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Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung

Titel: Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Kardinalsrot sagte Aenea, dass er wusste, wie sie nach T’ien Shan gelangt war, und dass sie auf diesem Weg nicht mehr entkommen konnte. Ich sah meine Freundin an, aber sie wirkte gelassen und nur am Rande an der Unterhaltung interessiert. Konnte es ein zweites Farcasterportal geben, von dem der Pax nichts wusste? Das erklärte wenigstens, weshalb wir noch am Leben waren: Der Pax hatte Aeneas Mauseloch abgeriegelt und eine oder mehrere Katzen – in Gestalt des Diplomatenschiffs im Orbit und zweifellos weiteren Kriegsschiffen, die sich anderswo im System versteckten – bereit, die auf sie warteten. Wäre ich einige Monate später eingetroffen, hätten sie unser Schiff aufgebracht oder zerstört und Aenea immer noch da gehabt, wo sie sie haben wollten.
    Aber warum warten? Und wozu dieses Spiel?
    »... wären wir sehr daran interessiert, Ihren – wie heißt er gleich wieder – Tempel, der in der Luft hängt, zu sehen. Klingt faszinierend«, sagte Erzbischof Breque.
    Regent Tokra runzelte die Stirn. »Das dürfte schwer zu arrangieren sein, Eure Exzellenz«, sagte er. »Der Monsun steht unmittelbar bevor, die Kabelwege werden höchst gefährlich sein, und während der Winterstürme ist selbst der Hochweg nicht ungefährlich.«
    »Unsinn!«, rief der Dalai Lama und beachtete die finstere Miene nicht, die der schmalgesichtige Regent ihm zuwandte. »Wir werden mit Freuden helfen, eine solche Expedition zu arrangieren«, fuhr der Junge fort. »Sie müssen den Hsuan-k’ung Ssu auf alle Fälle sehen. Und das gesamte Mittlere Königreich... bis zum T’ai Shan, dem Hohen Gipfel, wo die Treppe der siebenundzwanzigtausend Stufen zum Tempel des Jadekaisers und der Prinzessin der azurblauen Wolken hinaufführt.«
    »Eure Heiligkeit«, murmelte der Zeremonienmeister mit gesenktem Kopf, aber erst nachdem er mit dem Regenten einen väterlichen Blick gewechselt hatte, »ich sollte Euch daran erinnern, dass der Hohe Gipfel wegen der Hochflut der giftigen Wolken nur während der Frühlingsmonate über den Kabelweg zu erreichen ist. Für die kommenden sieben Monate ist T’ai Shan für den Rest des Mittleren Königreiches und der Welt nicht zu erreichen.«
    Das jungenhafte Lächeln des Dalai Lama verschwand... nicht, dachte ich, aus Verdrießlickeit, sondern aus Missfallen darüber, so herablassend behandelt zu werden. Als er wieder sprach, hatte seine Stimme einen schneidenden, befehlsgewohnten Unterton. Ich kannte nicht viele Kinder, aber ich hatte mehr als genug Offiziere kennen gelernt, und wenn meine Erfahrungen als Leitfaden dienen konnten, würde dieser Junge zu einem hervorragenden Mann und Befehlshaber werden.
    »Zeremonienmeister«, sagte der Dalai Lama, »natürlich ist mir bekannt, dass der Kabelweg geschlossen wird. Jeder weiß, dass der Kabelweg geschlossen wird. Aber ich weiß auch, dass zu jeder Winterszeit ein paar furchtlose Flieger den Flug vom Sung Shan zum Hohen Gipfel bewerkstelligen. Wie sonst könnten wir den Gläubigen auf T’ai Shan unsere offiziellen Edikte zukommen lassen? Und einige der Parasegler können mehr als einen Flieger befördern... sogar Passagiere, richtig?«
    Der Zeremonienmeister verbeugte sich so tief, dass ich fürchtete, er würde sich die Stirn an den Schmuckfliesen stoßen. Seine Stimme bebte.
    »Ja, ja, gewiss, Euer Heiligkeit, gewiss. Mir war bekannt, dass Ihr das wusstet, mein Herr, Euer Heiligkeit. Ich meinte nur... ich wollte nur sagen...« Regent Tokra sagte scharf: »Ich bin sicher, Euer Heiligkeit, der Zeremonienmeister wollte sagen, dass, obwohl einige wenige Flieger diesen Flug jedes Jahr unternehmen, viele von ihnen bei dem Versuch zugrunde gehen. Wir würden doch unsere verehrten Gäste nicht einer solchen Gefahr aussetzen wollen.«
    Das Lächeln des Dalai Lama kehrte zurück, aber es wirkte irgendwie älter und listiger – fast spöttisch – als das jungenhafte Lächeln einige Minuten zuvor. Er wandte sich an Kardinal Mustafa. »Sie haben keine Angst vor dem Sterben, Euer Eminenz, ist es nicht so? Dies ist schließlich der Zweck Ihres Besuches hier, oder nicht? Uns das Wunder Ihrer christlichen Auferstehung vorzuführen?«
    »Nicht der einzige Zweck, Euer Heiligkeit«, murmelte der Kardinal.
    »Wir sind lediglich gekommen, um die freudige Botschaft Jesu Christi all denen zu bringen, die sie hören wollen, und um mögliche Handelsbezie-hungen mit Ihrer wunderschönen Welt zu diskutieren.« Der Kardinal erwiderte das Lächeln des Jungen. »Und auch, wenn das Kreuz und das

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