Erebos
fühlt sich stärker, geschickter und leichtfüßiger, seit er eine Sieben ist. Es ist ein Fest.
Sechs Orks tötet er, bis der Sieg bekannt gegeben wird, und er bleibt so unversehrt wie nie zuvor. Das stellt auch der Bote zufrieden fest, als er kurz danach auftaucht.
»Sarius, du bewährst dich. Ich belohne dich mit 50 Goldstücken.«
Die anderen bekommen dies und das, Bracco, die blutende Echse, schleppt sich über orkische Leichenteile und wird vom Boten aufs Pferd gezogen.
»Wer noch Kraft hat, soll sich auf die Suche nach entflohenen Schafen machen«, ordnet der Bote an. »Wir haben schon vier tote Schäfer.«
Mit diesen Worten gibt er seinem Pferd die Sporen und galoppiert davon, den schwankenden Bracco hinter sich auf dem Sattel.
»Ich gehe Schafe suchen«, verkündet Sarius.
»Ich auch.«
»Ich auch.«
Sapujapu und Nurax gesellen sich zu ihm, beide Sechsen. Das bedeutet, sie haben seit dem Arenakampf wieder je ein Level dazugewonnen, aber Sarius ist ihnen immer noch überlegen.
Drizzel schlendert ebenfalls heran, wortlos. Sein blasser Vampirkörper überragt Sarius um mehr als einen Kopf.
»BloodWork, bist du auch dabei?«, fragt er, weil der Barbar sich nicht rührt, sondern stumm in die Flammen des Feuers starrt.
»Blood?«
»Lass ihn«, sagt Drizzel. »Ist wahrscheinlich eingepennt.«
Sie laufen über Heideland. Der Abend ist schon weit fortgeschritten und die Sicht wird zunehmend schlechter, aber es gibt kaum Hindernisse auf ihrem Weg und sie kommen schnell voran. Sarius würde sich gern mit den anderen unterhalten, zum Beispiel darüber, was das für eine Quest sein soll – Schafe suchen! Aber kein Feuer – kein Gespräch. In seiner Erinnerung flackert ein Feuerzeug auf. Er schüttelt sich.
Sie laufen eine Hecke entlang, voller hellrosa Blüten. Die Farbe ist trotz der Dunkelheit gut erkennbar, doch bevor Sarius sich gebührend wundern kann, entdeckt er etwas anderes, etwas, das in der Hecke hängt und das die Blüten gänzlich in den Hintergrund treten lässt.
Ein Toter.
Wie auf ein unhörbares Kommando hin bleibt die ganze Gruppe stehen, erst jetzt bemerkt Sarius, dass auch Feniel und Blackspell ihnen gefolgt sind. Dann sind sie immerhin zu sechst, was angesichts der übel zugerichteten Leiche in der Hecke ein beruhigendes Gefühl ist.
Der Tote hängt da, als wäre er zum Trocknen aufgespannt worden. Etwas hat an ihm gefressen, nein, es hat ihn fast aufgefressen. Kaum noch Fleisch an den Knochen. Am Boden, unterhalb der Leiche, liegt ein gebogener Stab.
Hier haben wir einen der toten Hirten, denkt Sarius und im gleichen Moment entdeckt er das erste Schaf. Ein kräftiges Tier mit schmutzig weißer Wolle, das unter einem dürren Baum grast.
Die Erfahrung hat Sarius gelehrt, dass es Unsinn ist, den anderen den Vortritt zu lassen. Sein Schaf, seine Beute. Er wird es einfangen, wie der Bote verlangt hat, nur sieht er keine umzäunte Weide, auf die er es zurückbringen könnte.
Das Schaf grast seelenruhig weiter, während Sarius sich durch die hereinbrechende Dunkelheit anpirscht, das ist gut, das macht die Aufgabe leicht. Im Näherkommen entdeckt er Seltsames … rote und braune Flecken in der Wolle, wie frisches und getrocknetes Blut. Sicher vom Hirten, denkt er, doch richtig begreift er es erst, als das Schaf ihn bemerkt und den Kopf hebt.
Einen Kopf wie ein Albtraum. Das Schafsmaul ist breit und vorgewölbt und nun zieht das Tier die Lippen zurück wie ein Hai vor dem Angriff, entblößt nadelspitze, metallische Zähne, die lang sind wie Steakmesser.
Sarius, der nicht auf einen Kampf eingestellt war, hat noch nicht einmal sein Schwert gezogen. Das holt er jetzt nach, während das Schaf auf ihn zurennt. Zwischen seinen Zähnen entdeckt Sarius einen Fetzen des Hirtenmantels.
Der erste Schwertstreich geht ins Leere, das Schaf hat einen Haken geschlagen und schnappt nach Sarius’ linkem Arm … Verdammt, er hat vergessen, den Schild von der Schulter zu nehmen, seine ganze linke Seite ist ungedeckt.
Hinter sich hört Sarius die ersten Schwerthiebe, außerdem sirrende Schläge, die von Sapujapus Axt herrühren könnten. Es müssen weitere Schafe aufgetaucht sein, doch zum Nachsehen bleibt keine Zeit, sein eigenes Horror-Schaf verlangt Sarius’ ganze Konzentration. Es ist so schauderhaft schnell und sein Gebiss so angsteinflößend, dass er kaum den Blick davon wenden kann. Endlich findet ein Schwerthieb sein Ziel, doch er schneidet nur durch Wolle. Wieder geht das Schaf auf seine
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