Erebos
linke, ungedeckte Seite los. Sarius wehrt ab, schlägt nach dem Tier und trifft immerhin eines seiner Ohren, das zu bluten beginnt. Doch er merkt, er kann sich nicht konzentrieren. Die Skorpione, die Orks und Trolle – sie alle haben ihn nicht so aus dem Gleichgewicht gebracht wie dieses bizarr aus der Art geschlagene Schaf. Schon greift es wieder an. Blut läuft ihm von seinem verletzten Ohr ins Maul und glänzt auf dem stählernen Gebiss.
Weil Sarius es nicht mehr sehen will, weil er es einfach nur weghaben will, in der Hoffnung, dass es ihn nicht bis in seine Träume verfolgen wird, wirft er jetzt jede Strategie über Bord. Er läuft dem Tier entgegen und bohrt ihm das Schwert in die Brust; die spitzen Zähne schnappen nur knapp an seiner Hüfte vorbei. Er zieht das Schwert heraus, stößt es wieder in den Schafskörper, noch einmal und noch einmal. Leises Singen in den Ohren verrät ihm, dass er verletzt ist, wenn auch nur leicht.
Das Schaf schwankt, aber es stirbt nicht. Weil es kein Schaf ist, begreift Sarius, sondern ein Monster, ein Höllenvieh, ein Dämon. Er hebt sein Schwert, so hoch er kann, und gräbt es in den Nacken des Tieres. Drei Schläge braucht er, bis der Kopf ins Gras rollt.
Ihm ist übel. Er wünscht sich, der Kadaver würde einfach im Erdboden versinken, spurlos. Doch rund um ihn versickert Blut in der Erde. Es klebt auch an der goldenen Klinge seines Schwerts. Blut und Schafwolle. Eine neue Welle von Ekel überrollt ihn, und als könne er ihn auf diese Weise bekämpfen, drischt Sarius noch einmal auf den Schafskörper ein, mit aller Kraft, und dann immer wieder, als würde er sich dadurch auflösen.
Als Sarius sich abwenden will, sieht er es. Grünes Funkeln irgendwo zwischen den Rippen seines erschlagenen Gegners. Er überwindet seinen Widerwillen und bückt sich. Greift in den Körper hinein und holt einen großen Stein heraus, der von innen her leuchtet. Endlich.
Blitzschnell sieht er sich um, nicht nach weiteren Schafen, sondern danach, ob einer der anderen Kämpfer etwas bemerkt hat. Nein. Sie sind alle noch in ihre Scharmützel verwickelt. Er lässt den Stein in seinem Inventar verschwinden, das Hochgefühl über den Fund vertreibt die letzten Reste des Ekels.
Auch Drizzel hat seinen Kampf bereits beendet, systematisch zerlegt er sein geschlachtetes Schaf in Einzelteile. Vergebens, wie Sarius voller Genugtuung bemerkt.
Blackspell und Nurax kämpfen noch, sie teilen sich einen Gegner, während Sapujapu sich ein pechschwarzes Schaf allein mit seiner langen Axt vom Hals hält.
Hinter ihm am Boden liegt eine reglose Dunkelelfin. Feniel. Hat es dich endlich erwischt, denkt Sarius hämisch. Das kommt davon, wenn man sich immer vordrängen muss.
Ein fadendünner Streifen Rot ist auf Feniels Schärpe geblieben, mehr nicht. Der Verletzungston muss mörderisch sein.
Einen flüchtigen Moment lang denkt Sarius an seine Heilkräfte, die er seiner Artgenossin keinesfalls zukommen lassen wird. Sapujapu, dem würde er helfen. Vielleicht. Aber nicht dieser dämlichen Schnepfe.
Er dreht sich weg, beobachtet Drizzel und Nurax, die ihrem Schaf den Rest geben. Endlich, er kann es kaum erwarten, dass der Bote auftaucht. Er wird seinen Wunschkristall einlösen, wer weiß, wie viele Level er dafür kriegt. Pünktlich mit dem letzten Atemzug des letzten Schafes hört er Hufschläge.
»Ich beglückwünsche euch. Das war keine leichte Aufgabe«, sagt der Bote zur Begrüßung.
»Kleinigkeit«, erklärt Drizzel.
»Nun, dann sollte eine Kleinigkeit für dich als Belohnung auch genügen. Drei Einheiten Rattenfleisch für Drizzel.«
Sarius kommt aus seiner Schadenfreude gar nicht mehr heraus. Erst Feniel, jetzt Drizzel – besser könnte es nicht laufen.
»Sapujapu, als Belohnung werde ich deine Ausrüstung verbessern«, fährt der Bote fort und überreicht dem Zwerg eine Art Wikingerhelm aus schwarzem Metall mit rot schimmernden Hörnern. Angeblich beherrscht das Ding Blitzzauber.
Einer nach dem anderen erhalten sie Gold, Tränke oder Waffen. Sarius fasst der Bote als Vorletzten ins Auge.
»Dir verstärke ich den Feuerzauber, Sarius. Von nun an kannst du nicht nur Feuer entzünden, sondern auch damit kämpfen. Aber die größte Belohnung hast du dir selbst errungen, nicht wahr?«
Sarius schweigt unbehaglich. Eigentlich wollte er vor den anderen nichts über den Fund des Wunschkristalls ausplaudern, doch davon scheint der Bote nichts zu halten.
»Ja«, sagt Sarius schließlich.
»Gut. Dann
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