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Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Titel: Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Link
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steckte, er würde erneut zuschlagen. Und zwar bald.
    Ryan hatte etwas Zeit gewonnen. Mehr nicht.

MAI

1
    Es war ein wunderbarer, warmer, strahlender Abend im Mai, und ich hatte gerade beschlossen, nach Hause zu gehen und mich noch eine Weile in den kleinen Park zu Füßen meiner Wohnung zu setzen, als Alexia ihren Kopf in mein Büro steckte. Büro ist ein ziemlich hochtrabendes Wort für das winzige Kämmerchen, in dem ich arbeitete; es war nicht größer als ein Zugabteil, und vollgestellt mit Schreibtisch und Regalen konnte man sich darin kaum um sich selbst drehen. Aber ich hatte es mir recht freundlich gestaltet und sogar Blumen auf das Fensterbrett gestellt, die ich liebevoll hegte und pflegte und die dafür in leuchtenden Farben blühten.
    »Gut, dass du noch da bist, Jenna«, sagte Alexia. Sie hatte diesen gehetzten Ausdruck im Gesicht, der allmählich bei ihr zur Normalität wurde. Mir fiel auch auf, dass sie abgenommen hatte. Sie war immer schlank gewesen, aber langsam wurde sie mager.
    »Ich möchte dich um etwas bitten«, fuhr sie fort. »Könntest du am Samstag einen Job übernehmen?«
    Ich hob beide Arme. »Klar. Du weißt, ich habe leider keine sonstigen Wochenendverpflichtungen. Worum geht es?«
    »Ich plane ja diese große Fotogeschichte«, erklärte Alexia. »Wie man fit über den Sommer kommt und damit die Abwehrkräfte sammelt, auf die man dann im Herbst zurückgreifen kann. So in dieser Art soll die Geschichte sein. Und wir brauchen richtig tolle, ansprechende Bilder. Die Leser sollen nicht denken: O Gott, wie furchtbar, jetzt soll ich mich den ganzen Sommer über abmühen und schwitzen, damit ich dann irgendwann im Oktober keinen Schnupfen bekomme. Sondern sie sollen so angesprochen werden, dass sie sofort Lust bekommen, eine wunderschöne, idyllische Landschaft aufzusuchen und dort zu radeln, zu joggen oder auch einfach nur spazieren zu gehen.«
    »Okay«, sagte ich.
    »Kein erhobener Zeigefinger«, präzisierte Alexia, »sondern die pure Lust am Leben.«
    »Ich soll in den Pembrokeshire Coast National Park fahren und Motive aussuchen«, folgerte ich. Den Auftrag hatte sie mir schon einmal erteilt, aber in der Verbindung mit Matthews Ausflug zu dem Parkplatz, von dem Vanessa verschwunden war, hatte es nicht funktioniert.
    »Wäre es nicht besser, wenn ich gleich einen Fotografen mitnehme?«, fragte ich, aber Alexia schüttelte den Kopf. »Nein. Die Sache wird teuer genug. Argilan will zwar, dass ich endlich die Auflage wieder steigere, aber für jede Extraausgabe, die ich in dieses Bemühen investiere, reißt er mir fast den Kopf ab. Wenn der Fotograf erst lange sucht, was er eigentlich fotografieren will, und die Models, die wir ja auch brauchen, in dieser Zeit herumstehen, zieht sich das Ganze über mindestens zwei Tage, und die muss ich allen Beteiligten bezahlen. Deshalb sollte alles klar sein und feststehen und dann möglichst rasch umgesetzt werden.«
    Ich grinste. »Was mit anderen Worten heißt, dass mein Extrajob am Wochenende nicht bezahlt wird.«
    »Jenna, ich …«
    Ich stand auf, ging auf sie zu und legte die Hand auf ihren Arm. »Das war doch nicht ernst gemeint.« Früher hätte sie gewusst, dass ich einen Spaß machte. Früher hätte sie ebenfalls gegrinst und mir irgendeine freche Antwort gegeben. Aber irgendwann in den letzten Monaten hatte sie das Lachen verlernt und ihre Leichtigkeit verloren.
    »Alexia, ich mache das gerne für dich. Aber meinst du nicht, dass es dir ganz guttun würde, gerade diese Aufgabe selbst zu übernehmen? Mach doch einen schönen Ausflug für deine Familie daraus. Fahrt alle zusammen los, picknickt, spielt irgendetwas und schaut euch dabei nach Motiven um. Du kommst überhaupt nicht mehr an die frische Luft. Du musst neben allem anderen auch deine Gesundheit im Auge behalten.«
    Sie sah mich fast ärgerlich an. »Ich nehme die Sache ernst, Jenna. Diese Fotogeschichte. Und ich werde sie nicht dadurch vermasseln, dass ich mit vier Kindern losziehe und mich keine einzige Sekunde auf die eigentliche Arbeit konzentrieren kann. Glaubst du, sie würden mich auch nur einen Moment lang in Ruhe lassen?«
    »Ken ist doch auch noch da.«
    »Aber er hat sie nur sehr bedingt im Griff. Nein, das hat keinen Sinn. Also, Jenna, wenn du es nicht machen willst, dann sag es, dann werde ich …«
    Schon wieder diese Schärfe in ihrer Stimme.
    »Ich mache es doch«, unterbrach ich sie. »Es ging mir nur um dich.«
    »Argilan hat mich für nächste Woche übrigens schon

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