Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)
viel aus Gartenarbeit gemacht. Den Rasen hatten wir zwar regelmäßig gemäht, im Herbst das Laub weggerecht und sogar hin und wieder die Hecke geschnitten, aber bei solchen gärtnerischen Feinheiten wie Büsche stutzen oder gar neuen Anpflanzungen hatten wir uns stark zurückgehalten. Die Habermanns beklagten sich nicht, wenn die Äste von unserem Grundstück über ihre Hecke hingen oder der Quittenbaum, der an der Grenze wuchs, seine verfaulte Last drüben bei ihnen ablud. Es kratzte sie überhaupt nicht, zumal ihr eigener Garten aussah wie eine Kreuzung aus Dschungel, Chemielabor und Autofriedhof.
Ich war oben angekommen und wollte gerade vorsichtig klopfen, als die Tür unvermittelt aufgerissen und ich bei der Hand gepackt und ins Zimmer gezerrt wurde.
»Endlich«, flüsterte Sven. »Ich dachte schon, du kommst nicht mehr!«
»Annabel wollte nicht einschlafen.«
»Und du hast noch geduscht. Komm her!« Er riss mich an seine breite Brust und begann, all die Dinge mit mir anzustellen, von denen ich bisher immer geglaubt hatte, sie kämen nur in Romanen vor.
Er hatte für stimmungsvolle Beleuchtung und passende Musik gesorgt. Auf dem Regal brannte eine große Kerze in einem Windlicht und die Stereoanlage spielte leisen Kuschelrock. Das Bett musste heute erst aufgebaut worden sein, gestern hatte nur eine Isomatte hier gelegen. Es war überlang und überbreit und mit seidig glänzender Wäsche bezogen.
Svens Hände glitten über meinen Rücken nach unten und unter den Bund meines Höschens.
»Aaah«, stöhnte er. »Du bist so griffig!«
Ich war glücklich, dass es ihm gefiel. Während ich mich an seinem männlichen Geruch berauschte und seine Umarmung inbrünstig erwiderte, fand ich gerade noch ein bisschen restlichen Verstand in einer Ecke meines benebelten Gehirns, um ihm was Wichtiges mitzuteilen. »Wir müssen es erst mal vor Annabel geheim halten.«
»Meinetwegen«, keuchte er.
Ich fuhr zusammen, als er mit seinen langen Fingern eine besonders empfindsame Stelle in meinen unteren Körperregionen ertastete.
»Es wäre also nur reiner Sex?«, vergewisserte ich mich.
» Nur? « Er packte mich und küsste mich, bis mir Hören und Sehen verging. »Nennst du das nur ?«
»Also irgendwie – unverbindlich?«, fasste ich nach, während wachsende Wollust mir allmählich die Sinne schwinden ließ.
»Genau«, sagte er schwer atmend. »Unverbindlicher und heimlicher Sex. Und zwar jetzt sofort.«
Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass ich das mit der Unverbindlichkeit vielleicht noch genauer hinterfragen sollte, aber ich konnte nicht mehr richtig denken. Ich stöhnte laut auf, während ich mit beiden Händen über seinen nackten Oberkörper fuhr und die harte Muskulatur spürte. Er war nackt bis auf schwarze Boxershorts, die trotz ihres legeren Schnitts kaum die zusätzliche Beanspruchung verkrafteten, der sie gerade im Bereich des Vorderteils unterworfen waren. Ich ließ meine Hand tiefer gleiten und riss die Augen auf. Wow, dachte ich ehrfürchtig. Das gab es also tatsächlich auch in echt! Vielleicht lag es daran, dass er insgesamt so groß war. Möglicherweise hatte die Natur einfach die korrekten Relationen einhalten wollen.
Wie auch immer, es war alles da, was ich nach monatelanger Entbehrung brauchte, und noch eine ganze Menge mehr.
*
Als ich später – viel später – wieder nach unten in Annabels Zimmer schlich und mich auf dem Sofa zusammenrollte, befand ich mich immer noch im totalen Ausnahmezustand. Ich wollte gar nicht erst anfangen, über das nachzudenken, was mir da vorhin oben in Svens Bett widerfahren war, es war viel zu aufregend und verstörend. Davon abgesehen war es fast drei Uhr nachts und höchste Zeit, noch eine Mütze voll Schlaf mitzunehmen, bevor es wieder hell wurde. Der letzte Gedanke, den ich mit in meine Träume nahm, war der an Sven, wie er mich hinterher in den Armen gehalten und leise mit mir gesprochen hatte. Über seine Jugend als Anwaltssohn, über seine Eltern, sein Studium. Dann war er praktisch von einem Atemzug auf den nächsten eingeschlafen, wirklich mitten im Satz. Ich war versucht gewesen, ihn wieder wachzumachen, damit er weitersprach, aber das wäre wohl doch eine Spur zu unsensibel gewesen. Immerhin hatte er einen langen, harten Tag gehabt, von der noch viel härteren Nacht ganz zu schweigen. Also hatte ich ihn sanft auf die Stirn geküsst, mich in Gedanken für dieses unglaubliche, aufwühlende Erlebnis bei ihm bedankt und war zurück in mein eigenes Bett
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