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Jack Holborn unter den Freibeutern

Jack Holborn unter den Freibeutern

Titel: Jack Holborn unter den Freibeutern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Leon Garfield
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–« murmelte der Portugiese vor sich hin.
    Aber Mister Fared blickte doch plötzlich hoch.
    Was ging denn vor sich? Mister Trumpet war fort.
    Macht, Kraft hatten sich verlagert. Sir Joseph war auf 187
    sich selbst gestellt nicht sehr bedeutend. Er war nicht so eindrucksvoll wie der schlanke, ruhige, lässige Mister Trumpet. Kein Gegner, mit dem man rechnen mußte.
    »Keine Art, Geschäfte zu machen: ich biete vier-
    zehnhundert – habe sie hier, bei mir –«
    »Fünf Minuten«, murmelte Mister Fared. »Fünf
    Minuten Gnadenfrist – Höflichkeit – Gentlemen –«
    »Vierzehnhundert Guineas«, wiederholte der Por-
    tugiese, der sich verhärtete und vor allem Sir Joseph fixierte.
    Sir Joseph hatte das Gefühl, daß er vom Portugie-
    sen als Geisel betrachtet wurde, rückte ein wenig –
    wäre davongelaufen – wollte Kapitän Farmers Blick
    erhaschen (zu seiner Unterstützung). Kapitän Farmer mied ihn. Wollte nicht mit verwickelt werden.
    »Vierzehnhundert habe ich gesagt!«
    Der Portugiese warf einen hurtigen Blick auf Kapi-
    tän Farmer, um zu sehen, ob er sich gegen ihn stellen würde. Einige Gedanken gingen zwischen ihnen hin
    und her. Der Kapitän senkte die Augen auf seine
    sorgsam gefalteten Hände. Sah überhaupt nicht Sir
    Josephs großes, verlegenes Flehen. Nicht die geringste Ahnung …
    »Das letzte Gebot war achtzehnhundert, Sir«, sag-
    te Mister Fared leise.
    »Wo?«
    »Hier«, sagte ich.
    Mister Fared nickte. Der Portugiese höhnte. »Ein
    Kind. Das Gebot eines Kindes. Es steht bei vierzehnhundert.«
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    »Noch vier Minuten –«
    Der Portugiese stand auf. Als ob eine Kanone los-
    gegangen wäre: so jäh war die Wirkung.
    »Keine Art, Geschäfte zu machen. Überhaupt keine
    Art. Ich kaufe nichts. Nichts.«
    »Nichts?« Mister Fared war überrumpelt. »Aber –
    aber unser Handel? Die anderen sind an Sie verkauft, das Wort eines Gentleman –«
    »Keine Art, Geschäfte zu machen«, wiederholte
    der Portugiese, der seinen Vorteil wahrnahm. »Ich
    handle nicht mit jemand, der beim Verkauf betrügt.«
    » Betrügt ? Nein! Nein! Niemals!«
    » Das ist Betrug: eine Versteigerung aufzuhalten.
    Sich gegen ein ehrliches Gebot taub zu stellen.«
    »Noch drei Minuten.«
    »Hab ich’s mit einem Gauner zu tun – oder einem
    ehrlichen Mann? Denn von einem Gauner kaufe ich
    nichts!« Er sah um sich, suchte sich die schwächste Stelle: Sir Joseph. »Sie, Sir. Können Sie achtzehnhundert Guineas bezahlen?«
    Sir Joseph verlor den Kopf. Wies von sich. Nichts
    mit dem Handel zu tun. Mister Trumpet gerade erst
    begegnet. Kannte ihn nicht.
    Mister Fared sah Sir Joseph sehr wütend an. Der
    Gentleman hätte nicht reden dürfen, hätte den Mund
    halten sollen.
    Sir Joseph war in einer Panik. (Irgendwie war es
    ihm noch nicht gelungen, den Blick von Kapitän
    Farmer zu erhaschen.) Was wäre, wenn man ihn
    zwingen würde zu zahlen? Furchtbar. Unmöglich. Ei-
    189
    ne ungeheuerliche Situation: nicht sein Werk. Er warf die Karten auf den Tisch.
    »Ich stimme zu. Ich stimme zu. Fared muß das Ge-
    bot annehmen. Niemand ist hier, der’s überbietet.
    Das ist der Lauf der Dinge. Ich stimme für den aus-
    wärtigen Kapitän hier. Ein ehrlicher Mann. Recht ist auf seiner Seite.«
    Mister Fared wurde schwankend. Ich konnte se-
    hen, daß er schwankend wurde. Seine Hütte war vol-
    ler Engel und Teufel. Wer war was? Ich mußte etwas
    unternehmen. Selbst Mister Trumpet hätte das zuge-
    geben.
    Da habe ich denn den Smaragd aus meinem Lei-
    nenbeutel genommen. (Es war der erste Stein, der mir in die Finger kam.)
    »Was geben Sie mir hierfür?«
    Einen Augenblick hörte mich niemand. Dann senkte
    sich Schweigen über die Hütte. Mister Fared streckte die Hand aus. Er nahm den Stein, starrte hinein, wog ihn, berührte damit seine Zähne und seine Wange,
    schmeckte ihn – »Einhundert Guineas, junger Herr?«
    »Betrügen Sie den Jungen nicht, Fared!« ließ sich
    plötzlich Kapitän Farmer hören. Seine Augen war so
    grün geworden wie der Edelstein. »Er ist für jeder-
    mann zweihundert wert.«
    »Sie sprechen von Betrug?« Mister Fared war ge-
    kränkt. »Er ist tausend wert – in London: und –
    fünfhundert hier!« Er starrte auf meinen Leinenbeu-
    tel. Wieviel mehr da drinnen?
    Ich sah mich um, ob Mister Trumpet in Sicht war.
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    Ich konnte sie nicht länger in Schach halten. Ich fühlte, wie sich ihr Gewicht auf mich legte. Meine Hand
    schwitzte, so daß ich kaum den Beutel festhalten konnte. Kein Zeichen von Mister

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