Im Tal des Fuchses: Roman (German Edition)
Jacketttasche, faltete ihn auseinander und tat so, als müsste er ihn eindringlich studieren. Dabei, davon war Ryan überzeugt, wusste er ohnehin genau, was dort stand.
»Hm. Zwanzigtausend Pfund waren es mal, wie ich hier sehe. Es sind ganz schön viele Zinsen aufgelaufen in der Zwischenzeit. Immerhin hast du ja mit der Tilgung nicht einmal begonnen !«
»Ich war im Gefängnis. Wie hätte ich …?«
»Ja, sicher, das verstehe ich ja. Man häuft dort nicht gerade ein Vermögen an. Auf der anderen Seite war es natürlich nicht meine Schuld, dass du hinter Gittern gelandet bist. Du kannst für deine Fehler nicht andere verantwortlich machen, Ryan!«
»Nein«, sagte Ryan.
Damon studierte wieder den Zettel. »Also, wenn ich mir das hier so ansehe … Da ist ganz schön was zusammengekommen, Ryan, in all der Zeit. Nicht schlecht. Wir sind jetzt bei … warte mal … ja, bei achtundvierzigtausend Pfund. Genau. So viel schuldest du mir. Achtundvierzigtausend Pfund!«
Wäre seine Lage nicht so gefährlich, so hoffnungslos gewesen, Ryan hätte müde gegrinst. Absurder ging es kaum. Achtundvierzigtausend Pfund. Die wahrscheinlich täglich, stündlich, mit jeder Minute noch anwuchsen.
Er konnte das nie bezahlen. Und natürlich wusste Damon das.
»Das ist … sehr viel Geld«, sagte er, um irgendetwas zu sagen.
Damon nickte gewichtig. »Stimmt. Viel Geld. Du wirst verstehen, dass ich auf so viel Geld nicht verzichten kann.«
»Damon«, sagte Ryan verzweifelt, »ich habe das nicht. Ich habe ein fast leeres Konto. Ich habe im Gefängnis gearbeitet und ein bisschen verdient, aber das meiste davon ist jetzt schon wieder verbraucht. Ich arbeite in einem Copyshop, und ich bekomme da wirklich fast nichts. Und ich kann mir auch keine andere Arbeit suchen, im Gegenteil, ich muss froh sein, überhaupt etwas gefunden zu haben. Wer stellt denn jemanden wie mich ein?«
»Hm«, machte Damon. Er zeigte einen besorgten Gesichtsausdruck. Von dem Ryan wusste, dass er keineswegs echt war: Damon war eiskalt und ohne jedes Gefühl. Ohne jedes Mitleid jedenfalls. Eine ausgeprägte Freude an sadistischem Verhalten war ihm sicherlich nicht abzusprechen.
»Aber darf ich dir eine Frage stellen, Ryan?«, fuhr er fort. »Ich meine, du wirst verstehen, dass ich das fragen muss: Was, bitte schön, geht mich das an? Welchen Job du hast und was auf deinem Konto ist und wie deine Zukunftsprognose aussieht? Das ist dein Leben. Du hast es dir gestrickt. Ob du das geschickt gemacht hast oder nicht, ob du immer clever warst oder eher die eine oder andere Dummheit begangen hast – das zu beurteilen steht mir nicht zu. Das würde ich mir nicht anmaßen.«
»Ja«, sagte Ryan und schluckte trocken.
»Wie wollen wir das mit der Rückzahlung handhaben?«, fragte Damon. »Wann, meinst du, kannst du mir das Geld geben?«
Ryan schluckte erneut. Sein Hals fühlte sich eng an.
»Damon, ich habe kein Geld«, sagte er leise. »Wirklich, so gut wie überhaupt keines.«
Damon drehte den Kopf und hielt in einer übertriebenen Geste seine Hand an sein Ohr. »Bitte? Ich habe dich nicht verstanden.«
»Ich habe kein Geld«, wiederholte Ryan lauter.
»Aber du hast einen Plan, wie du an Geld kommen kannst, oder? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dir achtundvierzigtausend Pfund bei jemandem leihst und dir keinerlei Gedanken über die Rückzahlung machst!«
Er hatte sich nie so viel geliehen. Der Betrag hatte nur durch Damons Wucherzinspolitik zustande kommen können. Aber Ryan hütete sich, das zu sagen.
»Ich kann es abstottern«, bot er an. »In ziemlich kleinen Beträgen allerdings. Weil ich ja kaum etwas verdiene.«
»Wie viel kannst du mir monatlich geben?«
»Äh … vielleicht hundert Pfund?«
»Hundert Pfund? Ist das dein Ernst? Ich meine, zusammen mit den weiter ansteigenden Zinsen sind wir beide steinalte Urgroßväter, bis ich endlich den gesamten Betrag zusammenhabe. Wenn es überhaupt je so weit kommt!«
»Zweihundert Pfund«, bot Ryan verzweifelt an. »Aber dann wird es schon verdammt eng für mich.«
»Zweihundert Pfund? Das ändert gar nichts. Was ist mit der Braut, bei der du lebst? Kann sie dich unterstützen? Finanziell?«
Ryan zuckte zusammen. Im Prinzip hatte er es gewusst, aber es durchfuhr ihn doch wie ein elektrischer Schlag, als Damon es so gelassen aussprach. Die Braut, bei der du lebst. Sie wussten über alles Bescheid. Sie kannten Nora, wussten, dass er bei ihr wohnte. Nora könnte die Nächste sein, die sie im Visier
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