Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)
dreieinhalb Meter breit. Wir haben also achtzig Gegner, die in einer Lücke von mehr als drei Metern auf uns schießen können. Selbst wenn wir unglaubliches Glück haben, werden uns einige treffen und töten. Lassen Sie uns über einen Alternativplan nachdenken.«
Wie um seinen Einwand zu unterstreichen, brach ein weiterer Schusswechsel aus. Die Kugeln rissen Brocken aus der Gummiisolierung der Wände und zermalmten die Toten, die schon am Boden lagen.
»Sie ziehen sich weiterhin zurück«, erklärte Miller. »Die Schüsse kamen aus größerer Entfernung. Vielleicht können wir einfach abwarten. Falls wir so lange leben.«
Die Fetzen, die Holden sich in die Nase gesteckt hatte, hatten die Blutung nicht stillen können, sondern nur das Blut gestaut. Jetzt rann es ihm in den Hals, und mittlerweile flatterte ihm der Magen vor Übelkeit. Miller hatte recht. Sie waren schon zu angeschlagen, um noch lange warten zu können.
»Verdammt, ich wünschte, wir könnten funken und uns vergewissern, dass Naomi überhaupt noch da ist.« Holden betrachtete die blinkende Anzeige auf dem Terminal: kein Netz .
»Still.« Miller legte einen Finger auf die Lippen und deutete in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
»Nachzügler, die an der Party teilnehmen wollen.« Holden nickte. Die Männer wirbelten herum, zielten in den Korridor und warteten.
Vier falsche Polizisten in Krawallausrüstung kamen um die Ecke. Sie hatten die Waffen nicht gezogen, zwei hatten sogar die Helme abgenommen. Anscheinend hatten sie noch nichts von den Auseinandersetzungen gehört. Holden wartete, dass Miller das Feuer eröffnete, und als er es nicht tat, drehte er sich zu ihm um. Miller starrte zurück.
»Ich bin nicht warm genug angezogen«, sagte Miller fast entschuldigend. Es dauerte eine halbe Sekunde, bis Holden es verstanden hatte.
Holden erteilte ihm die Erlaubnis, indem er selbst den ersten Schuss abgab. Er zielte auf einen Mafiagangster ohne Helm und traf ihn ins Gesicht, dann feuerte er weiter auf die Gruppe, bis der Schlitten aufging, weil das Magazin leer war. Miller hatte direkt nach Holdens erstem Schuss zu feuern begonnen und schoss weiter, bis auch seine Waffe leer war. Inzwischen lagen alle vier Gangster mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Holden atmete tief aus, seufzte und sackte in sich zusammen.
Miller ging unterdessen zu den Gefallenen und stieß sie der Reihe nach mit dem Fuß an, während er das Pistolenmagazin ersetzte. Holden machte sich nicht die Mühe, seine Waffe nachzuladen. Er hatte genug von Schusswechseln. So schob er die leere Pistole in die Hosentasche, richtete sich auf und gesellte sich zu dem Cop. Er bückte sich, um sich den am wenigsten beschädigten Brustpanzer anzueignen. Miller zog eine Augenbraue hoch, verzichtete jedoch darauf, ihm zu helfen.
»Wir rennen rüber.« Holden schluckte den Geschmack von Blut und Erbrochenem herunter, während er dem Mann den Brust- und Rückenpanzer abnahm. »Aber vielleicht hilft es, wenn wir die Rüstungen tragen.«
»Könnte sein.« Miller nickte, kniete nieder und bediente sich bei einem anderen Toten.
Während Holden den Panzer anlegte, redete er sich entschlossen ein, die rosafarbene Spur auf dem Rücken rühre nicht von der Gehirnmasse des Toten her. Es war anstrengend, die Schnallen zu lösen. Seine Finger fühlten sich taub an und arbeiteten ungeschickt. Er nahm den Oberschenkelschutz und legte ihn gleich wieder weg. Lieber würde er schnell rennen. Miller hatte sich bereits gerüstet und nahm sich einen der unbeschädigten Helme. Holden fand einen, der nur eine kleine Delle hatte, und setzte ihn auf. Das Ding fühlte sich schmierig an, und Holden war froh, dass er nichts mehr riechen konnte. Wahrscheinlich hatte sich der vorherige Besitzer nicht sehr oft gewaschen.
Miller fummelte an der Seite seines Helms herum und schaltete das Funkgerät ein. Holden hörte die Stimme blechern über die Helmlautsprecher: »He, wir kommen jetzt in den Korridor! Schießt nicht, wir stoßen zu euch!«
Dann schaltete er das Mikrofon aus und wandte sich an Holden. »Vielleicht schießt jetzt eine Seite nicht auf uns.«
Sie liefen durch den Korridor und blieben zehn Meter vor der Kreuzung stehen. Holden zählte von drei rückwärts, dann rannten sie los, so schnell sie nur konnten. Es ging quälend langsam mit den Beinen, die sich anfühlten, als wären sie mit Blei gefüllt. Als liefe er durch einen Teich. Wie in einem Albtraum. Er hörte Miller direkt hinter sich, die
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