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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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lieferte uns den Hinweis – Brücken aus hellrotem Sandstein, kannelierte Säulen aus rotem Felsgestein, die vor einem rosa Himmel aufragten, wunderschöne rote Bögen, neben denen das Farcasterportal, das hinter uns zurückblieb, zwergenhaft wirkte. Der Fluss wand sich durch Schluchten, die von diesen Parabeln aus rotem Stein überwölbt wurden, dann machte er eine Biegung in ein breiteres Tal, wo der heiße Wind durch die gelben Salbeisträucher wehte und einen roten Staub aufwirbelte, der sich in den langen, röhrenförmigen »Haaren« der Phantomgewänder verfing und uns in Mund und Augen geriet. Am Mittag trieben wir durch ein fruchtbareres Tal. Bewässerungskanäle zweigten rechtwinklig von dem Fluss ab, kurze gelbe Palmen und magentarote Schachtelhalme säumten die Wasserläufe. Bald darauf kamen kleine Gebäude in Sicht und wenig später ein ganzes Dorf mit rosa und ockergelben Häusern, aber keine Menschen.
    »Wie auf Hebron«, flüsterte Aenea.
    »Das wissen wir nicht«, sagte ich. »Vielleicht arbeiten sie nur irgendwo außer Sicht.«
    Aber der Mittag ging in die Hitze des Nachmittags über – laut unserem Reiseführer war der Tag auf Qom-Riyadh zweiundzwanzig Stunden lang –, und obwohl die Kanäle verzweigter, die Pflanzen zahlreicher und die Dörfer häufiger wurden, konnten wir keine Spur von Menschen oder Haustieren sehen. Wir ruderten zweimal mit dem Floß ans Ufer – einmal, um Wasser aus einem artesischen Brunnen zu schöpfen, und dann noch einmal, um ein kleines Dorf zu erforschen, aus dem vom Fluss aus Hammerschläge zu hören gewesen waren. Es war ein abgebrochenes Vordach, das im Wüstenwind klopfte.
    Plötzlich krümmte sich Aenea mit einem Schmerzensschrei. Ich ließ mich auf ein Knie fallen und bestrich die Straße mit der Plasmapistole, während A. Bettik zu ihr lief. Auf der Straße war niemand zu sehen. Keine Bewegung hinter den Fenstern.
    »Schon gut«, keuchte das Mädchen, während der Androide sie festhielt.
    »Ein plötzlicher Schmerz...«
    Ich lief zu ihr und kam mir albern vor, weil ich die Waffe gezogen hatte.
    Ich steckte die Pistole ins Halfter zurück, ließ mich auf ein Knie nieder und nahm Aeneas Hand. »Was ist los, Spatz?« Sie schluchzte.
    »Ich... weiß... nicht«, brachte sie unter Schluchzen hervor. »Etwas Schreckliches ist... ich weiß nicht.«
    Wir trugen sie zum Floß zurück. »Bitte«, flüsterte Aenea, deren Zähne trotz der Hitze klapperten. »Gehen wir. Verschwinden wir von hier.«
    A. Bettik stellte das Mikrozelt auf, obwohl es mittlerweile fast den gesamten Platz auf unserem Floß beanspruchte. Wir zogen die Phantomgewänder in den Schatten, legten das Mädchen darauf und gaben ihr Wasser aus einem der Wasserschläuche.
    »Ist es dieses Dorf?«, fragte ich. »Hat dich etwas daran –«
    »Nein«, sagte Aenea unter trockenem Schluchzen. Ich konnte sehen, wie sie gegen Gefühlsaufwallungen ankämpfte, die über ihr zusammenschlugen. »Nein... etwas Schreckliches... diese Welt, aber auch... hinter uns.«
    »Hinter uns?« Ich sah zur Tür des Zelts hinaus flussaufwärts, aber außer dem Tal, dem breiten Kanal eines Flusses und dem Dorf mit seinen wiridgepeitschten gelben Palmen, das langsam zurückblieb, war nichts zu sehen.
    »Hinter uns auf der Eiswelt?«, fragte A. Bettik leise.
    »Ja«, brachte Aenea heraus, dann krümmte sie sich wieder unter Schmerzen. »Es... tut weh.«
    Ich legte ihr die Handfläche auf die Stirn und den bloßen Bauch. Ihre Haut war heißer, als sie selbst in der Hitze des Tales und durch den Sonnenbrand auf ihrem Gesicht und den Armen sein sollte. Wir holten eines der Medpacks aus meinem Rucksack, und ich brachte einen Diagnosefühler an. Er zeigte hohes Fieber, Schmerzen im Bereich 6,3 des Dolorometers, Muskelkrämpfe und ein unregelmäßiges EEG. Er empfahl Wasser, Ibuprofen und den Besuch bei einem Arzt.
    »Da ist eine Stadt«, sagte der Androide, als wir um eine Biegung des Flusses kamen.
    Ich trat aus dem Zelt, um nachzusehen. Die rosaroten Türme, Kuppeln und Minaretts waren noch weit entfernt – schätzungsweise fünfzehn Kilometer in dem Tal, das stetig breiter wurde –, und die Strömung dieses Flusses hatte es nicht besonders eilig. »Sie bleiben bei ihr«, sagte ich und ging zur Steuerbordseite, um zu rudern. Unser kürzeres Floß war deutlich leichter als das alte, daher kamen wir trotz der schwachen Strömung schnell voran.
    A. Bettik und ich konsultierten den wasserwelligen Reiseführer und kamen zu dem Ergebnis, dass

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