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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Blutergüsse bekam oder das Blut zu kochen anfing. Die Membranen wurden wie Hauben tief in die Stirn und bis zum Kinn hochgezogen, sodass nur Augen, Nase und Mund unbedeckt blieben.
    Cuchiat und Chatchia holten Membranmasken aus dem Rucksack. Die anderen Chitchatuk hatten ihre bereits angelegt. Das waren eindeutig künstliche Schöpfungen – die Maske selbst bestand aus derselben Innenhaut wie die Druckanzüge, und hier und da waren Polster aus Phantomhaut eingenäht worden. Die Augenteile bestanden aus den Linsen der Phantomaugen, die denselben begrenzten Ausschnitt des Infrarotspektrums zeigten wie die Augen unserer Außenanzüge. Vom Mundstück der Maske ging ein Stück gewundenen Phantomdarms ab, dessen Ende Cuchiat sorgfältig mit einem der Wasserschläuche vernähte.
    Nicht nur ein Wasserschlauch, wurde mir klar, als die Chitchatuk erstmals durch ihre Masken atmeten: Das Becken mit dem Brennschrot schmolz das Gletschereis zu Wasser und Atmosphärengas. Irgendwie filterten sie diese Atmosphäremischung, bis sie ausreichende Mengen Atemluft bekamen. Ich versuchte, durch die Maske zu atmen – meine Augen tränten von den anderen Beimischungen, eindeutig eine Spur Methan, möglicherweise sogar Ammoniak, aber eindeutig atembar. Ich schätzte, dass der Luftvorrat in dem Beutel nur für ein paar Stunden reichen würde.
    Als wir in den Druckanzughäuten steckten, streiften wir die äußere Schicht der Phantomgewänder darüber. Cuchiat zog die Köpfe der Gewänder tiefer, als wir sie jemals getragen hatten, und klappte die Zähne zusammen, sodass wir durch die Linsen schauten und der Kopf als primitiver Helm über unserem Druckanzug fungierte. Danach zogen wir ein zweites Paar Stiefel aus Phantomhaut an, die fast bis zum Knie hinaufreichten. Danach wurde das äußere Gewand rasch mit einigen beherzten Stichen von Chiakus Knochennadel zugenäht. Wasser- und Luftbeutel hing an Gurten unter unserer Kleidung über einer Klappe, deren Naht man in aller Eile öffnen und aufklappen konnte, wenn die Beutel nachgefüllt werden mussten. Chichticu, der Träger des Brennschrotfeuers, war unablässig und emsig damit beschäftigt, Atmosphäre zu Wasser und Luft zu schmelzen, selbst beim Gehen, und er verteilte die Ersatzbeutel in exakter Reihenfolge, Cuchiat zuerst, ich zuletzt. Wenigstens verstand ich jetzt die Hackordnung der Gruppe. Außerdem wurde mir klar, weshalb sich die Gruppe, wenn an der Oberfläche Gefahr drohte, zu einem schützenden Kreis mit Chichticu, dem Feuerträger, in der Mitte formierte. Er war nicht nur von religiöser und symbolischer Bedeutung. Seine konstante Wachsamkeit und Arbeit hielten uns am Leben.
    Als wir aus der Höhle kamen und die sturmumtoste eisige Oberfläche betraten, wurde unserer Garderobe ein letztes Teil hinzugefügt. Aus einer Nische beim Eingang holten Chiaku und die anderen eine Anzahl langer schwarzer Schlittschuhe mit rasiermesserscharfen Kufen, oben dagegen flach und breit, sodass unsere vermummten Füße gut darauf passten.
    Wieder benutzten wir Riemen aus Phantomhaut, um uns die Schlittschuhe an die Füße zu binden. Die Dinger bildeten eine effektive Kombination aus Schlittschuhen und Langlaufskiern, und ich rutschte ungeschickt zehn Meter über das von Windrillen durchzogene Eis des Gletschers, bis mir klar wurde, dass wir auf Phantomkrallen dahinglitten.
    Ich muss gestehen, dass ich große Angst davor hatte, bei 1,7 g zu fallen, da ich bei jedem Stolpern den Eindruck hatte, als würde das Äquivalent von sieben Zehnteln eines anderen Raul Endymion auf mich fallen, aber wir lernten schnell, uns auf den Dingern zu bewegen, und waren im Falle eines Sturzes obendrein gut gepolstert. Zuletzt benutzte ich einen der abgesägten Stämme des Floßes als plumpen Skistock, wenn die Oberfläche zu uneben wurde, und stieß mich ab, als wäre ich ein Ein-Mann-Floß.
    Ich hätte so gern ein Holobild oder ein Foto von unserer Gruppe bei diesem Ausflug. Mit unseren Phantomfellen, den Druckanzügen aus Innenhaut, den Luftbeuteln aus Phantomeingeweiden, den
    Dünndarmluftschläuchen, den Knochenspeeren, meinem Plasmagewehr, den Rucksäcken und den Krallenskiern müssen wir ausgesehen haben wie paläolithische Astronauten der Alten Erde.
    Es ging alles bestens. Wir kamen auf den Schnee- und Eiskristallrillen schneller voran als in den Tunneln. Wenn der Wind von Süden wehte, was nur während eines kurzen Abschnitts unserer Reise an der Oberfläche vorkam, konnten wir unsere in Phantomfelle

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