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Engelslust

Engelslust

Titel: Engelslust Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Inka Loreen Minden
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heiß er mit seinen Bartstoppeln ausgesehen hatte, so verwegen, eher wie ein Pirat denn ein Engel. Das hatte ihr gefallen. Aber sein glattes, makelloses Gesicht fand sie auch sehr anziehend; jetzt kamen die männlich-markanten Züge wieder richtig zur Geltung. Keine Frage, er war ein sexy Engel.
    Schwärmte sie etwa von ihm? Potzblitz und Pestilenz, bestimmt nicht! Er war nur ein attraktiver Kerl, den sie anziehend fand – rein äußerlich.
    Noch einmal kam sie auf die Rasierszene zurück. Es hatte ihr gefallen, ihm bei seinem männlichen Ritual zuzusehen. Ein kleines Teufelchen in ihrem Kopf brachte sie da auf eine Idee …
    Um sich von ihren verwirrenden Gefühlen abzulenken, überlegte sie, warum Cain im Badezimmer nicht ihre Anwesenheit gespürt hatte. Normalerweise waren Wesen seiner Art sehr empfänglich dafür, wenn sich ihre Erzfeinde in ihrer Nähe aufhielten. Auch bei ihrer ersten Begegnung in Chinatown schien er nicht gleich gewusst zu haben, was sie war. Ob es an ihrem Elfenblut lag? Auch sein Detektor zeigte sie nicht an. Wenn sie also nicht von den Engeln bemerkt werden konnte, wäre sie für ihre Mutter erst recht eine große Bereicherung. Leraja konnte sich unter die Menschen und Engel mischen, ohne aufzufallen.
    Wenig später hielt sie vor dem großen Portal des Saales, in dem ihre Mutter residierte. Zu beiden Seiten der mächtigen Tür standen wie immer Wachen. Sie trugen nur einen Lendenschurz und in den Händen hielten sie speerartige Waffen. Mit ihren wolfsähnlichen Köpfen – die »Ratten« hatten gerade keine Schicht – erinnerten sie an altägyptische Götter, die Leraja auf einer Abbildung in ihrem Geschichtsbuch gesehen hatte. Sie liebte Bücher, aber das wusste kaum jemand. Ebenso wie kein Mensch wusste, dass die Götter der Ägypter in Wahrheit Dämonen gewesen waren.
    Nachdem die Wachen Leraja vorbeigelassen hatten und sie in den großen Saal trat, schlug ihr sofort der Geruch nach Sex entgegen. Ihr drehte sich schon lang nicht mehr der Magen um, als sie ihre Mutter sah, die sich nackt auf ihrem Knochenthron räkelte, der mit Goldplatten beschlagen, mit rotem Samt bespannt und üppig mit Edelsteinen verziert war.
    Xiras Lieblingssklave, der zugleich ihr Beschützer und engster Vertrauter war, kniete am Fuße des Herrschersitzes, ebenfalls nackt, mit einer Leine um den Hals. Immerhin bot er nicht so einen abschreckenden Anblick wie manch andere Dämonen, im Gegenteil: Shahrukh war rein optisch ein junger Mann mit schwarzem Haar, das ihm bis zu den Hüften reichte. Sein leicht ovales Gesicht und sein athletischer Körperbau glichen dem eines Asiaten. Seine bronzefarbene Haut und die Pupillen der leicht schräg gestellten Augen glänzten im Licht der Fackeln. Er war wirklich der attraktivste Dämon der Unterwelt – auch wenn er im Moment einen sehr verschwitzten Eindruck machte. Kein Wunder, dass Xira ihn für sich beanspruchte. Sie war schon so lange mit Shah zusammen, dass es Leraja beinahe so vorkam, als gehörte er zur Familie, als wäre er ihr … Bruder.
    Xiras rasierte Spalte klaffte auf, als sie einen Schenkel über die andere Lehne legte und sich dabei genüsslich zwischen den Beinen streichelte. »Ah, meine Tochter beehrt mich. Ich hoffe, es gibt wichtige Neuigkeiten. Wie du siehst, bin ich gerade beschäftigt.«
    Leraja nickte und senkte den Blick, da die schwarzen Augen ihrer Mutter prüfend über ihren Körper glitten. Wie immer trug Leraja ihren hautengen Anzug aus Leder, aber wenn ihre Mutter sie derart eindringlich ansah, kam sie sich ebenfalls nackt vor.
    Schon wurde sie mental von ihrer Mutter gezwungen, dieser in die schwarzen Augen zu sehen. Ihre Iriden glühten schwach. Konnte Xira erkennen, was sie und Cain bereits erlebt hatten? Irgendwie wollte Leraja nicht, dass ihre Mutter zu viel über Cain wusste und schon gar nicht erfuhr, wie gern sie den Engel mochte. Aber Xira schien nichts zu finden. Leraja war für sie schon immer wie ein Buch mit sieben Siegeln gewesen, Elfenblut sei Dank.
    Die Verbindung brach ab und Leraja spürte einen Druck in ihrem Magen. Erstens, weil ihre Mutter sich vor ihren Augen befriedigte, und zweitens, weil Leraja ihr so verdammt ähnlich sah. Xira benahm sich wie … eine Dämonin eben. Aber war sie selbst jemals besser gewesen? Und warum plagten sie plötzlich diese Gewissensbisse?
    »Darf ich mich frisch machen, Herrin?«, fragte Shahrukh leise, ohne die Herrscherin anzusehen. Der junge Dämon wusste, wann Xira allein gelassen werden

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