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Jenseits von Timbuktu

Jenseits von Timbuktu

Titel: Jenseits von Timbuktu Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gercke Stefanie
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sympathischer.
    Später trennten sie sich. Dirk wollte Jill fragen, ob sie ihm ein paar lohnende Objekte für seine Suche nach einem urigen Farmgebäude nennen konnte. Anita lief zum Bungalow, um die Ersatzbatterie für ihre Kamera aufzuladen, was einige Zeit in Anspruch nehmen würde.
    Das Aufladen ging schneller, als sie erwartet hatte. Sie verstaute Sonnencreme, Mückenspray und eine Flasche Mineralwasser in ihrer Umhängetasche, zog Sandalen an, ergriff ihren Sonnenhut und machte sich zum Parkplatz auf. Ihr blieb Zeit genug, um zwei winzige Antilopen zu beobachten, die sie aufmerksam mit großen, schwarzen Augen und bebenden Nasenflügeln musterten, ehe sie auf zierlichen Hufen davontanzten. Vögel schwirrten über sie hinweg, Käfer hasteten durch raschelnde Blätter, eine große Spinne flog ihr an ihrem Seidenfaden hängend ins Haar und verhedderte sich. Sie hatte zwar keine Angst vor Spinnen, aber diese war so groß, dass sie erschrak und sich unwillkürlich schüttelte wie ein Hund. Der Spinnenfaden riss, und das Insekt fiel ins Dickicht. Ihr Kopf allerdings nahm die heftige Bewegung übel. Die Beule begann wieder stark zu pochen, was ihr ein leises Stöhnen entlockte. Sie kramte Schmerztabletten aus ihrer Tasche, drückte zwei aus der Blisterpackung und spülte sie mit einem Schluck aus der Wasserflasche hinunter. Bevor sie weiterlief, setzte sie sich den breitkrempigen Sonnenhut auf, um etwaige weitere Spinnenattacken abzuwehren.
    Dirk wartete schon neben seinem Auto. Seine Kameratasche stand auf der Motorhaube. In der Hand hielt er einen Camcorder, dessen Linse er vorsichtig mit einem Pinsel reinigte, während er mit Jill Rogge scherzte, die auf eine seiner Bemerkungen mit zurückgeworfenem Kopf herzlich lachte. Statt der Khakiuniform, die jeder Mitarbeiter auf Inqaba trug, war sie in Bermudashorts
und T-Shirt geschlüpft, die ihre sonnengebräunten Arme und Beine bestens zur Geltung brachten, wie Anita feststellte.
    Â»Davon hat Nils mir nie etwas erzählt«, rief Jill und gluckste. »Warte nur, bis ich es ihm unter die Nase reibe  – ach, da ist ja Anita. Guten Morgen.«
    Mit ausgestreckter Hand ging sie auf Anita zu und begrüßte sie mit einem Luftkuss, einmal rechts und einmal links, wie es hier, wie sie bereits feststellen konnte, Sitte war, und fragte anschließend, ob Anita lieber in einen Flachdachbungalow übersiedeln wollte, wo sich garantiert keine Schlangen ins Haus verirrten.
    Â»Habt ihr Schlangenserum greifbar?«, fragte Anita.
    Jill schaute fast gekränkt drein. »Selbstverständlich. Mark, Philani und ich haben uns eigens im Krankenhaus schulen lassen, damit wir bei einem Schlangenbiss Erste Hilfe leisten können.«
    Â»Okay, dann bleibe ich in diesem Bungalow. Er ist wirklich traumhaft.«
    Dirk schloss den Wagen auf, stellte die Kameratasche so, dass sie von draußen nicht sichtbar war, und legte den Camcorder in die Schublade, die er unter dem Fahrersitz entdeckt hatte. »Jill begleitet uns«, bemerkte er, offensichtlich nicht sonderlich erfreut. »Angeblich kann man sich auf dem Weg zu Maurice’ Farm leicht verfahren …«
    Â»Ihr kennt euch hier nicht aus«, fiel ihm Jill ins Wort. »Allein durchs ländliche Zululand zu fahren ist nicht ratsam, und sich zu verirren kann gefährlich werden. Ich bin eine Eingeborene und kenne hier fast jeden persönlich. Zulu habe ich gelernt, bevor ich Englisch sprechen konnte. Meine weiße Hautfarbe ist eigentlich nur Tarnung«, setzte sie vergnügt schmunzelnd hinzu und kletterte auf den Rücksitz.
    Aus dem Inneren des Wagens schlug Anita eine Glutofenhitze entgegen. Mit zusammengebissenen Zähnen ließ sie sich sehr
vorsichtig auf den glühend heißen Sitz nieder. Gleichzeitig blies ihr eiskalte Luft aus der Klimaanlage mit Sturmstärke ins Gesicht. Offenbar hatte Dirk die Temperatur ganz heruntergeregelt. Trotz der Hitze fröstelte sie unwillkürlich.
    Â»Scheußlich! Hier drinnen werden wir tiefgekühlt und draußen gebraten wie ein Hähnchen am Rost. Sehr ungesund. Seid ihr nicht ständig erkältet?«
    Jill zuckte mit den Schultern. »Ach, ich glaube, man gewöhnt sich nach einer Zeit daran. Außerdem benutzen wir im Haus die Klimaanlage nur in Ausnahmefällen. Manchmal haben wir weit über vierzig Grad. Das ist dann ohne Kühlung nicht mehr auszuhalten.«
    Was Anita ohne

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