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Flammenkinder: Kriminalroman (German Edition)

Flammenkinder: Kriminalroman (German Edition)

Titel: Flammenkinder: Kriminalroman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lars Kepler
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leise.
    »Ich mache mir nur Sorgen, dass er traurig sein wird, wenn es aus ist«, fährt Åhlén fort. »Verstehst du, was ich meine?«
    »Ja, aber …«
    »Was wolltest du mich fragen?«
    »War Miranda Ericsdotter schwanger?«
    »Auf gar keinen Fall.«
    »Du erinnerst dich an das Mädchen, das …«
    »Ich erinnere mich an alle«, erwidert der Obduzent barsch.
    »Tust du? Das hast du mir nie erzählt.«
    »Du hast mich nie gefragt.«
    Flora ist aufgestanden und lächelt ängstlich vor sich hin.
    »Bist du sicher, dass …«
    »Ich bin mir absolut sicher«, unterbricht Åhlén ihn. »Sie konnte nicht einmal schwanger werden.«
    »Sie konnte nicht?«
    »Miranda hatte eine große Zyste am Eierstock.«
    »Dann weiß ich Bescheid, vielen Dank … und grüß Frippe.«
    »Mache ich.«
    Joona beendet das Gespräch und sieht Flora an. Ihr Lächeln verschwindet langsam.
    »Warum tun Sie das?«, fragt Joona ernst. »Sie haben mir gesagt, dass das ermordete Mädchen schwanger war, aber sie konnte nicht einmal schwanger werden.«
    Flora macht eine Geste in Richtung Kellertür.
    »Ich erinnere mich, dass sie …«
    »Aber das stimmt doch einfach nicht«, unterbricht Joona sie. »Sie war nicht schwanger.«
    »Ich meinte eigentlich«, flüstert Flora, »ich meinte eigentlich, dass sie gesagt hat, sie sei schwanger. Aber das stimmte gar nicht, sie war es nicht. Sie hat es nur geglaubt, sie dachte, sie wäre schwanger.
    » Jumala «, seufzt Joona und geht die Upplandsgatan hinauf zu seinem Auto.

145
    DAS ESSEN IST ETWAS ZU TEUER und Daniel ist verlegen, als er die Weinkarte studiert. Er fragt Elin, ob sie eine Flasche aussuchen möchte, aber sie schüttelt nur lächelnd den Kopf. Er räuspert sich leise, fragt den Kellner nach der Hausmarke, überlegt es sich anders, bevor der Mann antworten kann, und erkundigt sich stattdessen, ob der Kellner einen Rotwein zum Essen empfehlen kann. Der junge Mann wirft einen Blick in die Weinkarte und stellt drei Weine in verschiedenen Preisklassen vor. Daniel wählt den billigsten und sagt, dass ein südafrikanischer Pinot Noir sicher eine gute Wahl sein wird.
    Der Kellner bedankt sich und nimmt Wein- und Speisekarte mit. An einem anderen Tisch des Restaurants speist eine Familie.
    »Es wäre doch nicht nötig gewesen, mich zum Essen einzuladen«, sagt sie.
    »Ich hatte Lust dazu«, erwidert er lächelnd.
    »Das ist sehr lieb von dir«, sagt sie und trinkt einen Schluck Wasser.
    Eine Kellnerin tauscht Besteck und Weingläser aus, aber Elin spricht weiter, als wären sie alleine.
    »Vickys Rechtsbeistand hat das Mandat niedergelegt«, sagt sie leise, »aber Johannes Grünewald, der Anwalt unserer Familie … er hat sich bereits in den Fall eingearbeitet.«
    »Es wird sicher gut laufen«, beruhigt Daniel sie.
    »Es wird keine weiteren Vernehmungen geben, sie sagen, siehabe gestanden«, fährt Elin fort und räuspert sich vorsichtig. »Ich sehe doch selbst, dass Vicky genau ins Bild passt. Pflegefamilien, mehrfaches Weglaufen, Heime, Gewalt … alles spricht gegen sie. Aber ich glaube nach wie vor, dass sie unschuldig ist.«
    »Ich weiß«, sagt Daniel.
    Als die ersten Tränen fließen, senkt sie den Kopf. Daniel steht auf, geht um den Tisch herum und umarmt sie.
    »Du musst entschuldigen, dass ich so viel über Vicky spreche«, sagt sie und schüttelt den Kopf. »Es ist nur, weil du gesagt hast, du glaubst, dass sie es nicht gewesen ist. Sonst hätte ich nie … aber es kommt mir vor, als wären du und ich die Einzigen, die nicht glauben, dass sie es getan hat …«
    »Elin«, sagt er ernst. »Ich glaube im Grunde gar nichts, ich meine nur, die Vicky, die ich kennen gelernt habe, hätte das niemals tun können.«
    »Darf ich dich etwas fragen? Tuula scheint Vicky und Miranda zusammen gesehen zu haben«, erzählt Elin.
    »In jener Nacht?«
    »Nein, das war früher …«
    Elin verstummt, und Daniel hält ihre Schultern umfasst und versucht, ihr in die Augen zu sehen.
    »Was ist?«
    »Vicky und Miranda haben etwas gespielt … und sich die Hände vors Gesicht gehalten«, sagt Elin. »Ich habe der Polizei nichts davon gesagt, denn dann würden sie Vicky nur noch mehr verdächtigen.«
    »Aber Elin …«
    »Das muss nichts heißen«, sagt Elin schnell. »Ich frage Vicky danach, wenn ich die Chance dazu bekomme … sie kann mir sicher erklären, was sie da gemacht haben.«
    »Und wenn sie das nicht kann?«
    Als er sieht, dass der Kellner sich mit der Weinflasche nähert, schweigt er.

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