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Im Hauch des Abendwindes

Im Hauch des Abendwindes

Titel: Im Hauch des Abendwindes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Haran
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können spurlos mit der Landschaft verschmelzen. Und sie bleiben nie lange an einem Ort. Sie ziehen umher, sind immer auf Wanderschaft. Was ich damit sagen will, ist, sie sind nicht wie wir, verstehst du, Kleine?«
    Ruby nickte zwar, aber sie verstand nicht wirklich, was Mrs. Cratchley damit sagen wollte. Das hier war alles Neuland für sie.
    »Haben Sie eine Ahnung, wo ich Jed Monroe finden könnte?«, fragte sie dann.
    »Oh, der taucht mal hier, mal da auf. Vielleicht trainiert er sein Pferd in Penrose Park. Oder er ist irgendwo bei einem Rennen.«
    »Ich müsste zurück über den Black Hill Creek, um nach Penrose Park zu kommen, nicht wahr? Und Girra meint, das geht erst, wenn das Wasser abgeflossen ist.«
    »Ja, da hat sie wohl Recht.« Mrs. Cratchley runzelte die Stirn, was die tiefen Furchen in den Winkeln ihrer Vogelaugen stärker hervortreten ließ. »Du hast gesagt, der Grund für deinen Aufenthalt hier ist, dass dir ein Anteil an einem Rennpferd gehört. Das kann nur Jeds Pferd sein. Ich kenne sonst niemanden hier, der ein Rennpferd besitzt.«
    »Ja, das stimmt. Sie wissen nicht zufällig, wo er wohnt?«
    Mrs. Cratchley stemmte eine Hand in die Hüfte. »Ich habe kaum Kontakt zu den Leuten hier, aber soviel ich weiß, hat er keinen festen Wohnsitz in der Stadt. Er hat so ein Wohnmobil, das ist sein Zuhause; mit dem fährt er durch die Gegend, und dort, wo er das Pferd trainiert, stellt er es ab.«
    »Eine komische Art zu leben«, bemerkte Ruby.
    »Sonst noch was?«, brummte Mrs. Cratchley. »Ich hab zu tun, ich muss den Hühnerstall ausmisten.«
    »Oh, Entschuldigung, ich wollte Sie nicht aufhalten«, erwiderte Ruby gedrückt und wandte sich zum Gehen.
    »Die meisten Männer hier trudeln irgendwann im Laufe des Tages im Pub ein«, fügte Mrs. Cratchley hinzu. »Jed eingeschlossen. Geh in den Pub, dort findest du ihn am ehesten.«
    Als Ruby sich umdrehte, um ihr zu danken, war die Tür schon wieder ins Schloss gefallen.
    Abgesehen von den Eseln und den Ziegen, die auf Nahrungssuche umherstreiften, schien die Stadt wie ausgestorben. Außer dem gelegentlichen Krächzen einer Krähe war kein Laut zu hören. Ruby war fast ein bisschen unheimlich zumute, als sie durch die leeren Straßen dieser Geisterstadt ging. Nach einer Weile sah sie in der Ferne eine Frau, die neben dem Haus Wäsche aufhängte. Das war das einzige Anzeichen von menschlichem Leben weit und breit. Wie konnte jemand in so einem gottverlassenen Ort wohnen bleiben? Für Ruby machte das überhaupt keinen Sinn.
    Der Pub war so leer wie die ganze Stadt. Er war viel kleiner, als Ruby erwartet hatte. In der Mitte befand sich eine Bartheke mit einigen Hockern, kleine Tische mit jeweils ein paar Stühlen standen im Raum verteilt, und an den Wänden hingen drei Dartscheiben sowie Fotos von einheimischen Persönlichkeiten. Ruby betrachtete die Gesichter dieser Originale und fragte sich, ob einer von ihnen Jed Monroe war.
    »Hallo? Niemand da?«, rief sie und ging auf eine Tür zu, die, wie sie vermutete, zu einem Lagerraum führte.
    Im gleichen Moment trat ein Mann, eine Kiste mit Bierflaschen in den Händen, aus dem schummrigen Raum und wäre fast mit ihr zusammengestoßen. »Hoppla!«, sagte er verdutzt. »Wer sind Sie denn?« Er trug zerknitterte Shorts, ein verwaschenes, verschwitztes blaues Unterhemd und Sandalen. Seine Hautfarbe glich der braunroten Erde draußen.
    »Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe. Aber in einem Pub sollte man eigentlich mit Kundschaft rechnen, oder?«
    »Die Leute hier sind zwar tüchtige Trinker«, antwortete der Mann und trug die Kiste hinter die Theke, »aber um diese Zeit lässt sich nicht oft einer blicken. Ehrlich gesagt sind die meisten erst vor Kurzem nach Hause gegangen«, fügte er leise lachend hinzu. »Außerdem kommen nicht oft Fremde nach Silverton.«
    »Das wundert mich nicht«, rutschte es Ruby heraus.
    »Wir mögen unsere Stadt«, sagte der Mann angriffslustig.
    »Ich wollte Sie nicht beleidigen. Es ist nur so, dass der Ort schon sehr abgelegen ist.«
    »Da kann ich Ihnen nicht widersprechen. Das macht Silverton ja so attraktiv. Sie sind neu in der Stadt, was? Auf der Durchreise?«
    »Nicht direkt«, antwortete Ruby ausweichend.
    »Hab gehört, dass der Fluss Hochwasser führt. Wie sind Sie denn hierhergekommen?« Neugierig sah er auf die Schrammen und blauen Flecken an ihren Beinen.
    »Ich bin geschwommen«, antwortete Ruby und dachte, sie werde ihn damit schockieren. Aber weit gefehlt.
    »War

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