Im Zeichen des Drachen: Thriller (German Edition)
auch andere Dinge, und das wiederum konnte massive Proteste in der Bevölkerung hervorrufen, die möglicherweise zu einschneidenden sozialen Veränderungen führen würden. Doch wenn sie sich nun, um das zu verhindern, zu gewissen innenpolitischen Zugeständnissen bereit erklärten, hätte dies auf einem anderen Weg dieselben verhängnisvollen Folgen.
Was von beiden würde ihnen mit größerer Sicherheit zum Verhängnis werden?
Spielt das denn eine Rolle? , fragte sich Fang. In beiden Fällen stünde ihr Leben auf dem Spiel. Er fragte sich vage, wie der Tod wohl käme, durch die Fäuste eines Mobs, durch Kugeln an einer Wand oder durch einen Strick? Er brauchte sich nur am Tisch umzublicken, um zu erkennen, dass jeder der Anwesenden ähnliche Gedanken hatte, zumindest diejenigen mit genügend Verstand. Alle Menschen fürchteten das Unbekannte, doch jetzt mussten sie sogar wählen, welches Unbekannte sie fürchten sollten.
»Damit sagen Sie also nichts anderes, Qian, als dass wir riskieren, bestimmte lebenswichtige Güter nicht mehr kaufen zu können, weil wir kein Geld mehr einnehmen?«, fragte Premier Xu.
»Ganz richtig«, bestätigte ihm der Finanzminister.
»Auf welchem anderen Weg könnten wir uns Geld und Öl beschaffen?« , fragte Xu als Nächstes.
»Das fällt nicht in mein Ressort, Genosse Vorsitzender«, antwortete Qian.
»Öl ist eine Währung für sich«, gab Zhang zu bedenken. »Und im Norden gibt es viel Öl. Auch Gold und viele andere Dinge, die wir brauchen. Bauholz in großen Mengen. Und schließlich etwas, das wir am dringendsten benötigen – Platz, Lebensraum für unsere Bevölkerung.«
Marschall Luo nickte. »Darüber haben wir früher schon mal gesprochen.«
»Wie meinen Sie das?«, fragte Fang.
»Die nördlichen Schatzvorkommen, wie unsere japanischen Freunde sie einmal genannt haben«, rief ihnen Zhang in Erinnerung.
»Dieses Abenteuer endete in einer Katastrophe«, bemerkte Fang sofort. »Wir können von Glück reden, dass uns daraus kein größerer Schaden erwachsen ist.«
»Aber wir hatten doch gar keinen Schaden davon«, entgegnete Zhang leichthin. »Wir wurden nicht einmal damit in Verbindung gebracht. Das können wir doch mit Sicherheit annehmen, Luo, oder nicht?«
»Jawohl. Die Russen haben ihre Verteidigungsmaßnahmen im Süden nie verstärkt. Sie haben sogar die Manöver ignoriert, durch die unsere Truppen in eine hohe Gefechtsbereitschaft versetzt wurden.«
»Können wir dessen sicher sein?«
»O ja«, versicherte ihnen der Verteidigungsminister. »Tan?«
Tan Deshi war der Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit und als solcher für den Auslands- und Inlandsgeheimdienst der Volksrepublik zuständig. Mit 70 Jahren einer der Jüngeren der Runde, war er vermutlich der gesündeste von allen, da er nicht rauchte und auch dem Alkohol nur in Maßen zusprach. »Als wir mit unseren Übungen begannen, verfolgten die Russen sie zunächst mit Besorgnis, aber nach zwei Jahren verloren sie das Interesse. In Ostsibirien leben über eine Million chinesische Staatsangehörige – illegal, aber die Russen machen nicht viel Aufhebens davon. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen erstattet mir regelmäßig Bericht. Uns liegen umfangreiche Informationen über die russischen Verteidigungsanlagen vor.«
»Und wie ist es um deren Einsatzbereitschaft bestellt?«, wollte Tong Jie wissen.
»Insgesamt sehr schlecht. Sie haben eine Division in voller Gefechtsstärke, außerdem eine mit zwei Dritteln, und der Rest hat kaum mehr als Kaderstärke. Ihr neuer Oberbefehlshaber Fernost, ein Generaloberst Bondarenko, verzweifelt laut Aussagen unserer Quellen schier an der Aufgabe, an diesem Zustand etwas zu ändern.«
»Augenblick«, erhob Fang an dieser Stelle Einspruch. »Sprechen wir hier inzwischen etwa davon, gegen Russland möglicherweise Krieg zu führen?«
»Ja«, erwiderte Zhang Han San. »Und wir tun dies nicht zum ersten Mal.«
»Das stimmt, aber bei der ersten derartigen Gelegenheit hätten wir Japan als Verbündeten gehabt, womit Amerika zur Neutralität verpflichtet gewesen wäre. Bei der zweiten gingen wir davon aus, Russland würde in Kürze in die jeweiligen Religionszugehörigkeiten zerfallen. Wer sind diesmal unsere Verbündeten? Inwiefern ist Russland diesmal gehandikapt?«
»Was das angeht, hatten wir etwas Pech«, erklärte Tan. »Der wichtigste Minister – das heißt, der wichtigste Berater ihres Präsidenten Gruschawoi – ist noch am Leben.«
»Was soll das
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