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Leise Kommt Der Tod

Titel: Leise Kommt Der Tod Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sarah Stewart Taylor
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sagte Ellie: »Es tut mir wirklich leid. Ich wollte nur...«
    Aber Quinn hatte den Honda bereits gewendet und fuhr in Richtung Universität. »Später«, sagte er. »Wir sprechen später darüber.« Er stoppte an einer roten Ampel, besann sich dann eines Besseren und fuhr mit eingeschaltetem Martinshorn über die Kreuzung.
    »Aber ich...«
    »Später«, sagte er. »Hör zu. Erinnerst du dich noch, dass in der Akte stand, die Polizei sei bereits auf dem Weg gewesen aufgrund des stillen Alarms? Nun, gerade ist mir ein Gedanke gekommen. Keefe saß nicht an seinem Schreibtisch, als er angegriffen wurde. Also wie hätte er den Alarm auslösen sollen? Der Knopf befindet sich dort, gut versteckt. Nicht wahr? Wie hätte er ihn drücken sollen?« Er sah sie an. »Er muss da mit drinstecken. Wir fahren zum Museum.«

30
    Tad Moran stellte den Karton ab und ging zum Fenster hinüber. Er nahm sich einen Moment Zeit, um sich zu sammeln, ehe er die Dinge auf Willems Schreibtisch zusammenpackte. Ihm war klar gewesen, dass er es tun musste. Aber Willems ordentlich aufgeräumte Sachen zu sehen, war dann doch schlimmer für ihn gewesen, als er gedacht hatte. Schließlich war er über das Paar Laufschuhe gestolpert, das Willem immer in der untersten Schublade aufbewahrt hatte. Tad nahm die Schuhe in die Hand, fühlte ihr Gewicht und sog ihren neuen Geruch ein. Willem hatte es gehasst, mit schmutzigen Schuhen herumzulaufen. Und deshalb stand in seinem Büro ein Ersatzpaar - für den Fall, dass er in eine Pfütze oder etwas Ähnliches trat.
    Willem war ein gewissenhafter Mensch gewesen. Zumindest, was einige Dinge betraf. Seine Kleider etwa waren immer perfekt gebügelt. Tad fiel das gleich bei der ersten Begegnung auf. Er besuchte im ersten Jahr seines Aufbaustudiums einen Kurs über Ausstellungen im Museum, der von Willem gehalten wurde. Willems blaues Hemd war am Ende des vierstündigen Unterrichts noch genauso makellos gewesen wie am Anfang.
    Tad hatte sich gefragt, wie Willem es in Ägypten ausgehalten hatte, ohne verrückt zu werden, da dort alles, was man trug, nach kurzer Zeit von einer Staub- und Schmutzschicht bedeckt war. Aber Willem war damals ein anderer Mensch gewesen. Es schien, als ob er einen Weg gefunden hätte, sich nicht um die
Dinge zu kümmern, die ihm daheim wichtig waren. In Ägypten war Willem lockerer, jünger und menschlicher. Er blieb lange auf, berauscht von den Ausgrabungen, erzählte Geschichten und Witze und verzauberte alle mit seinem charismatischen Charme. Er war wärmer, leidenschaftlicher, als ob die heiße Wüstensonne seine Persönlichkeit verändert hätte.
    In Ägypten hatte Tad herausgefunden, dass er verliebt war. Seine Überraschung war nicht größer gewesen ob der Tatsache, dass er für einen Mann Gefühle hegte, als ob der Entdeckung, dass er überhaupt in der Lage war zu lieben. Es war nicht so, dass er es nicht für möglich gehalten hätte, aber in den dreiundzwanzig Jahren seines Lebens hatte er seine echten Gefühle so gewissenhaft unter Verschluss gehalten, dass es ihn schockierte, so plötzlich die Wahrheit über sich selbst zu erfahren. Er hätte nie gedacht, dass er jemanden, der nichts für ihn empfand, so sehr lieben könnte.
    Auf der ersten Reise war nichts passiert. Erst später fügte er sich Willems Willen. Das war immer so gewesen. Immer war es um Willems Wünsche gegangen, um Willems Bedürfnisse, wie er jetzt erkannte. Falls er sich eingeredet hatte, dass wenigstens seine Begeisterung, wenn schon nicht seine Liebe, auf Resonanz stieß, dann sah er jetzt, dass er falsch gelegen hatte. Trotzdem konnte er Willem nicht vorwerfen, ihn getäuscht zu haben. Tad hatte sich lange selbst etwas vorgemacht. Und irgendwann hatte er akzeptiert, dass jene Sache, die sich einmal im Jahr ereignete, und später alle drei Jahre oder seltener, nie wieder passieren würde. Ein seltsames Gefühl der Erleichterung überkam ihn. Die Zeit der Ungewissheit war vorbei, er blieb zurück mit nichts als seiner Liebe, die so hell und schonungslos brannte wie die Sonne.
    Er dachte jetzt an Ägypten, an die unbarmherzige Sonne und den Geruch des endlosen Sandes, der ihn stets an trockenes Laub erinnert hatte, an altes Holz. Es war lange her, seit er zuletzt dort gewesen war. Da erkannte er plötzlich, was Willems
Tod für ihn bedeutete. Er war frei. Er hatte seinen Doktortitel. Er konnte eine Stelle als Dozent bekommen, woanders hinziehen. Er war nicht länger an das Museum gekettet.
    Aber dann erinnerte

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