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Königsklingen (First Law - Band 3)

Königsklingen (First Law - Band 3)

Titel: Königsklingen (First Law - Band 3) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joe Abercrombie
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Euer Majestät. Es ist wohlbekannt, dass die Gurkhisen eine Schwäche für Intrigen haben. Wir hegen keinen Zweifel, dass bereits Spione innerhalb der Mauern Aduas am Werk sind. Vielleicht sogar im Agriont selbst. Alle Bürger kantesischer Herkunft werden inzwischen interniert. Meine Inquisitoren arbeiten Tag und Nacht im Haus der Befragungen. Es haben bereits mehrere Spione ein Geständnis abgelegt.«
    Marovia schnaubte. »Dann sollen wir wohl glauben, dass die Gurkhisen bei ihrer Schwäche für Intrigen nicht auf den Gedanken gekommen sein könnten, weißhäutige Spione anzuheuern?«
    »Wir sind im Krieg!«, fauchte Sult und warf dem Kronrichter einen tödlichen Blick zu. »Die Unabhängigkeit unserer Nation steht auf dem Spiel! Das ist nicht die rechte Zeit für Ihr Geschwätz über die Freiheit, Marovia!«
    »Im Gegenteil, es ist genau die rechte Zeit!«
    Die zwei alten Männer fuhren fort, sich zu beharken, und stellten die ohnehin bereits blank liegenden Nerven der Anwesenden auf eine weitere Zerreißprobe. Bayaz hatte sich währenddessen wieder zurückgelehnt und hielt die Arme vor der Brust verschränkt. Er beobachtete Jezal mit nachdenklicher Ruhe, die noch beunruhigender wirkte als seine finsteren Blicke, falls das überhaupt möglich war. Jezal spürte, dass ihn die Sorgen immer stärker niederdrückten. Wie auch immer man die Dinge betrachtete, er lief Gefahr, als der König mit der kürzesten und katastrophalsten Regierungszeit in die Unionsgeschichte einzugehen.
     
    »Es tut mir leid, dass ich nach Eurer Majestät schicken musste«, piepste Gorst mit seiner Kleinmädchenstimme.
    »Natürlich, natürlich.« Das Klacken der Absätze von Jezals hochglanzpolierten Stiefeln hallte zornig um ihn wider.
    »Ich war an die Grenzen meiner Befugnisse gestoßen.« »Natürlich.«
    Jezal schob die Flügeltür mit beiden Händen auf. Terez saß kerzengerade in der Mitte des goldverzierten Saals und starrte ihn mit jenem abfälligen Blick an, den er schon so gut kannte und der ihn mittlerweile fürchterlich in Rage brachte. Als sei er ein Insekt in ihrem Salat. Einige der styrischen Kammerzofen blickten kurz auf und wandten sich dann wieder ihren Aufgaben zu. Überall im Zimmer standen Kisten und Koffer, in die nun ordentlich Kleider gestapelt wurden. Alles vermittelte den Eindruck, als sei die Königin der Union im Begriff, die Hauptstadt zu verlassen, und das, ohne ihrem Ehemann vorher etwas davon gesagt zu haben.
    Jezal knirschte mit seinen ohnehin schon schmerzenden Zähnen. Er war mit einem Geschlossenen Rat geschlagen, der ihm nicht treu ergeben war, mit einem unloyalen Offenen Rat und einer unloyalen Bevölkerung. Dass ihm nun auch noch seine Frau derart in den Rücken fiel, war fast nicht mehr zu ertragen. »Was, zur Hölle, soll das werden?«
    »Ich und meine Kammerzofen können Ihnen in Ihrem Krieg gegen den Imperator kaum helfen.« Terez wandte ihren makellosen Kopf mit elegantem Schwung von ihm ab. »Wir kehren nach Talins zurück.«
    »Das ist unmöglich!«, zischte Jezal. »Ein gurkhisisches Heer von mehreren tausend Mann rückt auf die Stadt zu! Mein Volk flieht in Scharen aus Adua, und die Menschen, die noch geblieben sind, stehen kurz davor, in Panik auszubrechen! Wenn Sie jetzt fliehen, dann würden Sie damit ein völlig falsches Zeichen setzen! Das kann ich Ihnen nicht gestatten!«
    »Ihre Majestät hat mit der ganzen Sache nichts zu tun!«, fauchte die Gräfin Schalere und glitt über den polierten Boden auf ihn zu.
    Als hätte Jezal mit der Königin allein nicht schon genug Ärger, musste er sich nun auch noch ein Wortgefecht mit einer ihrer Gesellschafterinnen liefern. »Sie vergessen sich«, blaffte er sie an.
    »Sie sind es, die sich vergessen!« Sie tat einen weiteren Schritt, das Gesicht vor Zorn verzerrt. »Sie vergessen, dass Sie ein Bastard sind, und noch dazu ein vernarbter ...«
    Jezals Handrücken klatschte hart auf ihren verächtlich verzogenen Mund und ließ sie mit ungalantem Gurgeln zurücktaumeln. Sie stolperte über ihr Kleid und stürzte zu Boden, wobei ihr ein Schuh vom Fuß rutschte und in eine Ecke des Raumes schleuderte.
    »Ich
bin
ein König und befinde mich in meinem eigenen Palast. Und ich werde nicht zulassen, dass man auf eine solche Weise mit mir spricht, schon gar nicht eine kleine Kammerzofe, die man auf ein Podest gestellt hat.« Die Stimme klang flach, kalt und beängstigend befehlend. Sie klang gar nicht nach der seinen, aber wer sonst hätte gesprochen haben

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