Thema für ihre Doktorarbeit. Irgendetwas über Nektarvögel.
    Auf einem Foto fiel ihr im verwischten, sonnengesprenkelten Grün ein kleiner, blauschwarz schillernder Fleck auf. Sie studierte ihn durch die Lupe. Ein eleganter kleiner Vogel, auf einem Draht sitzend. Tief gegabelter Schwanz mit sehr langen äußeren Schwanzfedern. Eine Schwalbe. Sie legte die Lupe weg und überlegte. Konnte das eine Blauschwalbe sein? Das wäre ein unglaublicher Glücksfall. Die Blauschwalbe, die nur ein- oder zweimal an der gesamten Ostküste gesichtet worden war, hier auf

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