Herr des Chaos
Horde die unvernünftigen Frauen unbemerkt zu beschatten begann. Zwei Heere zu verfolgen wäre natürlich genauso leicht, wie einen Kuchen zu stehlen, aber er wollte nicht mehr Zeit in Elaynes Gegenwart verbringen als nötig. »Zehn Tage?« sagte Thom. »Mat, selbst mit diesem Wegetor wird es schon fünf oder sechs Tage dauern, bis wir Ebou Dar erreichen. Das ist zwar besser als ein Ritt von zwanzig Tagen, aber...«
Mat hörte nicht mehr zu. Der ganze Ärger, der sich aufgebaut hatte, seit er Egwene zum ersten Mal gesehen hatte, brach sich jäh Bahn. Er riß sich den Hut vom Kopf und näherte sich Elayne und den anderen Frauen. Es war schon schlimm genug, ihn im ungewissen zu lassen - wie sollte er sie vor Gefahr schützen, wenn sie ihm nichts sagten? -, aber dies war lächerlich. Nynaeve sah ihn kommen und flüchtete hinter ihre Stute.
»Es wird ein Erlebnis sein, mit einem Ta'veren zu reisen«, bemerkte eine der weißhaarigen Aes Sedai. Mat konnte auch aus der Nähe ihr Alter nicht bestimmen, aber irgendwie vermittelte ihr Gesicht den Eindruck hohen Alters. Es mußte an ihrem Haar liegen. Die andere Aes Sedai hätte ihr Spiegelbild sein können. Vielleicht waren sie tatsächlich Schwestern. »Ich bin Vandene Namelle.«
Mat war nicht in der Stimmung, darüber zu sprechen, daß er ein Ta'veren war. Er war niemals in dieser Stimmung, aber jetzt ganz sicher nicht. »Was ist das für ein Unsinn, daß wir fünf oder sechs Tage bis Ebou Dar brauchen?« Der alte Behüter richtete sich auf und sah ihn scharf an, und Mat taxierte auch ihn neu. Er war zwar sehnig, aber auch hart wie alte Wurzeln, was man seiner Stimme nicht anmerkte. »Ihr könnt in Sichtweite Ebou Dars ein Wegetor eröffnen. Wir sind kein verdammtes Heer, das jemanden ängstigen will, und was das Erscheinen aus dem Nichts betrifft, so seid Ihr Aes Sedai. Die Menschen erwarten von Euch, daß Ihr aus dem Nichts erscheint und durch Mauern geht.«
»Ich fürchte, Ihr sprecht die Falsche an«, sagte Vandene. Er betrachtete die andere weißhaarige Frau, die den Kopf schüttelte, während Vandene hinzufügte: »Ich fürchte, Adeleas ist auch nicht die Richtige. Es scheint, daß wir einigen der neuen Dinge nicht gewachsen sind.«
Mat zögerte, zog dann seinen Hut in die Stirn und wandte sich Elayne zu.
Sie reckte das Kinn empor. »Anscheinend weißt du noch weniger, als du zu wissen glaubst, Mat Cauthon«, sagte sie kühl. Er sah, daß sie nicht schwitzte, nicht mehr als die beiden anderen Aes Sedai. Die Jägerin sah ihn herausfordernd an. »Es gibt in hundert Meilen Umkreis um Ebou Dar Dörfer und Bauernhöfe«, fuhr Elayne fort, einem Narren das Offensichtliche erklärend. »Ein Wegetor ist nicht ungefährlich. Ich möchte nicht die Schafe oder Kühe irgendeines armen Mannes töten, und noch viel weniger den armen Mann selbst«
Er haßte ihren Tonfall. Sie hatte recht, aber er würde nicht zugeben, daß sie recht hatte, nicht ihr gegenüber, und während er nach einem Ausweg suchte, sah er Egwene mit zwei Dutzend oder mehr Aes Sedai aus dem Dorf herankommen, von denen die meisten mit Fransen besetzte Stolen trugen. Oder genauer gesagt: Egwene kam, und die anderen folgten ihr. Den Kopf hoch erhoben, schaute sie strikt geradeaus, die gestreifte Stola um den Hals gelegt. Die anderen schritten in kleinen Gruppen hinter ihr einher. Sheriam, welche die blaue Stola der Hüterin trug, sprach mit Myrelle und einer Aes Sedai mit gutmütigem Gesicht, die mütterlich wirkte. Mat erkannte als einzige Aes Sedai Delana. Alle sprachen miteinander, ohne auf die Frau zu achten, die sie zur Amyrlin ernannt hatten. Egwene hätte genausogut allein sein können. Und sie wirkte allein. Da er sie kannte, wußte er, daß sie sich sehr bemühte, ihrer Ernennung gerecht zu werden, und sie ließen sie, für jedermann sichtbar, allein gehen.
In den Krater des Verderbens mit ihnen, wenn sie glauben, sie könnten eine Frau aus den Zwei Flüssen so behandeln, dachte Mat grimmig.
Er trat auf Egwene zu, nahm den Hut vom Kopf und verbeugte sich so ehrerbietig wie möglich, und er konnte es gut, wenn es sein mußte. »Guten Morgen, Mutter, das Licht möge auf Euch scheinen«, sagte er laut genug, daß er auch im Dorf gehört wurde. Er kniete sich hin, ergriff ihre rechte Hand und küßte ihren Großen Schlangenring. Ein schneller Blick und eine Grimasse zu Talmanes und den anderen ließ sie alle eilig hinknien und rufen: »Das Licht bescheine Euch, Mutter.« Sogar Thom und Juilin.
Egwene
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