Ein letzter Brief von dir (German Edition)
notgedrungen von ihrem Hintern gelöst hatte, sich ohne Umwege an den Knöpfen ihrer Bluse zu schaffen machte.
«Ein Date.» Marek lehnte sich zurück, zerzaust und auf glückliche Art unbefriedigt. «Oh, Orla, du machst mich noch verrückt. Heute Abend?» Er bemerkte ihr Zögern. «Hast du etwas vor?»
«Nein, aber …»
«Dann haben wir ein Date. Wir sind ganz normale Leute, und normale Leute gehen samstagabends aus. Ja? Gut. Du suchst das Restaurant aus. Wir treffen uns da. Entspann dich. Ich weiß, dass du hier in der Stadt kaum Restaurants kennst – dafür gibt es Google. Such uns etwas Hübsches aus, weil ich mich heute Abend gern ein wenig mit meiner neuen Freundin betrinken möchte. Weil», er hatte gemerkt, dass sie zusammengezuckt war, «ich glaube, dass du genau das bist.»
Er setzte sie zu Hause ab. Das würde er immer tun, das wusste sie. Manchmal reagierte sie auf männliche Galanterie mit Trotz, aber bei Marek fühlte sie sich nicht gegängelt. Sie fühlte sich bei ihm wie eine Frau.
Kapitel achtzehn
M ir war klar, dass Sim es faustdick hinter den Ohren hat. Ich wusste, er hat etwas Abgründiges. Aber das!»
«Ju.»
«Dieses Schwein. Dieses widerliche, dreckige, miese, kleine Schwein.»
«
Ju!
Es reicht. Und hör auf zu zappeln, bleib vor der Kamera.»
«Weißt du, wen er gevögelt hat?»
«Anthea Blake.»
«Oh,
bitte
! Sie ist hundert Jahre alt.»
«Fünfzig und zwei Monate.»
«Hasst du ihn?»
«Wenn ich das zulasse, wenn ich nachgebe und ihn hasse, dann mache ich die besten drei Jahre meines Lebens zunichte.
Sie
hasse ich aber. Das ist leicht.»
«Warum? Du kennst sie doch gar nicht. Warum kriegt die Frau wieder alles ab?»
«Sag bitte nicht, es gehören immer zwei dazu. Sie hat sich zwischen mich und meinen Mann gedrängt, diese Zecke. Sie hat mich zu der kleinen Irin gemacht, mit der er Spaß hatte, bevor er der Liebe seines Lebens begegnet ist. Du hast ein vollkommen falsches Bild von ihr. Anthea ist schlau. Sie hat ein Buch geschrieben. Sie hat einen Uni-Abschluss. Sie sammelt Erstausgaben von Jane-Austen-Romanen. Und ich habe Sim mit Geplapper über das Krippenspiel der zweiten Klasse behelligt. Sie hat Obama getroffen, verdammt noch mal.»
«Ich würde auch gern mal Obama treffen.»
«Siehst du. Du würdest auch mit ihr durchbrennen.»
«Niemals. Sie kann dir nicht das Wasser reichen. Sim hatte nicht alle Tassen im Schrank. Bitte, bitte lass nicht zu, dass dich das zurückwirft. Du hast gerade wieder angefangen zu leben.»
«Ich gebe mein Bestes. Aber es ist schwer.»
«Hey, du weinst ja! Komm näher vor die Kamera. Weinst du? Oh, Orla, ich wünschte, ich könnte da sein und dich in den Arm nehmen.»
«Das wünschte ich auch. Ich weine nicht. Meine Augen sind ein bisschen feucht, das ist alles.»
«Weißt du, was, vielleicht hatte Sim recht. Damit, auszubrechen, meine ich. Vielleicht war er mutig.»
«Ich kann dir nicht folgen.»
«Wir bleiben alle bloß kleben, wenn die Liebe schwindet, meinst du nicht? Oder die Lust oder was immer es ist.»
«Sim war
nicht
mutig, Ju. Er hat per Valentinskarte mit mir Schluss gemacht.»
«Aber er hat’s getan. Er hat den Sprung ins Unbekannte gewagt. Wenn er am Leben wäre, wärst du ihm mittlerweile vielleicht dankbar.»
«Ein großes Wenn, Ju. Ein riesen-, ein megagroßes Wenn.»
«Ich sage doch nur …»
«Bitte nicht. Bitte sag so was nicht.»
«Also darf ich ihn nicht beschimpfen, aber ich darf auch nicht sagen, dass er recht gehabt haben könnte.»
«Weißt du, was, ich muss aufhören. Marek lädt mich zum Essen ein, und ich muss noch das Restaurant aussuchen.»
«Marek? Und wann wolltest du mir davon erzählen?»
«Hab ich doch gerade getan.»
«Ja, so nebenbei, auf dem Sprung.»
«Sorry. Wenn ich das nächste Mal ein Trauma und ein gebrochenes Herz überwinde, schicke ich dir eine Aktennotiz mit Stichpunkten. Aber jetzt – tschüs.»
«Halt, warte, leg nicht …»
«Bis bald, Juno.»
Kenne deine Feinde.
Orla hätte General Sun Tzu nicht erkannt, wenn er vor ihr gestanden hätte, aber sie hatte seine 1600 Jahre alte Maxime im Ohr, als sie ihr iPad anschaltete, um nach einem passenden Restaurant zu suchen.
Anthea hatte das Tagebuch. Das war wirklich raffgierig. Sein Herz zu stehlen hatte ihr nicht gereicht. Antheas Erinnerung an ihn war zwar traurig, aber unkompliziert: Sie hatte ihn in der Phase der ersten Verliebtheit verloren und tanzte nun mit seinem Tagebuch in der Hand durch ihr
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