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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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die seine Mutter Meggernie vorgezogen hatte, und möbliert wie der Verschlag eines Caterans.
    »Ich bringe einen Gast«, sagte Sandy Og: Der Türstock war so niedrig, dass er sich ducken musste, »deinen Oheim aus Glenlyon.«
    Sarah, die am Tisch zwei Kinder abfütterte, drehte sich um.
    Sandy Og stürzte zu den Kindern, wie Rob es von keinem Mann je erlebt hatte. Wer wollte es ihm verdenken, so wohl, wie diese zwei geraten sind? , dachte Rob. Dann aber stand der Ältere, den er für bildhübsch gehalten hatte, auf und humpelte aus dem Haus, und das Jüngere, das noch hübscher war, begann zu krakeelen. Sandy Og hob es auf die Arme, lachte und zirpte mit ihm: »Jean, a graidh , meine süße Schwalbe.« Rob unterdrückte ein Lachen. Das waren die Kinder, die Sarah ihrem Mann geschenkt hatte: ein Krüppel und ein Mädchen. Unrecht Gut war nicht gediehen.
    Warum hieb ihm das Herz trotzdem so hart an die Rippen? Warum ließ ihm der Neid keine Ruhe? Sarah war dürr und trug abgewetzte Kleider, und das Salzfleisch, das sie ihm vorsetzte, war kaum besser als Garnisonskost. Sie war ein stockbeiniges Kind gewesen, der Liebling seiner Mutter, vor ihm aber war sie weggelaufen und in die Wipfel einer Buche geklettert. Lieber wäre sie dort oben verhungert, als ihm zu gehorchen. Alssein Knecht sie schließlich eingefangen hatte, schnallte Rob sich den Gürtel vom Bauch und bestrafte sie. Wenn er die Augen schloss, sah er sie noch heute über die Hobelbank gebeugt, sah blutige Striemen auf dünnen, weißen Schenkeln.
    Es war ihre Haltung, die ihn zwang, sie anzustarren, ihre Art, das Haar wie eine Krone zu tragen. Es waren die Blicke, mit denen sie ihren Mann bedachte. Der Bursche benahm sich erbärmlich, drückte sich den Abend in den Ecken herum, die Züge finster, die Lippen verschlossen. Er hatte etwas vom Argwohn eines Tieres, und sie hätte sich für ihn schämen sollen, aber Sarah sah ihn nicht an, als schäme sie sich. Sie hatte ihm, seit sie das Haus betreten hatten, nicht die kleinste Liebkosung geschenkt, ihm nicht ins Gesicht geschaut, wandte aber den Blick nicht von dem Spiel von Schultern und Nackenmuskeln, den Hüften, die sich unter dem Wolltuch regten, dem hohen Hintern, den halb entblößten Beinen. Solche Blicke sollten einer Frau verboten sein – erst recht einer, die seit Jahren mit einem tumben, ungepflegten Vieh verheiratet war.
    Sarah Campbell, die Frau, die Rob aufgezogen hatte, betrachtete Sandy Og MacDonald, als lechze sie danach, dass er sie auf das verdreckte Bett aus Heide warf und ihr die dünnen weißen Schenkel aufbog. In der vornehmen Welt der Perücken und Spitzenkragen, der samtenen Kniehosen vergaß man allzu leicht, dass es so etwas gab: den nackten Blick einer Frau auf einen Mann.
    Was hätte aus mir werden können, hätte mich je eine Frau so angesehen? Rob schüttelte den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Scharen von Frauen hatten ihn so angesehen, etliche mehr als diesen Grobian, dem das zerschlissene Hemd um die Schultern spannte. Dennoch ertrug er es nicht länger, wünschte eine gute Nacht und ging durch das Dunkel nach Carnoch.
    Der MacIain war leutselig, heiter, wie es einem Mann mit seinem Sündenregister nicht anstand. »Hast du es drüben bei meinem Jungen gut getroffen?«, fragte er, als gäbe es Grund, aufdiesen Sohn und seinen Haushalt stolz zu sein. Aber so war er immer gewesen: stolz auf jeden Furz, den er ließ.
    Ehe peinliches Schweigen entstehen konnte, stellte der MacIain die Würfelbecher auf. Dieser König der Würfelfälscher spielte so schlecht, dass kein Zweifel bestand: Er ließ den Gast gewinnen. Die paar Münzen, die er Rob dafür hinschob – gewiss ohnehin in Glenlyon gestohlen –, hätte ihm dieser am liebsten ins Gesicht geworfen.
    Sichtlich wollte er nichts anderes tun als würfeln. Sooft Rob versuchte, das Gespräch auf Achallader zu bringen, rief der MacIain »Ah bah« und klatschte die Pranke auf den Tisch. »Du kennst mich, Rob! Sehe ich aus wie ein wankelmütiger Narr? Ich steh zu meinem Eid, denn ich will nicht enden wie du, und jetzt spielen wir, die Nacht ist kurz.«
    Rob verlegte sich sogar aufs Betteln, beschwor ihn, er breche keinen Eid, indem er sich anhörte, was Breadalbane zu sagen hatte. Der MacIain lachte. »Zu hören, was der zu sagen hat, verdirbt mir den Magen.«
    Ich wünsche dir die Pest in dein Tal, dachte Rob. Wäre nicht ich es, den man in diesen Strudel reißt, wünschte ich dir König Williams Vergeltung.
    Eines allerdings

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