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Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Titel: Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Link
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wieder nach London bestellt«, sagte Alexia. Sie bemühte sich, beiläufig zu klingen, aber der Stress war ihr anzumerken. »Deshalb habe ich am Wochenende hier in der Redaktion zu tun und kann nicht einen kompletten Samstag irgendwo in der Gegend herumgondeln. Nicht einmal allein, ohne meine Familie.«
    »Du warst doch erst im April in London. Was will der Kerl denn schon wieder?«
    Sie zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Vielleicht wirft er mich raus.«
    »Glaube ich nicht. Das würde er dir wahrscheinlich in einem Brief oder per E-Mail mitteilen. So viel Stil, dafür persönliche Zeit zu opfern, hat er nicht.« Ich wollte sie beruhigen, aber ich machte mir Sorgen. Vielleicht würde er ihr nicht kündigen, aber er würde sie erneut unter Druck setzen. Ihr mit Kündigung drohen. Die Daumenschrauben einfach noch etwas fester anziehen.
    »Alexia …«, hob ich an, aber sie unterbrach mich schroff: »Ich habe noch zu tun. Also, die Sache ist klar?«
    »Natürlich. Versprochen.«
    Sie war fast zur Tür hinaus, da wandte sie sich noch einmal um. »Du kannst unser Auto haben. Okay?«
    »Okay. Danke.«
    Seufzend packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den Heimweg. Der Abend war traumhaft, warm wie mitten im Sommer. Es war viel los auf den Straßen und Plätzen. Niemand hatte an einem solchen Abend Lust darauf, zu Hause zu bleiben. Die Frauen trugen leichte Kleider und offene Sandalen an nackten Füßen. Die Männer, die aus den Büros strömten, hatten die Hemdsärmel hochgekrempelt und die Jacketts über die Schulter geworfen. Es lag eine fröhliche, unbekümmerte Stimmung in der Luft. Obwohl ich mich nach dem Gespräch mit Alexia nicht gerade entspannt fühlte, wurde ich doch von der Heiterkeit um mich herum angesteckt. Ich hatte Pläne, und ich war sicher, dass es gute Pläne waren, die mich weiterbringen würden.
    In den vergangenen Wochen hatte ich immer häufiger darüber nachgedacht, ein Studium zu beginnen, und inzwischen war mir klar, dass es genau das war, was ich tun wollte. Ich hatte mich für englische Literatur und Geschichte entschieden und hoffte, damit später in einem Buchverlag arbeiten zu können. Wenn alles klappte, würde ich schon im Herbst beginnen. Natürlich bedeutete das eine Menge Veränderungen in meinem Leben: Ich würde bei Healthcare aufhören und mir irgendeine andere Arbeit suchen müssen, die mir nicht allzu viel zeitlichen Einsatz abverlangte, aber half, mich finanziell über Wasser zu halten. Vielleicht konnte ich an den Wochenenden oder an den Abenden kellnern, nebenbei Babysitten oder Hunde spazieren führen oder sonst etwas in dieser Art tun. Ich war es gewohnt, mich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Sicher musste ich aus meiner Wohnung ausziehen, denn selbst das kleine Loch unter dem Dach würde dann zu teuer für mich sein. Ich musste mich nach einem Platz im Studentenwohnheim erkundigen, wusste allerdings nicht, ob ich in meinem Alter dort noch aufgenommen werden würde. Möglicherweise musste ich mich nach einer WG umsehen. Den Plan, ein Auto zu kaufen, hatte ich vorläufig wieder auf Eis gelegt. Diese Dinge kamen später. Wenn ich endlich ein Examen hatte und einen richtigen Beruf.
    Ich freute mich drauf. Und war voller Zuversicht.
    Bei Sainsbury’s kaufte ich eine Packung Pfannkuchen, die man in der Mikrowelle innerhalb von zwei Minuten warm machen konnte, und eine große Flasche Sirup. Ich konnte förmlich hören, wie meine Mutter meckern würde: Fertige Pfannkuchen in Plastik eingeschweißt! Als ob es nicht wirklich einfach wäre, den Teig selbst anzurühren und in einer Pfanne zu backen! Und überhaupt ist das kein Abendessen!
    Zum Glück musste ich mich um ihre Meinung schon lange nicht mehr kümmern.
    Als ich in die Straße einbog, in der ich wohnte, fiel mir das Auto auf, das gegenüber von meinem Haus parkte. Ein blauer Toyota Corolla. Normalerweise hätte ich es gar nicht bemerkt, denn hier standen viele Autos, und ich hatte nie auf eines von ihnen geachtet. Das Seltsame war nur, dass ich mich plötzlich entsann, genau dieses Auto vor wenigen Tagen an derselben Stelle gesehen zu haben, und genau wie jetzt saß der Fahrer hinter dem Steuer und schien die Straße zu beobachten. Ich konnte ihn hinter der spiegelnden Frontscheibe nicht deutlich erkennen, hatte aber den Eindruck, dass er nicht las oder einfach nur vor sich hin starrte, sondern dass er genau im Blick behielt, was um ihn herum geschah. Für einen Moment war ich irritiert, aber dann

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