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Herr der Finsternis

Herr der Finsternis

Titel: Herr der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
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sie und hielten sie fest, und der Beschneider trat zu einem Novizen nach dem anderen, in der rechten Hand die Sichel, die nun rotglühend erhitzt war, mit der linken Hand ergriff er das Glied eines jeden Jungen, zog an der Vorhaut und schnitt sie mit einer plötzlichen Bewegung ab, wobei ich ein jedes Mal, wenn es geschah, den Kopf abwandte. Und ein jedes Mal verspürte ich auch einen heftigen Schmerz in meinem Glied, der mich wie aus Mitgefühl mit dem beschnittenen Jungen zusammenzucken ließ.
    Bei Gott, was tun wir uns im Namen der Heiligkeit und Frömmigkeit nicht alles selbst an!
    Die blutenden Knaben bekamen irgendeine Arznei zu trinken, und dann führten die älteren Jungen sie davon, um ihre Wunden zu waschen, und es fanden weitere Riten statt, denen ich nicht mehr beiwohnen durfte, was aber kein ernster Verlust für mich war. Die Vorhäute wurden schließlich aufeinandergelegt, zum Friedhof der Stadt geschafft und mit einem sehr ernsten Ritus bestattet. Denn mein Hexer-Freund erzählte mir, daß sie, wenn man sie nicht geziemend beisetzte, Zumbis werden könnten, das heißt, wandelnde Geister, die zurückkehren und das Dorf heimsuchen würden.
    Ich gestehe ein, daß ich bei diesen Worten geringschätzig zur Seite blickte und lachte, da ich mir keine Geister in Gestalt von Vorhäuten vorstellen konnte. Doch später hielt ich dies gar nicht mehr für so töricht; schließlich konnte sich ein Geist aus einem kleinen Teil des Körpers wieder aufbauen, vor allem, wenn dieser Teil mit solch einem Pomp entfernt wurde. Denn warum sollte ein Geist nicht – wenn es überhaupt welche gibt, wessen ich mir keineswegs sicher bin – aus dem kleinsten Fetzen eines Menschen auferstehen und fürderhin auf alle Ewigkeit als Zumbi wandeln?
    Der Ndundu Mbomba berichtete mir noch etwas über dieses Thema der Beschneidung, das einen tiefen Schrecken in mir hervorrief.
    »Wir beschneiden nur die Knaben«, sagte er. »Doch ich weiß, daß man in den Ländern im Osten auch die Mädchen beschneidet.«
    Ich glaubte, ihn falsch verstanden zu haben, und bat ihn, dies zu wiederholen, doch er sagte es erneut sorgsam mit den gleichen Worten.
    Woraufhin ich erwiderte: »Bei Gottes Augen, doch was kann man bei einem Mädchen beschneiden?«
    Als Antwort bedeutete der weißhäutige Hexer einem Mädchen von zwölf oder vierzehn Jahren, das gerade zufällig in der Nähe weilte, zu uns zu kommen, was es auch tat, wenn auch vor Angst schrecklich zitternd, war es doch von zwei solchen Männern wie uns gerufen worden.
    Er nahm ihm das schmale Stoffband ab, das es trug, entblößte so ihre Lenden, spreizte ihre Beine und die äußeren Lippen, die lediglich von gerade erst gesprossenem Haar bedeckt waren, und zeigte mir die verborgene, rosa Knospe, die bei einer Frau die geheimste Stelle des Vergnügens ist.
    »Das hier beschneiden sie«, sagte er.
    »Bei Gott«, sagte ich bestürzt.
    »In diesem Land ist es nicht üblich. Doch es gibt Stämme, die sagen, es wäre für Frauen unrein, solche Knospen zu haben, oder es würde ein Zauber von ihnen ausgehen, oder sie würden die Frauen unkeusch machen, schnitte man sie nicht ab. Sie benutzen eine Art Nesselgewächs, um das Organ anschwellen zu lassen, damit es groß genug wird, daß man es abschneiden kann, bis auf jene Stämme, die das Brenneisen benutzen, wobei…«
    »Genug«, sagte ich und erschauderte. »Ich will nichts mehr davon hören.«
    Es war das einzige Mal, während ich das Wissen dieser fremden Völker sammelte, unter die es mich verschlagen hatte, daß ich jemals befahl, mit einer Erzählung innezuhalten. Ich nehme an, ich hätte diesen Bericht, den vielleicht kein anderer Europäer jemals vernommen hat, ertragen sollen; doch ich wollte es nicht. Denn alles, woran ich denken konnte, waren die armen, verstümmelten Frauen, die des Mittelpunkts ihrer Lust beraubt waren, und ich dankte meinem Gott, daß Er uns keinen solchen Brauch auferlegt hatte, der mir weit barbarischer erscheint als selbst der Kannibalismus. Ich glaube, das Leben einer Frau ist offensichtlich schon schwer genug, wie es ist, ohne daß sie auch noch dieses Vergnügen aufgeben muß.
    Doch das Volk des Mofarigosat war von Natur aus wollüstig und fügte seinen Frauen diese Verstümmelung nicht zu. Wofür ich in jenen Nächten dankbar war, in denen ich meine Furcht und Einsamkeit linderte, indem ich die Frauen zu mir holte. Sie betrieben den Verkehr auf jene Art, mit der ich schon vertraut war, indem sie mich viel kitzelten

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