Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Eine bezaubernde Erbin

Eine bezaubernde Erbin

Titel: Eine bezaubernde Erbin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sherry Thomas
Vom Netzwerk:
zwei Buchstützen, hätten sie optisch nicht besser zusammenpassen können. Genau wie er war sie groß, schlank und athletisch. Sie hatte wie er schwarze Haare und blaue Augen. Und wie er bewegte sie sich mit lässiger Eleganz.
    Millie war weder besonders klein noch in irgendeiner Weise dick, aber neben Mrs Englewoods stattlicher Erscheinung fiel es ihr schwer, sich nicht drall vorzukommen – vielleicht sogar ein wenig gedrungen. Aber es war schließlich auch nicht so, als würde sie sich neben Isabelle Englewood je anders als minderwertig fühlen.
    „Sie sehen anders aus als damals“, sagte Mrs Englewood, während sie an ihrem Tee nippte. „Größer und hübscher.“
    Einfach so, ohne weiteres Vorgeplänkel.
    Millie atmete tief ein. „Es freut mich, dass ich heute besser aussehe als an meinem Hochzeitstag.“
    „Das Kleid hat Sie förmlich verschluckt.“
    Millie musste ihr zustimmen. „Ja, im Rückblick betrachtet war das Kleid ziemlich grauenhaft. Statt das Beste zu kaufen, das uns Geld beschaffen konnte, haben wir das Auffälligste gekauft.“
    Dass sie so ohne Weiteres zugab, dass ihr Kleid dem Geschmack neureicher Emporkömmlinge entsprochen hatte, trug ihr einen überraschten Blick von Mrs Engelwood ein.
    „Nichtsdestotrotz“, sagte sie wehmütig, „hätte ich das Kleid mit Freuden getragen – oder eines, das zehnmal so abscheulich gewesen wäre –, wenn ich mit ihm vor den Altar hätte treten können.“
    Millie aß einen Keks und sagte nichts.
    „Ich habe ihn geliebt. Ich hatte meine ganze Zukunft als Mrs Fitzhugh geplant. Und als er Sie geheiratet hat, sind alle meine Hoffnungen und Träume zerschellt. Zwei Monate lang habe ich von früh bis spät und von spät bis früh nur auf meinem Bett gesessen. Ich habe kaum etwas gegessen. Vielleicht alle drei Tage ein wenig geschlafen. Seither sehe nicht mehr so aus wie früher.“
    Sie sah tatsächlich anders aus, wie eine zerbrochene Vase, die wieder gekittet worden war. Sie war nach wie vor schön, alle Teile waren vorhanden, aber der Schaden war noch immer sichtbar. Millie zuckte zurück, als hätte jemand ein brennendes Streichholz zu dicht vor sie gehalten.
    „Meine Mutter und Schwester haben mich schließlich aus meinem selbstauferlegten Exil gelockt. Sie haben mich davon überzeugt, dass es besser für mich wäre, nach London zu gehen und mir einen Ehemann zu suchen, statt zu Hause dahinzusiechen. Das habe ich in der darauffolgenden Saison dann auch getan.“
    „Er war an Ihrem Hochzeitstag da. Er hat gesagt, Sie hätten schön ausgesehen – und glücklich“, sagte Millie in dem vergeblichen Versuch, sie daran zu erinnern, dass nicht alles in ihrem Leben schief gegangen war.
    „Ich schätze, ich war glücklich genug. Aber es war nicht dasselbe – nur eine Imitation. Nichts kommt diesem perfekten, makellosen Glück gleich, das ich einst kannte.“
    Jeder Atemzug verbrannte Millies Lungen, doch Mrs Englewood sprach erbarmungslos weiter.
    „Ich möchte nur das zurückerhalten, was ich verloren habe, das Leben leben, das mir vorbestimmt war. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?“
    Millie musste sich zu ihrer Antwort zwingen: „Nein.“
    „Fitz ist ein wunderbarer Mann – und ich rede nicht nur von seinem Aussehen. Sie wissen, dass er treu und ehrenhaft ist. Sie wissen, dass er sich für seine Pflichten aufopfern würde. Und“, Mrs Englewoods Stimme versagte fast, „jetzt sind Sie ein Teil seiner Pflichten.“
    „Was meinen Sie damit?“
    „Er sorgt sich sehr um Ihr Wohlbefinden. Er betrachtet Sie als eine schuldlos Beteiligte, und er will auf keinen Fall so handeln, dass es Ihrem zukünftigen Glück schaden würde.“
    Millie verstand allmählich. „Sie machen sich Sorgen, dass ich ihn nicht gehen lasse, dass ich ihn mit meinen Tränen zu halten versuche.“
    „Ich sage nicht, dass Sie das tun werden“, erklärte Mrs Englewood. „Aber ich an Ihrer Stelle würde es wohl. Es ist so leicht, sich in ihn zu verlieben, und so schwer, ihn gehen zu lassen.“
    „Dann ist es wohl ganz gut, dass ich mich ihm nicht so innig verbunden fühle.“
    Mrs Englewoods Blick ruhte so schwer wie ein Felsblock auf Millie. „Lieben Sie ihn denn nicht?“
    Niemand hatte sie in dieser Sache je direkt gefragt – und sie hatte daher nicht lügen müssen.
    „Lord Fitzhugh und ich haben geheiratet, weil er das Geld meiner Familie brauchte und mein Vater einen Schwiegersohn mit Titel wollte“, sagte Millie vorsichtig. „Dass wir uns entgegen aller

Weitere Kostenlose Bücher