Gefaehrten der Finsternis
kannte: Lanyan Goldklinge, Sylvus der Gestrenge, Mardyan der Einsame und mit einer weißen Rüstung und einem mit Schwanenfedern geschmückten Helm schließlich sogar der Erste König. Außer seinem Vater waren inzwischen alle tot und auch Vandriyan hatte sich seitdem stark verändert.
Lyannen hatte immer davon geträumt, wie diese Männer zu sein. Jetzt bot sich ihm die Gelegenheit dazu, was ihn allerdings
nun mehr erschreckte als mit Stolz erfüllte. Doch sich nach Syrkun zu begeben, war für ihn so etwas wie eine Weihe. Der Ort, an dem die großen Helden so viele Male siegreich gegen die Finsternis gekämpft hatten. Und er war jetzt auf dem Weg dorthin. Würde über die Flure laufen, in die der Feind nicht ein einziges Mal seinen Fuß gesetzt hat, würde das Tor durchschreiten, das niemand niederrennen konnte, würde von den Brustwehren hinunterschauen, von denen sich Jubelschreie der Wachposten erhoben hatten, die die Niederlage des Feindes beobachteten! Allein der Gedanke daran ließ sein Herz schneller schlagen. Syrkun war Legende, wie die Männer, die dort gekämpft hatten. Doch die lebten nicht mehr, Syrkun dagegen stand noch. Und er würde es mit eigenen Händen berühren können.
»Du denkst an Syrkun, nicht wahr, Bruder?«, fragte ihn lächelnd Ventel, der mit einer eingerollten Zeltplane an ihm vorüberkam. Jetzt hatten sie sogar Zelte. Das Gepäck, das Irdris für sie vorbereitet hatte, enthielt alles Notwendige. Die Amazone hatte wirklich an alles gedacht.
»Ja, Syrkun«, antwortete Lyannen. Er hatte aufgehört, sich zu fragen, warum Ventel seine Gedanken lesen konnte. Nach seiner Verwundung und der plötzlichen Heilung war so viel Seltsames geschehen, dass man vergebens nach Erklärungen dafür suchte. »Bist du schon einmal dort gewesen?«
»Da solltest du lieber deinen Bruder Tyhanar fragen.« Ventel warf die Zeltplane auf den Boden und setzte sich darauf. »Er könnte dir die Feste Stein für Stein beschreiben, denn er wird der nächste Statthalter dort sein, falls Greyannah sich entschließt, seinen Rücktritt zu erklären.« Oder wenn er stirbt , verriet seine Miene ganz klar, und Lyannen dachte genau dasselbe. »Ich bin nur zwei Mal dort gewesen. Einmal mit Vater, aber da haben wir nur übernachtet. Und ein anderes Mal habe ich Gershir begleitet. Er hat sich darauf vorbereitet, in den Geflügelten Sturm aufgenommen zu werden.« Ventel deutete ein vages Lächeln an. »Ich
hätte nie gedacht, dass sie ihn wirklich nehmen würden. Und sie haben es doch getan. Na ja, niemand von uns hat sich auch vorstellen können, dass wir je ernsthaft kämpfen müssten. So ist das Leben. Es treibt offensichtlich sein Spiel mit uns. Möchtest du wirklich so gern nach Syrkun?«
»Ja.« Lyannen empfand eine gewisse Verlegenheit bei dem, was er jetzt sagen wollte. »Die Abenteuer aus meinen Träumen spielten sich immer dort ab. Und jetzt bin ich selbst auf dem Weg dorthin.«
»Dann bereite dich lieber auf eine Enttäuschung vor«, kündigte ihm Ventel an.
»Und warum?« Lyannen drehte sich überrascht zu ihm um.
»In diesen alten Geschichten stecken meist ein Körnchen Wahrheit, zwei Teile Wahrscheinlichkeit und sieben Teile Fantasie«, sagte Ventel. Er nahm die Zeltplane auf, klopfte sich ein wenig Dreck vom Hosenboden ab, und ohne ein weiteres Wort ging er, um Dalman zu helfen, der Heringe für das Zelt in die Erde schlug, und ließ Lyannen allein und nachdenklich zurück.
Der schlief die ganze Nacht nicht. Er hatte die erste Wache übernommen und entdeckte dabei, dass er überhaupt nicht müde wurde. Und als er sich in das Zelt zurückzog und sich neben Elfhall und Drymn hinlegte, die beide schon tief und fest schliefen, hatte er überhaupt keine Lust einzuschlafen. Es war so, als weigerte sich sein Verstand, zur Ruhe zu kommen. Das war die Anspannung, dachte er. Sosehr er es auch versuchte, er bekam in dieser Nacht kein Auge zu.
Trotzdem war er am anderen Morgen, als sie aufbrachen, überhaupt nicht müde. Im Gegenteil, er fühlte sich prächtig, als hätte er zwölf Stunden am Stück geschlafen. Na gut, dachte er, noch etwas, worüber ich nachgrübeln kann, während wir die Sümpfe durchqueren. Die waren im Übrigen weniger dramatisch, als er es sich vorgestellt hatte. Die Gegend wirkte ein wenig ungesund, aber im Großen und Ganzen harmlos. Große Tümpel mit salzhaltigem,
trübem Wasser und dazwischen Binsengestrüpp. Dadurch schlängelte sich ein gewundener Pfad. Es ging kein Lufthauch und das
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