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Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)

Titel: Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Link
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hatten.
    »Haben deine Leute Debbie überfallen?«, brach es aus ihm heraus. »Und meine Mutter?«
    Damon sah ihn an. »Deine Mutter wurde überfallen? Das ist ja schrecklich. Was ist passiert? Und wer ist Debbie?«
    Der Mann war wirklich abgebrüht. Kein Muskel in seinem Gesicht verriet ihn. Ryan hätte nicht zu sagen gewusst, ob er ihm etwas vorspielte oder nicht. Beides war möglich: dass er völlig ahnungslos war. Und ebenso, dass er der Drahtzieher war.
    »Debbie ist eine Freundin von mir. Wir haben ein paar Jahre zusammengelebt und uns dann getrennt, aber wir sind Freunde geblieben. Sie wohnt in Swansea.«
    »Verstehe. Wieso wurden denn deine Mutter und deine Ex überfallen?«
    »Das frage ich mich eben auch«, sagte Ryan.
    »Die Welt ist ein böser Ort«, sagte Damon.
    Was hast du erwartet?, fragte sich Ryan. Dass er dir ins Gesicht lacht und mal so nebenher ein paar Straftaten gesteht? Vergewaltigung, Entführung, Freiheitsberaubung? Er ist schließlich nicht blöd. Entweder er hat damit nichts zu tun, dann ist es ihm sowieso egal, was mit irgendwelchen Menschen in deinem Umfeld passiert. Oder er steckt dahinter, und dann reicht es ihm, dass du dich mit deinen Ängsten herumschlagen musst. Mehr will er gar nicht.
    »Ich will dir dein Geld zurückzahlen«, sagte Ryan, »aber ich brauche Zeit. Ich kann einen solch hohen Betrag nicht so einfach auftreiben. Niemand, den ich kenne, kann das.«
    »Weißt du, Ryan, es gibt ein paar Regeln im Leben, die sollte man einhalten, sonst wird es ungemütlich«, sagte Damon und lehnte sich entspannt in seinen Sessel zurück. »Eine Regel zum Beispiel lautet, dass man am besten nie mehr Schulden macht, als man innerhalb eines angemessenen Zeitraums auch zurückzahlen kann. Immer nur nehmen und nehmen und sich keine Gedanken darüber machen, wie man das wieder in Ordnung bringt, funktioniert einfach nicht. Das macht den Gläubiger nämlich ziemlich unglücklich, verstehst du? Und irgendwann ist er nicht mehr bloß unglücklich, sondern richtig verärgert. Und dann wütend. Und dann hat man ein echtes Problem.«
    »Ja«, sagte Ryan leise.
    Damon blickte wieder auf seinen Zettel. »Also, ich habe mir überlegt, dass ich dir eine Frist einräumen werde«, sagte er. »Wir haben heute Montag, den 21. Mai. Ich bin großzügig. Sagen wir, am Samstag, dem 30. Juni gibst du mir das Geld zurück. Es sind sechs Wochen bis dahin. Ein faires Angebot, wie du zugeben musst!«
    »Ende Juni?«, fragte Ryan entsetzt. Damon hätte genauso gut übermorgen sagen können.
    »Ende Juni«, bestätigte Damon. »Zusammen mit den bis dahin anfallenden Zinsen sind es dann fünfzigtausend Pfund. Das ist eine schöne runde Summe. Fünfzigtausend Pfund am 30. Juni! Das gefällt mir. Habe ich dir schon mal gesagt, dass ich am 30. Juni übrigens Geburtstag habe?«
    »Nein«, flüsterte Ryan.
    »Ja, siehst du, das wird rundherum ein Freudentag für mich. Wann hast du Geburtstag, Ryan?«
    »Am … am 7. September«, krächzte Ryan. Irgendwie gehorchte ihm seine Stimme plötzlich nicht mehr richtig.
    »Am 7. September. Und du möchtest deinen nächsten Geburtstag natürlich gerne erleben, stimmt’s?«
    »Ja.«
    »Bitte? Ich habe nicht verstanden?«
    »Ja«, wiederholte Ryan lauter.
    »Gut, das habe ich mir gedacht. Du möchtest ihn schön feiern, zusammen mit deiner netten neuen Freundin. Ein hübsches Mädchen übrigens. Und so … wie soll ich sagen? Solide. Ein sauberes, solides Mädchen. Eine, die sich jede Mutter für ihren Sohn wünscht, nicht wahr?«
    »Sie ist nicht meine Freundin. Oder Lebensgefährtin«, sagte Ryan. »Sie hat mir ins Gefängnis geschrieben und kümmert sich jetzt um mich.« Vielleicht konnte er Nora vor Damon und seinen Leuten beschützen, indem er ihrer beider Beziehung so weit wie möglich herunterspielte.
    »Wie auch immer«, meinte Damon. »Es wäre schade, wenn gerade jetzt einem von euch etwas zustoßen würde. Sie ist noch so jung. Du bist endlich aus dem Gefängnis draußen. Du hast einen Job. Du versuchst es mit ehrlicher Arbeit, und das ist gut. He, Junge, das ist der Moment, da kannst du dein Leben in die richtige Spur bringen. Du kannst aus dir noch einen anständigen Kerl machen, und du kannst dir eine schöne, spießige Existenz aufbauen. Und sag nicht, dass du nicht genau davon träumst! Typen wie du träumen alle irgendwann davon!«
    »Ich weiß nicht, wie ich so viel Geld in so kurzer Zeit auftreiben soll«, sagte Ryan. »Ich weiß es wirklich nicht, Damon. Ich würde

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