Elfenlicht
Fangzähne tätowiert. Ein Dutzend goldener Ohrringe klirrte in seinem rechten Ohr. Das linke war zu mehr als der Hälfte abgeschnitten und von wulstigem Narbengewebe überwuchert. Ajax, Fürst der Mondberge, hatte die blutroten Augen eines Albinos. Er galt als aufbrausend und gewalttätig. Ollowain hatte darauf spekuliert, dass Ajax genau an dieser Stelle seiner Ansprache einen seiner cholerischen Anfälle bekommen würde. »Was stellst du dir vor, Elfenmännlein? Willst du zu den Trollen gehen, vor ihnen im Staub kriechen und um Gnade winseln? Bist du zu feige zum Sterben? Ich piss dir gleich auf deine hübschen Stiefel, und dann prügele ich dich eigenhändig bis zu deiner Königin zurück. Einen Drecksack wie dich haben wir gerade noch gebraucht. Erst sitzen wir uns hier den Arsch platt, und dann ...«
Ollowain nutzte den Augenblick, in dem Ajax schnaufend einatmete, um mit neuer Puste weiterzufluchen, um eine Frage zu stellen. »Du wärst also an meiner Seite, wenn ich in fünf Tagen das Heerlager der Trolle angreife?«
»Du mäuseblütiger Bastard. Du ...« Offensichtlich brauchte der Stierschädel ein paar Herzschläge lang, um diese überraschende Wendung zu erfassen.
»Das ist Selbstmord!«, empörte sich Elodrin.
»Scheiße, nein!«, fuhr Ajax seinen früheren Oberbefehlshaber an. »Das ist die Art, wie ein echter Mann Krieg führt, Weicharsch! Ich bin dabei, Schwertmeister!«
»Auf mich und meine Herden kannst du auch zählen«, sagte Orimedes mit fester Stimme.
»Auf die Doppelschwerter meiner Männer kannst du dich ebenfalls verlassen«, erklang ein tiefer Bass. Ein riesiger Kentaur stand im Zelteingang. Er trug eine prächtige, staubbedeckte Bronzerüstung. Ein Muskelpanzer umschloss seine breite Brust und reichte hinab bis zu den Vorderläufen. Beinschienen mit knollenförmigen Gelenkstücken schützten die Vorderbeine des Kriegers. Auch die Arme und Hände des Pferdemanns waren gepanzert. Unter den linken Arm hatte er einen Helm mit tief hinabgezogenen Wangenstücken ge
klemmt, den ein purpurn gefärbter Rosshaarkamm schmückte. In der Rechten hielt er ein Doppelschwert, eine Stangenwaffe, an deren beiden Enden lange gekrümmte Schwertklingen saßen. Das Gesicht des Kriegers war von einem fein getrimmten, kurzen Vollbart gerahmt. Er hatte blondes Haar und dunkle, sonnenverbrannte Haut. Zwei kinnlange Zöpfe rahmten sein Gesicht, während ein dritter Zopf ihm bis weit auf den Rücken reichte.
»Ich heiße dich willkommen in unserer Mitte, Katander von Uttika.« Ollowain war überrascht, den Bronzefürsten zu sehen. Die Kentauren der Westküste waren größer und hatten massigere Pferdeleiber als ihre Vettern in der Steppe. Zwischen den Bronzekriegern und den Pferdemännern des Windlands herrschte eine jahrhundertealte Fehde. Niemand konnte sich erinnern, wann die beiden Völker zum letzten Mal Seite an Seite gekämpft hatten; dafür hatten sie ungezählte Scharmützel untereinander ausgetragen.
Als sich die Blicke von Orimedes und Katander begegneten, lag eine knisternde Spannung über dem Kartentisch. Ollowain durfte nicht zulassen, dass ihre alte Fehde seinen Feldzug gefährdete.
»Welche Truppenverbände sind in der Lage, in drei Tagen dreihundert Meilen zu bewältigen?«, fragte der Schwertmeister harsch.
»In der Zeit schaffen meine Männer leicht fünfhundert Meilen!«, sagte Orimedes herausfordernd.
Aber dann sind sie zu erschöpft, um noch kämpfen zu können, dachte Ollowain, schwieg jedoch und blickte in die Runde.
Eine Elfe in grüner Rüstung mit filigranen goldenen Beschlägen lächelte den Schwertmeister selbstsicher an. Das Haar lag ihr in einem schweren, roten Zopf über der Schulter. Caileen, Gräfin von Dorien. Sie hatte das Kommando über die freien Adeligen Arkadiens. Da Shandral seinem Adel nicht mehr traute und nur noch Koboldkrieger in seiner Nähe duldete, hatten die Adeligen Arkadiens einen eigenen Verband gebildet.
»Wie viele Streitwagen befehligst du?«
»Dreihundertzweiundachtzig. Jeder bemannt mit einem Fahrer, einem Bogenschützen und einem Sensenträger. Wenn das Gelände nicht zu schwer ist, können wir leicht mit unseren Waffenbrüdern, den Kentauren, mithalten.«
»Ich bringe dir achthundert Doppelschwerter«, sagte Katander schlicht. Sich dazu zu äußern, ob seine Krieger den Gewaltmarsch schaffen konnten, war offenbar unter seiner Würde.
»Bei allem Respekt, Ollowain«, meldete sich Elodrin zu Wort. »Aber das ist Wahnsinn. Es ist ein
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