Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
Bodenwagen und spien Kohlenmonoxid oder Ketone oder welche schmutzigen Substanzen auch immer aus, die die alten Verbrennungsmotoren in die Atmosphäre entweichen ließen...
Ich schrak aus meinem Nachdenken auf, als eine angenehme Männerstimme rief, deren Worte durch die städtischen Täler aus Stein und Stahl hallten. Sie schien von dem Park nur einen oder zwei Blocks links von mir zu kommen, und ich rannte in diese Richtung und hielt dabei die Hand auf das offene Halfter meiner Pistole.
»Hören Sie das?«, sagte ich im Laufen in das Kehlkopfmikro.
»Ja«, ertönte A. Bettiks Stimme in meinem Ohrstöpsel. »Ich habe die Terrassentür offen, und die Stimme ist von hier deutlich zu hören.«
»Hört sich arabisch an. Können Sie es übersetzen?« Ich keuchte nur mäßig, als ich den Sprint über zwei Blocks hinter mich gebracht hatte und das offene Parkgelände betrat, wo die Moschee den gesamten Block beherrschte. Ein paar Minuten zuvor hatte ich eine der Seitenstraßen hinabgeschaut und den letzten Rest der roten Sonne gesehen, die die Minaretts in ihrem Licht badete, aber nun war der Turm aus Stein stumpf und grau, und das Licht schien nur noch auf den höchsten Zirruswölkchen.
»Ja«, sagte A. Bettik. »Es ist ein Muezzin, der zum Abendgebet ruft.«
Ich nahm das Fernglas aus der Gürteltasche und betrachtete die Minaretts. Die Stimme des Mannes kam aus Lautsprechern auf einem Balkon rings um den gesamten Turm herum. Keine Spur einer Bewegung dort oben. Plötzlich verstummte der rhythmische Ruf, und Vögel zwitscherten in den Zweigen des baumbestandenen Platzes.
»Wahrscheinlich eine Aufzeichnung«, sagte A. Bettik.
»Ich werde mich vergewissern.« Als ich das Fernglas wieder verstaut hatte, folgte ich einem Schotterweg aus Bruchstein zwischen weiten Rasenflächen und gelben Palmen zum Eingang der Moschee. Ich konnte das Innere sehen – Hunderte Gebetsmatten lagen darin. Geschwungene Bögen aus gestreiftem Stein ruhten auf eleganten Säulen, und an der Wand gegenüber führte ein wunderschöner Torbogen zu einer halbkreisförmigen Nische. Rechts von dieser Nische befand sich eine Treppe mit einem reich verzierten Geländer und einer Plattform mit einem Baldachin aus Stein darüber. Ich betrat den großen Raum noch nicht, sondern beschrieb ihn A. Bettik.
»Die Nische ist das Mihrab«, antwortete er. »Das ist für den Vorbeter reserviert, den Imam. Der Balkon rechts ist die Minbar, die Kanzel. Ist dort irgendjemand zu sehen?«
»Nein.« Ich konnte roten Staub auf den Gebetsteppichen und Steinstufen sehen.
»Dann besteht kein Zweifel, dass es sich bei dem Ruf zum Gebet um eine Aufzeichnung gehandelt hat«, sagte A. Bettik.
Ich verspürte den Wunsch, diesen großen Raum aus Stein zu betreten, aber der Wunsch wurde von meinem Widerwillen aufgehoben, ein Haus zu entweihen, das anderen als heilig galt. Das hatte ich schon als Kind in der katholischen Kathedrale am Ende des Schnabels gespürt, und auch als Erwachsener, als ein Freund von der Heimatgarde mich in eines der letzten Klöster der Zen-Gnostiker auf Hyperion mitnehmen wollte. Schon als Junge war mir klar geworden, dass ich immer ein Außenstehender sein würde, wenn es um heilige Häuser ging... ich hatte nie ein eigenes und fühlte mich stets unbehaglich in denen anderer. Ich trat nicht ein.
Als ich durch die Straßen der Stadt zurückschlenderte, wo es allmählich kühler und dunkler wurde, fand ich einen von Palmen gesäumten Boulevard in einem attraktiven Stadtteil. Auf Wagen standen Lebensmittel und Spielsachen zum Verkauf. Ich blieb an einem Krapfenstand stehen und schnupperte an einem der armreifgroßen Teigringe. Er war vor Tagen verdorben, nicht vor Wochen oder Monaten.
Der Boulevard führte zum Fluss, wo ich nach links abbog und auf der Strandpromenade zu der Straße zurückging, die mich wieder zur Klinik führen würde. Ab und zu erkundigte ich mich bei A. Bettik. Aenea schlief immer noch tief und fest.
Als sich die Nacht über die Stadt senkte, trübte Staub in der Atmosphäre den Blick auf die Sterne. Nur wenige Gebäude in der Innenstadt waren beleuchtet – was immer die Bevölkerung fortgenommen hatte, musste tagsüber passiert sein –, aber stattliche alte Straßenlaternen, in denen Gaslicht leuchtete, standen entlang der Strandpromenade. Wäre nicht eine dieser Lampen am Straßenende des Piers gewesen, wo ich das Floß vertäut hatte, hätte ich mich wahrscheinlich zu der Klinik umgedreht, ohne es zu bemerken. So
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