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Im Herzen des Kometen

Im Herzen des Kometen

Titel: Im Herzen des Kometen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gregory Benford , David Brin
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und Naturschätze, die ihnen von der Bevölkerungszahl her zustanden. Aber Sie reden, als ob die Nationen des Sonnenkreises völlig unschuldig an allem wären, was damals geschah. Wer hat denn trotz aller Warnungen die tropischen Regenwälder abgeholzt? Wer hat den Kohlendioxidanteil der Atmosphäre erhöht…?«
    Quiverian unterbrach ihn mit rotem Gesicht. »Sie glauben, ich sei mir dessen nicht bewußt? Sehen Sie sich mein Heimatland an – Brasilien! Jetzt erst, nach generationenlangen Mühen und Entbehrungen, beginnen wir uns von einer Umweltkatastrophe zu erholen, die ein Drittel aller auf der Erde vorkommenden Arten auslöschte… Alle hingeopfert auf dem Altar gedankenloser Begehrlichkeit.«
    »Gut, dann ist die Schuld also verteilt.«
    »Ja, gewiß! Aber eine der Hauptursachen allen Unheils war die Technik selbst, weil sie den Ausbeutern und Naturzerstörern die Werkzeuge für ihr Vernichtungswerk in die Hände gab.«
    Saul seufzte. Leider war alles immer viel komplexer als es sich auf den ersten Blick ausnahm. Vor der Jahrhundertwende hatten die Industriestaaten des Nordens angesichts der eigenen Probleme angefangen, einer achtlosen Dritten Welt Umweltbewußtsein zu predigen – nachdem sie den größten Teil der zugänglichen Reichtümer der Erde bereits an sich gebracht hatten. Nun hatte das Pendel nach der anderen Seite ausgeschlagen. Die Völker des äquatorialen Sonnenkreises schienen besessen von einem mystischen Naturgefühl und einer Trauer um ihre verlorenen Paradiese, die ihre landhungrigen Großeltern in höchstes Erstaunen gesetzt hätte.
    Warum müssen Einsichten immer so spät kommen? Warum bekehren die Menschen sich so spät, daß sie sich nur noch bei Leichen entschuldigen können?
    Eine Antwort auf diese Fragen blieb ihm erspart, denn hinter einem hoch mit gestapelten Bohrkernen beladenen Tisch erhob sich eine stark akzentbehaftete Stimme.
    »He! Ist mir was entgangen? Wie? Für welche Verbrechen war die wohltätige Wissenschaft verantwortlich? Ich fürchte, unser brasilianischer Freund bezieht sich insbesondere auf ausländische Ärzte, die in Länder wie das seinige kamen, um die Säuglingssterblichkeit zu verringern. Das war natürlich unverantwortlich, heller Wahnsinn in einer Welt, die an ihrer Bevölkerungsexplosion zu ersticken drohte! Die – bestärkt durch päpstlichen Zuspruch – frischfröhlich weitervögelte.«
    Quiverians Gesicht lief rot an. »Malenkow, Sie fetter russischer Heuchler! Kommen Sie heraus und argumentieren Sie wie ein Mann von Angesicht zu Angesicht! Sie brauchen sich nicht zu verstecken; ich bin kein ukrainischer Heckenschütze!«
    »Wenigstens dafür sei den Heiligen gedankt.« Nikolai Malenkow kam hinter dem Tisch hervor, eine Klemmtafel in der Hand. Ein lächelnder, ungeschlachter Riese von einem Mann, der sich selbst in den Schwereverhältnissen des Gravitationsrades’ mit der natürlichen Anmut eines ehemaligen Meisterringers bewegte.
    Gerettet, dachte Saul dankbar. Er ergriff die Gelegenheit, das Thema zu wechseln. »Nikolai, es geht das Gerücht, Cruz und die Ingenieure hätten bereits vorläufige Ergebnisse von dem Ausgasungsexperiment mittels Abweisblenden. Ist Ihnen etwas darüber bekannt?«
    Malenkow nickte. »Sie wollten bei der Auswertung wenigstens einen von uns Kometenliebhabern dabeihaben, und Joao war mit den Bohrproben beschäftigt. Also nahm ich teil.«
    Dr. Malenkow war – wie Saul und der beinlose Astronaut Otis Sergejow – ein nebenberuflicher Kometologe, was Joao Quiverian häufig Anlaß zu erschrockenem Einspruch gab. Der Russe breitete die Hände aus. »Meine Freunde, die Ergebnisse sind ermutigend. Obwohl erst einige wenige Abweisblenden aufgestellt sind, haben wir die Umlaufbahn des Halleyschen Kometen bereits verändert! Die Wirkung ist gering, tatsächlich kaum wahrnehmbar, aber sie ist eindeutig festzustellen. Die Technik der Anwendung asymmetrischer Sonnenerwärmung zur Steuerung des Ausgasungsprozesses läßt sich zur Veränderung der Umlaufbahn verwenden!«
    Saul nickte. »Selbstverständlich wirkt die Methode nur in Perihel – solange sich der Komet im sonnennahen Raum befindet.«
    »Gewiß. Diese Versuchsserie kann nur einen geringfügigen, weiter abnehmenden Effekt messen. Bald wird die Ausgasung vollständig aufhören. Das Projekt wird für die nächsten siebzig Jahre ruhen. Aber nächstesmal, wenn es wieder hineingeht, zur Hitze, dann wird diese Arbeit sich als nützlich erweisen. Mit den großen Rückstoßgeräten, die

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