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Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)

Titel: Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Völler
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gegangen, oder genauer auf Annabels Bettsofa. Nachdem in meinem Kopf noch ein paar Minuten die wildesten Gedankenstürme getobt hatten, schlief ich wider Erwarten doch ziemlich schnell ein.
    Als ich am nächsten Morgen wach wurde, waren alle schon ausgeflogen. Dafür waren wieder kolonnenweise Handwerker angerückt, die im Treppenhaus Teppich und in der Besenkammer elektrische Anschlüsse für Fax, Kopierer und die neue Telefonanlage verlegen wollten. Ich schlich stumm und tranig zwischen ihnen umher und kam mir vor wie Falschgeld, das jemand irgendwo liegen gelassen hatte. Von Sven hatte ich kein Lebenszeichen entdeckt. Annabel hatte mir Brötchen und Kaffee hingestellt und dazu einen Zettel: Habe dich nicht geweckt, du hast so schön geschlafen.
    Es zog mir das Herz zusammen und ich fühlte mich schrecklich. Eigentlich hatten wir zusammen frühstücken wollen. Hinterher hätte ich dann mit ihr die Märchenfotos gemacht. Sie hätte noch eine oder zwei Stunden Zeit gehabt, denn ihr Dienst fing heute später an, weil gleich zwei ihrer Dauerpatienten momentan im Krankenhaus waren. Doch mittlerweile war es schon nach zehn, da war sie natürlich längst bei der Arbeit, unterwegs mit ihrem fliederfarbenen Smart mit der Aufschrift Annabel Wegner – private Pflege.
    Kurz entschlossen fuhr ich in die Stadt, weil ich es zu Hause nicht länger aushielt. Doch mein schlechtes Gewissen fuhr mit, es ließ sich nicht so einfach abschütteln. Wie konnte ich ihr das nur antun? Sie war meine beste Freundin, wir waren fast wie Schwestern! Wir hatten schon im Kindergarten unsere Jäckchen immer auf denselben Haken gehängt, und sie hatte mir jedes Mal was von ihrem Frühstücksbrot abgegeben, wenn sie zufällig Nutella draufhatte. Meine Mutter hatte mir nie Nutella aufs Frühstücksbrot geschmiert, was ich damals unbegreiflich fand. Doch Annabel hatte diesen Mangel ohne zu geizen immer mit der größten Selbstverständlichkeit ausgeglichen.
    Und was tat ich? Schnappte ihr zum Dank den Traummann weg, den sie sich mühsam hergezaubert hatte!
    Im Grunde war ich keinen Deut besser als Serena.
    »Der Teufel«, murmelte ich im nächsten Augenblick erschrocken. Das war doch nicht möglich! Kaum dachte ich an diese Person, und schon tauchte sie wie aus dem Nichts vor meinen Augen auf! Konnte das noch Zufall sein?
    Sie kam direkt vor mir auf die Straße gestöckelt, als ich vor einer roten Ampel halten musste.
    Ich hätte am liebsten so getan, als hätte ich sie nicht gesehen, doch darauf würde sie nicht reinfallen, weil sie genau mitgekriegt hatte, wie mein Mund bei ihrem Anblick aufgeklappt war. Sie trat neben meinen Wagen, klopfte an die Scheibe und winkte mich an den Straßenrand. Was blieb mir übrig? Schließlich ging es um eine Menge Geld, und da ich mich nun schon dazu entschieden hatte, ihre Hochzeit zu organisieren, sollte ich auch schauen, dass mir der Auftrag nicht wegen Unbotmäßigkeit entzogen wurde, bevor er überhaupt unterschrieben war.
    »Hi, Britta«, sagte sie strahlend, nachdem ich ausgestiegen war. »Wie schön, dich hier zu treffen!«
    »Hallo, Serena.« Ich überwand meinen inneren Schweinehund und gab ihr artig die Hand. Es gelang mir sogar, ein Lächeln zu produzieren, das genauso falsch war wie ihre Titten.
    Doch komischerweise stachen die heute gar nicht mal so ins Auge, denn ihre Aufmachung war bei weitem nicht so shocking wie letzte Woche auf der Hochzeit. Sie trug ein unaufdringlich elegantes Kostüm, zierliche Pumps und eine dazu passende Handtasche, alles in sanftem Taubenblau und alles von Escada. Ihr Haar war eine Spur zu blond, aber selbst das merkte man kaum, weil sie es zurückgesteckt in einer schlichten Nackenrolle trug. Ihr Make-up war so dezent, dass man zweimal hinschauen musste, um es überhaupt zu bemerken. Sie sah aus wie eine nette, hübsche Geschäftsfrau vor einem wichtigen Besprechungstermin.
    »Wie schön, dich hier zu treffen«, sagte sie. »Ich wollte dich sowieso heute mal anrufen. Wir haben ja noch einiges zu besprechen. Hast du einen Moment Zeit? Komm, wir gehen Kaffee trinken.«
    Obwohl ich mich grässlich dabei fühlte, versuchte ich, möglichst geschäftsmäßig und konziliant dreinzuschauen, während ich mich von ihr unterhaken und zum nächsten Café schleifen ließ. Was ich hier machte, war im Grunde doppelter Verrat. Ich schlief mit Annabels neuem Traummann und organisierte die Hochzeit ausgerechnet jener Frau, die Annabels eigene Hochzeit in einen Albtraum aus den schlimmsten

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