Erebos
gut. Er ist echt nervig.«
Sie soll sich wohlfühlen, wiederholte Nick. Wohlfühlen, die dämliche Kuh.
»Ein Spieler ist er auch nicht. Hast du gesehen, dass er ständig mit Eric rumhängt? Colin nennt ihn immer Sushi, ich hab ihm schon erklärt, dass Sushi eigentlich japanisch ist, aber er findet es trotzdem zum Totlachen. Angeblich ist Eric jetzt mit Emily zusammen, dieser langweiligen Ziege. Ehrlich, Colin sagt auch, er hat noch nie so eine Trantüte erlebt. Kriegt nie den Mund auf und sieht immer aus, als wäre gerade ihr Meerschweinchen verendet.« Brynne lachte laut auf. Wohlfühlen, sie soll sich wohlfühlen.
»Ist wahrscheinlich Geschmackssache, wen man als Trantüte empfindet«, sagte er und zwang ein Lächeln in sein Gesicht. »Colin und mir gefallen meistens ganz unterschiedliche Mädchen.«
Diesmal blieb Brynne ihm eine Antwort schuldig. Nick vermutete, dass bei ihr der Groschen gefallen war, doch darum konnte er sich jetzt gerade nicht kümmern. Er hatte schwer an der Information zu kauen, dass Eric und Emily zusammen sein sollten. War das so? Wenn ja, woher wusste Brynne davon? Zu blöd, dass er sie nicht fragen konnte. Zu blöd, dass er versucht hatte, Emily für Erebos zu ködern. Es war zum Haareausreißen.
»Ob wir gerade etwas Wichtiges verpassen?«, murmelte er, als das Schweigen begann, unangenehm zu werden.
»Es ist immer etwas Wichtiges«, sagte Brynne. »Egal, wann du einsteigst oder aussteigst, irgendetwas verpasst du auf jeden Fall. Mich macht es auch nervös. Hoffentlich geben sie nicht gerade jetzt den Termin für die nächsten Arenakämpfe bekannt.«
»Warst du beim letzten Mal dabei?«
Sie schürzte die Lippen. »Kann es sein, dass du mich austricksen willst und mich nachher verpetzt? Du weißt doch, wie die Regeln sind. Wenn ich dir sagen würde, ich war da, ich habe zweimal gekämpft und ein Level gewonnen, dann wäre es gar nicht schwer herauszufinden, wer ich bin. Oder wer ich nicht bin. Der Bote hat es mir erklärt. Er versteht da keinen Spaß.«
»Jaja, schon gut.«
»Bist du eigentlich froh, dass ich dir Erebos gegeben habe?«, fragte sie, ohne ihn anzusehen.
»Sicher. Klar. Es ist umwerfend.«
Betont langsam strich Brynne sich eine Haarsträhne hinters Ohr. »Findest du es nicht manchmal unheimlich?«
Höllisch unheimlich. »Och. Geht so. Das soll ja so sein, glaube ich.«
»Ja.« Sie drehte ihr Glas zwischen den Händen, rechtsherum, dann linksherum und wieder rechtsherum. »Ich wünschte nur, ich würde verstehen, wieso es meine Gedanken lesen kann.«
›Gedanken lesen‹ – das war übertrieben, dachte Nick, während er mit der U-Bahn heimwärts fuhr. Brynne war an der vorigen Station ausgestiegen, nicht ohne ihn vorher an sich zu pressen und ihm einen Kuss knapp neben den Mund zu drücken.
Das Spiel konnte keinesfalls seine Gedanken lesen. Jedenfalls nicht alle. Wenn man von der unbegreiflichen Tatsache absah, dass es ihm für treue Dienste ein Hell Froze Over-Shirt geschenkt hatte. Und es hatte mit ihm über Emily gesprochen, ohne dass er sie vorher je erwähnt hatte.
Die Zugtüren fuhren zischend zur Seite und Nick stieg aus. Draußen war es dämmrig; hoffentlich gab es zu Hause schon etwas zu essen. Großartig darauf warten konnte er keinesfalls, er hatte Erebos schon viel zu lange vernachlässigt.
»Eine Sieben, Sarius. Du hast meinen Auftrag erfüllt. Hier ist deine Belohnung.«
Der Bote richtet einen Knochenfinger auf eine Ecke des dunklen Gewölbes, in dem sie sich befinden. Es erinnert an den Keller der Schänke Zum letzten Schnitt, ist aber enger und wirkt, als wäre seit Jahren niemand mehr hier gewesen. Spinnweben ziehen sich zwischen den Mauerbögen, in den Ecken wachsen kleine grünliche Pilze.
An dem vom Boten bezeichneten Platz findet Sarius ein neues Schwert und hohe Stiefel mit metallenen Spitzen. Das Schwert schimmert golden; fast hat Sarius den Eindruck, dass ein Lichtschein davon ausgeht.
»Danke.«
»Ich danke dir. Gibt es Neuigkeiten, die du mir berichten möchtest?«
Sarius zögert. Von Jamies Plänen mit Mr Watson wird er nichts sagen, auf keinen Fall. Ob er den Drohbrief mit dem Grabstein erwähnen soll? Besser nicht. Er kramt etwas aus seiner Erinnerung, das ihm sowohl Jamie als auch Brynne erzählt haben.
»Angeblich hat ein Mädchen namens Zoe letztens die Nerven verloren. Viel habe ich davon aber nicht mitbekommen.«
»Mich würde mehr interessieren, was Eric Wu treibt«, sagt der Bote. »Ich wäre erfreut, wenn
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