Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
auf einer Welt namens Amritsar kennen gelernt hatte und mit ihr hierher gereist war.
Vielleicht kam Theo von Ixion.
»Nein, von Ixion ist niemand mit mir gekommen«, sagte Aenea. »Sie hatten andere Ziele. Dinge, die sie die Leute lehren mussten.«
Ich sah sie einen Moment an. »Du meinst, die Löwen und Tiger und Bären gestatten jetzt auch anderen zu farcasten? Oder öffnen sich sämtliche alten Portale?«
»Nein«, antwortete Aenea, aber ich war nicht sicher, auf welche Frage.
»Nein, die Farcaster sind so tot wie immer. Es ist nur... nun... für einige spezielle Fälle.«
Wieder beharrte ich nicht auf dem Thema. Sie fuhr fort.
Nach Ixion war sie auf die Welt Maui-Covenant ge’castet.
»Siris Welt!«, sagte ich und erinnerte mich an Grandams Stimme, als sie mir die Verse der Cantos von Hyperion beibrachte. Das war der Schauplatz der Geschichte eines der Pilger gewesen.
Aenea nickte und fuhr fort. Maui-Covenant war zu Zeiten des Netzes von einer Revolution und Angriffen der Hegemonie geplagt gewesen, hatte sich im Interregnum nach dem Fall erholt und war während der Expansion des Pax ohne Zutun der Eingeborenen neu kolonisiert worden, die, in bester Tradition Siris, von ihren schwimmenden Inseln und an der Seite ihrer Delfingefährten gekämpft hatten, bis Pax-Flotte und Schweizergarde mit aller Brutalität zurückschlugen. Nun wurde Maui-Covenant mit Nachdruck christianisiert, und die Bewohner des einzigen großen Kontinents, des Äquatorialarchipels und der Tausende von wandernden Inseln würden zur Umerziehung in »Christliche Akademien« geschickt.
Aber Aenea und A. Bettik waren auf eine schwimmende Insel gelangt, die noch den Rebellen gehörte – Gruppen von Neo-Heiden, die sich Siristen nannten, nachts segelten, tagsüber zwischen den wandernden Archipelen verlassener Inseln trieben und den Pax bei jeder sich bietenden Gelegenheit bekämpften.
»Was hast du gebaut?«, fragte ich. Ich glaubte mich aus den Cantos zu erinnern, dass die schwimmenden Inseln außer Baumhäusern kaum etwas unter ihren Segelbäumen hatten.
»Baumhäuser«, sagte Aenea grinsend. »Jede Menge Baumhäuser. Und einige Unterwasserkuppeln. Dort haben die Heiden den größten Teil ihrer Zeit verbracht.«
»Du hast also Baumhäuser entworfen.«
Sie schüttelte den Kopf. »Machst du Witze? Das sind – nach den verschwundenen Tempelrittern von God’s Grove – die besten Baumhausbauer im menschlichen Universum. Ich habe studiert, wie man Baumhäuser baut. Sie waren so freundlich, A. Bettik und mich helfen zu lassen.«
»Sklavenarbeit«, sagte ich.
»Genau.«
Sie hatte nur rund drei Standardmonate auf Maui-Covenant verbracht.
Dort hatte sie Theo Bernard kennen gelernt.
»Eine heidnische Rebellin?«, fragte ich.
»Eine abtrünnige Christin«, verbesserte mich Aenea. »Sie war als Kolonistin nach Maui-Covenant gekommen. Sie floh aus den Kolonien und schloss sich den Siristen an.«
Ich runzelte die Stirn, ohne es zu merken. »Sie trägt eine Kruziform?«, fragte ich. Auferstehungschristen machten mich nervös.
»Nicht mehr«, sagte Aenea.
»Aber wie...« Ich kannte keine Möglichkeit, wie ein Christ mit dem Kreuz sich der Kruziform entledigen konnte, außer Exkommunizierung, die nur die Kirche durchführen konnte.
»Ich erkläre es dir später«, sagte Aenea. Bevor ihre Schilderung zu Ende war, sollte sie diesen Satz noch öfter gebraucht haben.
Nach Maui-Covenant waren sie und A. Bettik und Theo Bernard nach Renaissance Vector gefarcastet.
»Renaissance Vector!«, schrie ich fast. Das war ein Bollwerk des Pax.
Wir waren auf Renaissance Vector fast abgeschossen worden. Es war eine hyperindustrialisierte Welt, nichts als Städte und Roboterfabriken und Pax-Zentren.
»Renaissance Vector.« Aenea lächelte. Es war nicht leicht gewesen. Sie waren gezwungen gewesen, A. Bettik als Opfer von Verbrennungen mit einer Synfleischmaske auszugeben. Für ihn waren die sechs Monate, die sie dort verbrachten, besonders unangenehm gewesen.
»Was für Aufgaben hast du dort durchgeführt?«, fragte ich, weil es mir schwer fiel, mir vorzustellen, wie sich meine Freundin und ihre Freunde auf der dicht besiedelten Weltstadt von Renaissance Vector versteckten.
»Nur eine Aufgabe«, sagte Aenea. »Wir haben an der neuen Kathedrale in Da Vinci gearbeitet – St. Matthew’s.«
Ich konnte sie eine Zeit lang nur anstarren, ehe ich etwas sagte. »Du hast an einer Kathedrale gearbeitet? Einer Pax-Kathedrale? Einer christlichen
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