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Im Auftrag des Tigers

Im Auftrag des Tigers

Titel: Im Auftrag des Tigers Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Heinz G. Konsalik
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Als Animisten glauben sie, daß nicht nur jedes Tier, sondern alles, was lebt, beseelt ist wie sie selbst. Der weiße Tiger ist für sie der gute Geist ihres Stammes.«
    Immer wieder hatte sie dieses Bild vor sich gesehen: das weiße Haupt der Tigerin, die Wellenlinien im braunen Fluß und die Silhouette der Insel in der Dämmerung … Und dort sollten nun Lastwagen und Straßenrammen donnern, Sägen kreischen, Bäume zu Boden stürzen? Unvorstellbar! …
    »Dein Wald«, hatte Achmed zuvor gesagt.
    Was für ein Wort! Die Natur kennt kein ›dein‹ oder ›mein‹. Schon die Vorstellung ist absurd. Jeder einzelne Baum wird noch auf die Kindeskinder deiner Enkel herabsehen. Die Waldmenschen wissen es: Besitz ist Illusion, aber der Geist der weißen Tigerin Sicherheit …
    Er schien auch Maya plötzlich so real wie die Luft, die sie atmete, wie die Hitze, die aufflammte, wenn der Wagen aus den Baumschatten rollte, wie die bewaldeten Kuppen der Berge dort drüben.
    »Was ist das für eine Company?«
    »Ausländer.«
    »Ja, Achmed. Welche?«
    »Chinesen, was sonst? Teufelsbrut aus Taiwan. Es heißt, daß sie sich noch immer um die Lizenz streiten.«
    »Und trotzdem bauen sie Straßen und fällen Bäume …«
    »Das ist es ja«, nickte Achmed. »Genau das ist es.«
    J.P. Bernier hatte die Yamaha unter einem großen Baum aufgebockt, sich aus dieser Bruchbude von Tankstelle eine Dose Sprite geholt, kauerte dann, die Beine von sich gestreckt, ein helles Piratentuch um das Toupet gewickelt, am Fuß des Stammes auf dem Boden und dachte an seinen Job: Schön, okay, es mochte sie ja geben, die schnieken Typen auf den lautlosen Gummisohlen, die mit den Lederhandschuhen und Schalldämpfern, die sich den Nachschlüssel besorgen, in deiner Wohnung auf dich warten und ihre Arbeit dann mit einem einzigen sauberen Kopfschuß erledigen … Für J.P. war das Kino – Kino, jawohl, oder mieses B-Fernsehen, so weit von jeder Realität entfernt, daß er nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden mochte.
    Sein Stil sah anders aus.
    Auf seine Weise hatte er auch den Papi der Kleinen über den Jordan geschickt … wie hatte noch sein komischer Inder-Name gelautet?
    Rabindra. Rabindra Nandi, richtig … Was war bloß in den Mandarin gefahren, daß er zuerst den Vater, dann die Tochter weghaben wollte?
    Na, die von der Milchkaffee-Branche, dachte er, diese Inder hast du ja nie besonders gemocht. Also, was soll's? Aber das Mädchen paßt nun mal nicht in die Schublade. Mischling wahrscheinlich. Wie auch immer, sie könnte jede Miß-Wahl gewinnen. Und so etwas soll verabschiedet werden? Wieso nur? Eine Schande …
    J.P. stand auf, holte die HK aus der Satteltasche, strich liebevoll mit den Fingerspitzen darüber, ehe er sie im Schulterhalfter versenkte.
    Er würde die Pistole wahrscheinlich nicht gebrauchen, würde von nun an nur ein bißchen mehr schwitzen durch den Druck am Trageband, aber sicher war sicher.
    Er wippte einige Male auf den Zehen, machte drei Kniebeugen und sah wieder zur Straße. Wo steckte sie? Dieser Rabindra-Typ hatte irgendeine Station im Wald, stand in der Akte. Da wollte sie vermutlich hin.
    Aus Richtung Kualang kam jetzt ein wild bemalter Bus, dann folgte ein Lkw, schließlich drei Personenwagen.
    Der Landrover fehlt dir noch immer.
    Du wirst dir Zeit lassen, dachte er und setzte sich erneut. Wie immer. Auch ihr Alter war so ein Wald- und Wiesen-Fall gewesen … Oh ja, Rabindra, der liebte die Natur! Konnte sich nicht genug davon reinziehen. War ständig unterwegs gewesen, dort in den Staaten. Hinüber nach Kalifornien, dann Texas oder Oregon. Oregon vor allem. Schaute sich alles an. Besuchte ständig irgendwelche Institute, traf sich mit anderen Eierköpfen oder schaukelte in seinem alten, grünen VW einfach durch die Lande, den alten J.P. immer im Nacken. Hat nichts gemerkt. War so der Typ, der nie was schnallte.
    Genau darin hatte der Kick bestanden – J.P. war sich da sicher, der Jäger-Kitzel war's, der den Auftrag interessant gemacht hatte, das Immer-hinterher sein. Und die USA hatte er auch kennengelernt.
    Er hatte sich einen Handwerker-Van gemietet. Der reichte leicht für die siebzig Meilen, die Rabindras Käfer noch hergab. Trotzdem: Rabindra hatte ihn zwei-, dreimal abgehängt, ohne es zu merken natürlich, er hatte ihn immer wieder gefunden …
    J.P. drehte wieder den Kopf zur Straße. Lang war die Kleine unterwegs. Und mit wem? Ein alter Malaie? … Der Landrover war in Kualang registriert. Na, wir werden

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