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Kindheit bei Scientology: Verboten (German Edition)

Kindheit bei Scientology: Verboten (German Edition)

Titel: Kindheit bei Scientology: Verboten (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ursula Caberta
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bleibt Edwin zunächst einmal verschont. Neben seiner körperlichen Arbeit und seinem weiteren »Studium« der Hubbard-Schriften hat er keine Zeit, über alles nachzudenken. Auch seine Unterbringung lässt keinen Raum für eine Privatsphäre. Mit ihm zusammen sind sieben weitere männliche Personen in einem Raum untergebracht, Etagenbetten stehen an der Wand, und jeder hat einen Spind für persönliche Sachen.
     
    Für Edwin stellt es ein besonderes Problem dar, dass er nur einen Overall bekommen hat, den er – wie seine Mitbewohner auch – selbst waschen muss, und das täglich. Dieses kann er nur nachts erledigen, und so passiert es, dass Edwin manchmal morgens in den noch etwas feuchten Anzug schlüpfen muss. Auch das Essen ist nicht gerade das, was ihm schmeckt.
    Morgens gibt es häufig fetttriefende Spiegeleier, mittags weiße Nudeln oder dicke Bohnen. Außerdem ist auch nicht immer sicher, dass es etwas gibt. Denn die bereits weiter fortgeschrittenen »Sea-Org«-Mitglieder, die schon die Uniform tragen, bekommen als Erste zu essen. Probleme bekommt Edwin auch, wenn er zur Toilette muss. Seine Zeit ist knapp, und er braucht die Genehmigung, um im Laufschritt (so ist es gefordert) eine Toilette aufzusuchen.
     
    Endlich, nach sehr langen und anstrengenden acht Wochen, hat Edwin das »Estate Project Force« überstanden. Nach seiner »gründlichen Ausbildung« wird Edwin nun als Mitarbeiter eingeteilt und dem »Kommunikationsbüro« überstellt. Sein Tag beginnt immer noch sehr früh und auch der morgendliche Appell bleibt. Alle da? Antreten zum Nachzählen! Wenn jemand fehlt, wird er gesucht und bestraft.
     
    Edwin will keine Probleme bekommen – und stumpft immer mehr ab. Er »funktioniert« hervorragend und bekommt die wichtige Aufgabe, mit ein paar anderen die Post zu kontrollieren und die Berichte der Mitarbeiter zu lesen und zu sortieren. Manchmal gibt es auch »Sondereinsätze«, etwa wenn sich scientologische Prominenz angekündigt hat. Dann müssen alle zusammen noch einmal eine Sonderschicht putzen …
     
    Edwin scheint aber seine Sache richtig gut zu machen. Schon fast ein ganzes Jahr ist er nun in England. Der Schulbesuch ist ausgefallen, von Bildung keine Spur, doch Edwin funktioniert prächtig. Als junger Teenager wird er in der Kommunikationsabteilung befördert. Edwin ist sehr stolz auf sich. Auch seine Mutter, der er davon im Brief erzählt, ist stolz. Das scientologische Leben scheint wunderbar.
    Mit Edwins »Beförderung« kommen weitere Aufgaben in der »Kommunikationsabteilung« auf ihn zu. Edwin erhält eine »Ethik-Order« mit vielen Fragen ausgehändigt, die zu beantworten sind. Er steht nun schon etwas strammer in seiner blauen Uniform, als er sie liest, denn diese »Ethik-Order Nr. 1422« kommt vom »Security Chief Saint Hill UK«, also vom Sicherheitschef direkt. Vielleicht fühlt sich Edwin ein bisschen so, wie Menschen in totalitären politischen Systemen stramm stehen, wenn der oberste Sicherheitschef für die Überprüfung von Genossen persönlich kommt.
    Fett gedruckt steht in dieser Order, worum es geht:
    »To get all Sea Org Staff winning on their posts and in life by application of standard Scientology Tech, Ethics and Admin.«
    (Dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeiter der »Sea-Org« auf ihren Posten und in ihrem Leben die Richtlinie der Scientology Technologie, der Ethik und Administration anwenden.)
    Es handelt sich also um eine Kontrolle, ob die Mitglieder entsprechend funktionieren, mit dem Ziel, eventuelle Abweichungen festzustellen. Die 29 Fragen sind schriftlich zu beantworten, was natürlich eine Zeit dauert. Besonders Frage 3 hat es in sich:
    3. Do you know of any crew or executives who were ineffective and did not get necessary orders complied to during production time but then had to stay up after hours to get this done? If so, say what the order was and give details of what happend?
    (Hier soll angegeben werden, welche Mitarbeiter so ineffektiv ihre Aufträge erledigt haben, dass sie die »Produktionszeit« überschritten haben und ihre Arbeit erst Stunden später erledigt war. Außerdem soll angegeben werden, um welche Aufgabe es sich handelte und ob es Details zu berichten gibt.)
    Es folgen weitere Fragen nach dem Verhalten anderer, die detailliert beantwortet werden müssen. So hat Edwin zu sagen, ob ihm bekannt ist, dass »falsche Berichte« gegeben wurden, über welche Situation auch immer, ob er davon erfahren habe, was genau gesagt wurde und von wem

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