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Ich durchschau dich!: Menschen lesen - Die besten Tricks des Ex-Agenten (German Edition)

Ich durchschau dich!: Menschen lesen - Die besten Tricks des Ex-Agenten (German Edition)

Titel: Ich durchschau dich!: Menschen lesen - Die besten Tricks des Ex-Agenten (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Leo Martin
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blütenweißen Statistik zeigten. Was gegen uns spielte, war einzig und allein der Faktor Zeit. Stünde B3 nicht unmittelbar vor seiner Tür, sondern erst in einem Jahr, hätte er vielleicht längeren Atem bewiesen. Nun würde er volle Konzentration auf den Abschluss der Fälle Marende und Merw fordern. Klar, hier würden wir fette Ernte einfahren, und es konnte nicht nur der AL punkten. VP und P freuten sich vielleicht schon auf die Schnittchen beim Empfang des Ministers: »Hervorragende Arbeit, meine Herren.«
     
    »Gute Arbeit sieht anders aus«, eröffnete der AL die Runde.
    Sabine und ich wussten, was nun kommen würde und hörten dennoch aufmerksam zu. Es ist ein Fehler, in Besprechungen abzuschalten. Wer genau hinhört, entdeckt meistens die Motive der
Redner. Ich halte es nicht für verwerflich, wenn Menschen ihre Ziele erreichen wollen. Das möchte doch jeder! Aber es ist verwerflich, wenn Agenten ihren Winkelzügen nicht auf die Schliche kommen, wo sie es uns doch meistens recht einfach machen, manche Geheimnisse werden geradezu auf dem Silbertablett präsentiert. Auch Beziehungen zu anderen Menschen sind häufig getarnte Winkelzüge.
     
    Wir halten keine Beziehung aufrecht, die uns nicht nutzt. Dieser Nutzen muss nicht immer materiell, er kann auch emotionaler Natur sein. Wie zum Beispiel bei Verbindungen, in denen wir uns oft beschweren: Immer muss ich dies und jenes für ihn tun. Warum beenden wir die Beziehung nicht? Vielleicht weil wir uns in einer Abhängigkeit befinden? Vielleicht liegt der Nutzen aber auch darin, dass wir uns gebraucht fühlen, um nur ein Beispiel zu nennen. Wenn man das einmal erkannt hat, spart man sich das Jammern. Außer man jammert gern. Auch das gibt es. Bringt nur keinem etwas. Aber wehe, Sie unterbrechen so jemanden und lassen ihn nicht ausjammern! Agenten wissen, dass es sich nicht auszahlt, sich über Dinge zu beschweren, die sie nicht ändern können. Sie sind in der Lage, Abhängigkeiten und Realitäten zu erkennen und klar einzuordnen. Deshalb bündeln sie ihre Energie für die Belange, die sie ändern können, bei denen sich ihr Einsatz lohnt. Selbstverständlich legen sie die Hürden dabei nie zu tief. Aber eben auch nicht zu hoch. Erfolgreiche Agenten überschätzen und unterschätzen sich nicht. Und sie fordern stets das Maximum von sich selbst. So werden die Hürden, die sie überwinden, automatisch höher.
     
    Zu Beginn gibt es immer einen sehr guten Grund, für den wir ganz bewusst in eine Beziehung investieren, und wenn es nur ist: Ich bin neu in der Stadt und suche Anschluss. Wenn Sie oder Ihr Unternehmen networken oder sich in Netzwerken aufhalten, hat das
denselben Grund: ein Investment, damit die Beziehung schon da ist, wenn sie gebraucht wird.
    Auch das bloße Sich-wohlfühlen-Wollen kann ein Nutzen sein. Natürlich wäre eine absolut bedingungslose und vorbehaltlose Beziehung die schönste und höchste Stufe, die reinste Form sozusagen. Doch realistisch ist diese Vorstellung nicht. Im Berufsleben am wenigsten. Ob und inwieweit eine Beziehung vorbehaltlos war, zeigt sich oft erst sehr spät: Wenn der Grund für die Beziehung wegfällt. Ob Sie alles richtig gemacht haben, erkennen Sie daran, dass die Beziehung dann immer noch da ist.
     
    In der Besprechung, die pünktlich um neun Uhr begann, bat der SGL mich, die Lage zu erörtern. Vor der Tür zum abhörsicheren Besprechungsraum hatte er Sabine und mir noch einen seiner Lieblingssprüche mit auf den Weg gegeben: Der Ober sticht den Unter.
    Ich ergriff das Wort. »Wir können uns momentan nicht erklären, warum die Kontrollen kein Ergebnis gebracht haben. Wir haben eine überdurchschnittlich gute Zugangslage und gleichlautende Hinweise aus unterschiedlichen Quellen. Der Gegner scheint in diesem Fall einfach besser aufgestellt zu sein, als wir dachten. Aber das muss nicht so bleiben. Wir müssen noch dichter ran. Alles, was wir brauchen, ist noch ein bisschen Zeit.«
    Der AL schüttelte den Kopf.
    »Sabine?«, fragte der SGL.
    »Ich teile Leos Einschätzung voll und ganz.«
    Der AL hob die Hände zum Himmel. »Wir haben nichts als leere Hände, und das nach zwei Razzien, und Sie reden, als stünden wir kurz vor einem Durchbruch!«
    »Geben Sie uns acht Wochen Zeit, um zu beweisen, dass wir richtigliegen«, bat ich ihn.
    Der AL schnappte nach Luft.
    »Stellen Sie sich vor, was das für ein Erfolg wäre«, lockte ich ihn. »Wenn wir die Jungs knacken, obwohl die Polizei schon zweimal drüber war.« Ich

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