JULIA ARZTROMAN Band 26
habe. Sie hatte diesen bestimmten sehnsüchtigen Blick, und ich sah dich schon deinen Maserati gegen einen Kombi tauschen.“
Marco fand das nicht lustig. „Das ist vorbei. Sie will keine Kinder, und mich will sie auch nicht mehr.“
„Ich frage mich, warum.“
„Sie liebt mich nicht. Kann passieren.“
Nick lachte auf. „Dir doch nicht. Alle Frauen lieben dich. Das machen die dunklen Augen und der Akzent. Marco, Amy liebt dich. Das sieht ein Blinder. Sie gehört zu den Frauen, für die es die große Liebe nur einmal gibt. Und die bist du.“
„Offensichtlich nicht.“ Gereizt stand Marco auf. „Gibt es sonst noch etwas außer meinem Liebesleben?“
„Was macht der Maserati? Alles repariert?“
„Ja, gestern. Kate hat sich darum gekümmert.“
Kaum wahrnehmbar veränderte sich Nicks Gesichtsausdruck. „Sie ist eine großartige Hilfe.“
Sie wäre liebend gern noch viel mehr, wenn du sie ermutigen würdest, dachte Marco und fragte sich, ob sein Freund wirklich keine Ahnung hatte. Oder war die Sache komplizierter? Machte er sich immer noch Vorwürfe wegen seiner toten Frau? Ließ er sich deswegen nicht auf eine neue Beziehung ein?
Er schob die Gedanken von sich. Schließlich hatte er genug Probleme. Außerdem wäre er der Letzte, der anderen in Liebesdingen Ratschläge erteilen sollte. Sei eigenes Privatleben war eine Katastrophe. „Ich habe Amy in Lucys Sprechzimmer untergebracht. Ich hoffe, du bist einverstanden.“
„Von mir aus kann sie im Flur praktizieren, solange sie uns Patienten abnimmt“, brummte Nick und beugte sich vor. „Hast du eine Ahnung, warum sie sich wegen der Vorsorge so gesträubt hat?“
„Eigentlich will sie gar nicht hier sein. Ich musste mit psychologischen Tricks arbeiten, um sie zum Bleiben zu überreden. Das heißt, sie macht das hier nicht freiwillig.“
„Dachte ich mir. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass noch mehr dahintersteckt. Sie wurde ganz blass, als es um die Vorsorge ging. Als wäre ihr plötzlich übel. Aber vielleicht ist sie nur müde.“
Das war Marco auch aufgefallen. Ein seltsames Unbehagen beschlich ihn. „Deshalb möchte ich ja, dass sie bleibt. Wenn ich erst herausgefunden habe, wo das Problem liegt, kann ich ihr helfen, es zu lösen. Dann lasse ich sie gehen.“ Er hielt inne. „Vielleicht will sie auch einfach nur so weit wie möglich weg von mir.“
„Möglich. Aber sie ist eine Frau …“ Nick schaltete seinen PC ein. „Was bedeutet, dass es viel komplizierter ist, als man denkt. Kümmere dich um sie, Marco, irgendetwas stimmt da nicht. Pass nur auf, dass deine Arbeit nicht darunter leidet.“
Marco straffte die breiten Schultern. „Den Rat kannst du dir schenken“, warnte er dumpf.
„Gut.“ Nick lächelte. „Vergiss, was ich gesagt habe.“
6. KAPITEL
Marco telefonierte, als Amy sein Sprechzimmer betrat.
Gestikulierend deutete er mit der Hand auf einen Stuhl, beendete sein Gespräch und blickte sie erwartungsvoll an. „Probleme?“
„Sue Miller ist bei mir.“
„Sue?“ Er blickte sie scharf an. „Weshalb? Sie hatte vor zwei Jahren Darmkrebs, und ich weiß, dass Lucy die Nachuntersuchungen übernommen hat.“
„Kennst du eigentlich sämtliche Patientengeschichten?“, fragte sie erstaunt.
„ Sì , bei ernsten Krankheiten schon. In unserer Praxis sollte jeder Partner genau Bescheid wissen. Bei einer der letzten Besprechungen ging es auch um Sue. Warum ist sie heute zu dir gekommen?“
„Es geht nicht um sie, sondern um ihren Sohn Harry. Er ist sieben und klagt öfter über Kopfschmerzen.“
Marco nickte. „Und sie glaubt, es könnte ein Hirntumor sein. Sie ist sehr ängstlich.“
„Was bei ihrer Krankengeschichte nicht verwunderlich ist.“
„Richtig. Hast du ihn untersucht?“
„Ja, und ich kann nichts finden. Da du Kinderarzt bist, dachte ich, könntest du dir den Jungen einmal ansehen. Um sie zu beruhigen.“ Sie zögerte. „Vorausgesetzt, dass kein Grund zur Sorge besteht.“
„Wer ist jetzt überängstlich?“, fragte er sanft, und seine Augen funkelten humorvoll. „Weniger als ein Prozent aller Kopfschmerzen entstehen durch einen Gehirntumor. Ich dachte, du kennst die Statistiken.“
„Sicher.“ Sie durfte sich nicht in seinem Blick verlieren. „Aber versuch mal, das einer Fünfunddreißigjährigen zu erzählen, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit an Darmkrebs erkrankt ist.“
„Eins zu null für dich. Selbstverständlich sehe ich mir das Kind an. Zu dir oder zu mir?“
Die samtweiche
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