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Gehirnwaesche - Die Aasgeier - Streit bis aufs Blut

Gehirnwaesche - Die Aasgeier - Streit bis aufs Blut

Titel: Gehirnwaesche - Die Aasgeier - Streit bis aufs Blut Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jack Higgins
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Krankenhaus verlegen?«
     Youngblood lachte leise. »Das würde das Innenministerium nie zulassen. Die haben eine Heidenangst, eine dieser Londo­ ner Banden könne, um an das Geld zu kommen, versuchen, mich rauszuholen.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, nein, hier bin ich und hier bleib ich.«
     »Noch fünfzehn Jahre?«
     Youngblood wandte den Kopf und lächelte spöttisch. »War­
    ten wir’s ab.« Er hielt Chavasse die Zigarettenschachtel hin. »Nehmen Sie sich noch eine.«
     Offensichtlich war er in mitteilsamer Stimmung, und Chavas­ se lag da und rauchte und ließ ihn reden. Er erzählte ihm sein ganzes Leben, wobei er mit den Jahren, die er im Waisenhaus von Camberwell verbracht hatte, begann und besonders aus­ führlich auf seine Zeit bei der Marine einging. Anscheinend hatte er außer einer Schwester keinerlei lebende Verwandte.
     »In dem Buch von Tillotson steht, daß Sie zum erstenmal wegen Schmuggels in den Knast gekommen sind.«
     »Genau.« Youngblood grinste. »Nach dem Krieg bin ich ein paar Jahre lang mit einem umgebauten Torpedoboot über den Kanal hin- und hergependelt.«
     »Was haben Sie geschmuggelt – Brandy?«
     »Alles, woran man gut verdienen konnte, und das konnte man damals mit allem möglichen – Schnaps, Zigaretten, Nylon­ strümpfe, Uhren.«
     »Und Rauschgift? Angeblich soll sich das doch am meisten lohnen?«
     »Wofür halten Sie mich, verdammt noch mal?« sagte Young­ blood. »Mit so was mache ich mir doch nicht die Hände schmutzig.«
     Seine Empörung schien völlig echt, und sie stimmte ganz mit dem überein, was Chavasse in seiner Akte gelesen hatte. Harry Youngblood würde sich nie mit Rauschgift oder Prostitution befassen, zwei der einträglichsten Verdienstmöglichkeiten – das hätte seinen moralischen Prinzipien widersprochen. Die Presse hatte diesen edlen Zug Youngbloods in ihren damaligen Prozeßberichten groß herausgestellt, und die Öffentlichkeit hatte das abgenommen und vergessen, daß Youngblood bei dem Überfall auf dem Flugplatz von Peterfield den Piloten der Dakota so zusammengeschlagen hatte, daß er fast erblindet war.
     Dieser Pilot war aber nicht sein einziges Opfer gewesen. Im Lauf der Jahre hatte die Polizei Harry Youngblood wieder und wieder wegen aller möglichen Straftaten verhaftet, vor allem wegen Raubüberfällen, bei denen sehr oft Gewalt angewendet worden war. Einmal war der Nachtwächter eines Pelzmaga­ zins, den man bewußtlos geschlagen hatte, ein paar Tage nach dem Überfall gestorben, doch man hatte Harry Youngblood nie etwas nachweisen können.
     Chavasse schüttelte die Gedanken ab und merkte, daß Youngblood noch immer redete. »Das waren vielleicht Zeiten, Mann. Wir haben der Polizei eine Menge Nüsse zu knacken gegeben. Aber es war alles so gut geplant, daß sie uns nie etwas anhängen konnten. Natürlich war die Polente ständig hinter mir her. Immer wenn irgendwo ein großes Ding gedreht wurde, hat sie mich geschnappt. Aber sie mußten mich jedes­ mal wieder laufenlassen. Die Hälfte meiner Zeit hab ich damit verbracht, mich auf der Treppe von Scotland Yard fotografie­ ren zu lassen. Es gab kaum eine Woche, in der nichts über mich in der Zeitung stand.«
     »Das ist ja nun vorbei.«
     Youngblood grinste. »Warten Sie nur ab, mein Lieber – war­
    ten Sie nur ab. Eines Tages wird mein Foto wieder auf den Titelseiten sein.«
     Chavasse streckte sich auf seinem Bett aus und dachte über das Ganze nach. Was hatte Tillotson in seinem Buch über Youngblood gesagt? Daß er einen geradezu krankhaften Drang nach Berühmtheit hatte, der fast einem Todestrieb gleichkam. Aufregung und Gefahr waren unentbehrlich für ihn. Er hatte es zutiefst genossen, den Gangster zu spielen, immer wieder verhaftet und verhört zu werden, sein Bild in den Zeitungen zu sehen.
     Eins stand auf jeden Fall fest. Er war kein Robin Hood, son­ dern ein brutaler, mit allen Wassern gewaschener Verbrecher, hinter dessen freundlichem Lächeln sich ein eiserner Wille und Entschlossenheit verbargen, sich um jeden Preis zu verschaf­ fen, was er haben wollte.
     Chavasse zog seine Schuhe aus. »Ich glaube, ich werde mich jetzt schlafen legen. Es war ein langer Tag.«
     Youngblood sah ihn über seine Illustrierte hinweg an. »Tun Sie das, mein Junge.« Er grinste. »Und lassen Sie sich von den Hunden nicht unterkriegen.«
     Chavasse zog die Decke über seine Schulter und schloß die Augen. Er fragte sich, wie die Arbeit in der Werkstatt wohl

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