Glühende Leidenschaft
hintanstellen und sie aufsuchen.«
»Ich war nicht grausam«, flüsterte Daphne. »Nicht wirklich. Sie war es … Oh!« Sie begann heftig zu weinen.
Laura nahm sie in die Arme. »Na, na. Ich bin sicher, du hattest allen Grund, sie zu verlassen. Dass sie stirbt, macht sie ja nicht gleich zu einer Heiligen.«
Daphne blickte zu ihr auf, ihre Tränen versiegten. »Sie ist keine gutherzige Frau.«
»Aber sie stirbt, und …«
»Und von Zeit zu Zeit war sie nett zu mir …« Sie schnäuzte sich.
»Du willst also jetzt zu ihr gehen. Das ist verständlich.«
»Wartet«, warnte Jeremy. »Was ist, wenn das eine Falle ist?«
Laura und Daphne blickten fragend zu ihm. »Eine Falle?«, wiederholte Laura.
»Angenommen, sie will, dass Daphne zurückkommt. Könnte sie da nicht so etwas versuchen?«
»Oh, bestimmt nicht!«
»Doch, das könnte sie«, meinte Daphne. »Sie ist zu allem fähig.«
Der Butler räusperte sich. »Wenn ich etwas vorschlagen darf – vielleicht könnte man einen Bediensteten zum Hotel schicken, um die exakte Lage zu eruieren.«
»Perfekt«, meinte Jeremy. Als Pringle ging, fügte er hinzu: »Ich wette, das stellt sich alles als ein Trick heraus. Sie wird wütend sein, dass Sie nicht darauf hereingefallen sind, Lady Daphne!«
»Dann wird sie wahrscheinlich wirklich einen Anfall bekommen. Sie hat schon zwei gehabt. Und ich werde an allem schuld sein.«
»Unsinn. Ich glaube, wir brauchen alle eine Tasse Tee. Laura, zieh an der Klingelschnur.«
Laura kam seiner Aufforderung nach und dachte dabei, wie wunderbar es war, eine Klingel und Bedienstete zu haben und den Tee serviert zu bekommen. Wenn nur … »Ich würde wirklich gerne etwas von Schwager Sax oder Meg hören.«
Jeremy umarmte sie fest. »Das werden wir. Und Schwager Sax wird mit all dem fertig. Schließlich hat dieser Schankjunge ihn hingebracht, also muss er sie gerettet haben.«
Meg erwachte in warmer, schützender Dunkelheit. Sie war in ihrem Bett, mit Laura eng neben sich, und sie hatte einige außergewöhnliche Träume gehabt.
Dann merkte sie, dass sie halb aus dem Bett gedrängt war, weil sich Laura in der Mitte breitgemacht hatte. Ärgerlich zappelte und schob sie und versuchte, ihre Schwester auf deren Seite zu bugsieren …
Dieses Bein gehörte nicht zu Laura!
Meg erstarrte. Sie hatte nicht geträumt. Ein neuer Geruch überall, ein empfindliches Gefühl zwischen ihren Beinen – kein Wundsein, aber doch so ähnlich –, all das erinnerte sie daran, wer neben ihr lag und was geschehen war.
Typisch für den Grafen von Saxonhurst, das ganze Bett für sich zu beanspruchen! Sie drückte noch einmal zur Mitte hin im Versuch, der Kälte zu entkommen, die unter die Decken kroch. Sein Bein bewegte sich ein wenig, und sie konnte sich dichter an seinen großen, heißen Körper schieben, der majestätisch die Mitte des Betts vereinnahmte.
Meg unterdrückte ein Lachen. Wie romantisch! Sie war sehr versucht, ihm einen Stoß mit dem Ellbogen zu versetzen, damit er noch mehr Platz machte, aber sie wollte auch ein wenig Zeit zum Nachdenken haben. Dies symbolisierte schließlich ihr Leben. Er hatte davon Besitz ergriffen, hatte von ihr Besitz ergriffen, sodass nur ein schmales Stück für Meg Gillingham blieb.
Aber sie hatte auch von seinem Leben Besitz ergriffen, und das noch weitaus resoluter, mithilfe der Sheila. Und trotz des »dicken Endes«, das mit zum Zauber der Statue gehörte, bedauerte sie das nicht im Geringsten. Sie konnte sich das Leben ohne diesen großen, unmöglichen, fordernden, wunderbaren Mann nicht mehr vorstellen.
Vorsichtig ließ sie eine Hand über das Laken zwischen ihnen wandern, wobei ihr eine mit jedem Zentimeter mehr ansteigende Hitze bewusst wurde. Dann berührte sie ihn, nur mit einer Fingerspitze. Ein in Baumwolle eingeschlagener Körper sollte sich eigentlich anfühlen wie jeder andere, und doch konnte dies niemals Laura sein. Vielleicht ging es hier nicht um Berührung, sondern um andere Sinne. Geruch, Töne, das leise, aber stetige Geräusch ausströmenden Atems.
Was hatte sie in diesen letzten Tagen für einen Tumult an Gefühlen und Dramen durchlebt. Und trotz des herrlichen Wunders Sax, des Wunders von Sax und ihr, waren die Dramen noch nicht vorüber. Man verdächtigte sie nach wie vor eines Mordes. Und die Sheila war außerhalb ihrer Kontrolle und konnte damit womöglich von anderen für böse Zwecke missbraucht werden.
Aber, kaum zu glauben, hier war der Funken sprühende Graf von Saxonhurst,
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