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Farlander - Der Pfad des Kriegers - Buchanan, C: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Farlander

Farlander - Der Pfad des Kriegers - Buchanan, C: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Farlander

Titel: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Buchanan, C: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Farlander Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Col Buchanan
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verbergen, aber oft verriet sie ein unbedachter Gesichtsausdruck.
    Als sein Vater schließlich zu seinem ersten langen Heimaturlaub vom Schild zurückgekehrt war, hatte Nico den Mann, der seinen Sohn wie einen Fremden beäugte, kaum mehr wiedererkannt. Er saß draußen im Regen, lächelte nie, sprach selten und trank viel. In der Hütte verbreitete sich bald eine furchtbare Atmosphäre. Nicos Vater brüllte bei den kleinsten Unannehmlichkeiten los, und Nico wurde immer angespannter und erwartete nichts anderes mehr als Ärger.
    Er gewöhnte sich an, mit Kumpel draußen herumzustreifen. Die beiden durchwanderten den Wald und das Land um die Hütte herum. Wenn das Wetter schlecht war, blieb Nico in seinem Zimmer, hielt die Tür geschlossen und rief sich die Erzählungen, die er kannte, in Erinnerung oder die Aufführung von Die Geschichten des Fisches , die er manchmal bei seinen Besuchen in der Stadt
gesehen hatte, und verbrachte so die Zeit mit müßigen Fantasien.
    Eines Nachts trank sich sein Vater in eine so verzehrende Wut, dass er Nicos Mutter angriff und sie an den Haaren im Zimmer herumschleifte, während Nico schrie und ihn anbettelte, er möge aufhören. Er schlug Nico zu Boden. Dann hörte er plötzlich auf, schaute hinunter auf seinen Sohn, bemerkte dessen Entsetzen und stolperte hinaus in die Nacht.
    Am nächsten Morgen kam sein Vater zurück, packte seine persönlichen Habseligkeiten und ging wieder, während Nico und seine Mutter noch aneinanderge-schmiegt in dem kleinen Kinderbett schliefen. Nico fühlte sich, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre. Seine Mutter hatte noch lange danach geweint.
    Nun ballte Nico die Fäuste in der Finsternis der Zelle und seufzte. »Er hatte seine Gründe, uns zu verlassen«, sagte er zu dem unsichtbaren Mann.
    Der Zigarillo glühte an der Spitze auf, qualmte, verschwand.
    »Ob Angst oder nicht, du weißt es besser als jeder andere, darauf könnte ich wetten.«
    »Was willst du damit sagen?«
    »Ich will damit sagen, dass das Blut des Vaters auch durch den Sohn fließt. Was für ihn gilt, gilt auch für dich.«
    Nico spürte, wie seine Wangen heiß wurden. Er wandte sich von dem Fremden ab, wollte nichts mehr von ihm sehen oder hören.

    Rufe hallten aus einer anderen Zelle herbei; die Worte waren kaum verständlich. Ein Wahnsinniger schrie, die Mhannier kämen übers Meer und würden sie alle bei lebendigem Leibe verbrennen.
    Das Glühen des Zigarillos verschwand rasch, als der Besucher ihn auf seiner Handfläche ausdrückte. Mit einem Grunzen erhob er sich, blieb reglos stehen und murmelte etwas in sich hinein. Als er sich wieder Nico zuwandte, suchte seine schwere Hand die Schulter des Jungen und klopfte darauf.
    »Du bist in Ordnung, Junge«, sagte der Mann. »Du kannst jetzt schlafen.«
    Er ging, und der Duft des Rauchs kräuselte sich noch ein wenig dort, wo er gesessen hatte.
    Danach wurde Nico von niemandem mehr belästigt.

    Seine Mutter kam am Morgen, ganz in Schwarz gekleidet, als ob sie zu einer Beerdigung gehen würde. Ihre Augen waren verweint, und das fest um den Kopf gelegte rote Haar verlieh ihren Zügen etwas Verhärmtes, Verbissenes. Es war das erste Mal seit mehr als einem Jahr, dass Nico sie sah.
    Loos war bei ihr. Er steckte in seinen besten Kleidern und gab vor, rechtschaffen entsetzt über das zu sein, was der kleine Nico getan hatte. Es war Loos, der als Erster sprach, als sie sich durch die Gitterstäbe ansahen, die die Gefangenen von den Angehörigen in dem schwach erhellten, kalten Besuchsgewölbe trennten.

    »Du siehst schrecklich aus«, sagte er.
    Nico fehlten die Worte. Seine Mutter und Loos waren die letzten Menschen, die er hier zu sehen erwartet hatte.
    »Wie habt ihr es erfahren?«, fragte er seine Mutter mit leiser Stimme.
    Sie näherte sich ihm und schien die Hand nach ihm ausstrecken zu wollen, doch daran wurde sie durch die Gitterstäbe gehindert, und plötzlich flackerte Wut in ihren Augen auf.
    Mit kalter Stimme erwiderte sie: »Der alte Jaimena hat gesehen, wie du von den Wachen durch die Stadt geschleift wurdest, und er war so freundlich, zu mir hinaus zu reiten und es mir zu sagen.«
    »Oh«, meinte Nico.
    » Oh? Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?«
    Ihr Zorn war wie ein Lufthauch, der gegen sein Gesicht blies; er fachte erneut die Glut an, die seit dem Tag, an dem Nico die Hütte verlassen hatte, in ihm geschmort hatte.
    »Ich habe dich nicht gebeten, herzukommen«, fuhr er sie an. »Und ihn

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