Märchen aus 1001 Nacht
Baba aus dem Bade zurückkehrte. Er verwunderte sich höchlichst, die Ãlschläuche noch im Stall stehen zu sehen und sprach: âWie kommt es, dass mein Gast, der Ãlhändler, seine Maultiere mit den Ãlschläuchen noch nicht auf den Basar getrieben hat?â Alsdann fragte er Mardschane, was mit dem Ãlhändler geschehen wäre, den er unter ihre Obhut befohlen hätte, worauf sie versetzte: âAllah, der Erhabene, schenke dir hundertunddreiÃig Jahre Heil! Ich will dir unter vier Augen über jenen Kaufmann Auskunft geben.â Da ging Ali Baba mit seiner Sklavin beiseite, die ihn zum Hause hinausnahm und zuerst die Hoftür verschloss. Dann zeigte sie ihm einen Schlauch und sprach zu ihm: âIch bitte dich, schau hier hinein und sieh, ob sich Ãl oder etwas anderes darin befindet.â Wie er nun hineinschaute und einen Mann darin erblickte, schrie er laut auf und wäre vor Schrecken fast fortgelaufen. Mardschane aber sagte zu ihm: âFürchte dich nicht, denn dieser Mann ist nicht mehr imstande, dir Ãbles zuzufügen, da er tot ist.â Als Ali Baba diese beruhigenden Worte vernahm, rief er: âO Mardschane, welchem Unheil sind wir entronnen und wodurch ist dieser Elende des Schicksals Beute geworden?â Sie versetzte: âGelobt sei Allah, der Erhabene! Ich will dir alles erklären; schweig jedoch und sprich nicht so laut, damit die Nachbarn nichts von dem Geheimnis erfahren und es für uns ein schlimmes Ende nimmt. Schau nun in einen Schlauch nach dem anderen.â Da schaute Ali Baba der Reihe nach in alle Schläuche und fand in einem jeden einen voll gerüsteten und gewappneten Mann, doch waren alle zu Tode verbrüht. Sprachlos vor Staunen starrte er auf die Schläuche und als er sich endlich wieder gefasst hatte, fragte er: âUnd wo ist der Ãlhändler?â Sie erwiderte: âÃber ihn will ich dir auch Auskunft geben. Dieser Schurke war kein Kaufmann, sondern ein treuloser Mörder, dessen honigsüÃe Worte dich fast bestrickt und ins Verderben gestürzt hätten. Und nun will ich dir sagen, was er war und was geschah. Da du aber soeben erst vom Bad kommst, solltest du zuerst wegen deines Magens und deiner Gesundheit etwas Brühe trinken.â Da ging Ali Baba hinein und Mardschane setzte ihm den Trank vor, worauf ihr Herr zu ihr sagte: âNun möchte ich gern die sonderbare Geschichte hören; ich bitte dich, erzähle sie mir und beruhige mein Herz.â Hierauf erzählte ihm die Sklavin die Begebenheit mit folgenden Worten: âO mein Herr, als du mir befahlst, die Brühe zu kochen und dich zur Ruhe zurückzogst, nahm deine Sklavin gemäà deinem Befehl einen säubern weiÃen Anzug heraus und gab ihn Abdullah, worauf sie das Feuer anzündete und die Brühe aufsetzte. Als sie fertig gekocht war, hatte ich nötig, eine Lampe anzuzünden, um den Schaum abzuschöpfen; da aber alles Ãl ausgegangen war, klagte ich Abdullah meine Verlegenheit, der mir riet, etwas Ãl aus den Schläuchen zu nehmen, die in dem Stalle standen. Infolgedessen nahm ich die Kanne und ging zu dem ersten Schlauch, als ich plötzlich in ihm mit aller Vorsicht eine Stimme flüstern hörte: âIst es jetzt Zeit für uns, herauszukommen?â Ich war starr hierüber und vermutete, dass der vermeintliche Kaufmann einen Anschlag gegen dein Leben geplant hätte, weshalb ich versetzte: âDie Stunde ist noch nicht gekommen.â Alsdann trat ich an einen anderen Schlauch und vernahm ebenfalls aus ihm eine Stimme, der ich die gleiche Antwort erteilte; und so machte ich es mit allen anderen. Ich war nun überzeugt, dass diese Männer nur auf ein Zeichen von ihrem Hauptmann warteten, den du als Gast, im Glauben, es sei ein Ãlhändler, in deine vier Wände aufgenommen hattest und der diese Leute nur hierhergebracht hatte, dich zu ermorden und dein Gut und Haus auszuplündern und zu berauben. Ich gab ihm jedoch keine Gelegenheit, seine Absicht auszuführen. Im letzten Schlauch fand ich Ãl und nahm etwas davon, die Lampe anzuzünden. Dann setzte ich einen groÃen Kessel aufs Feuer und füllte ihn mit Ãl aus dem Schlauch an, worauf ich eine heiÃe Glut unter ihm anfachte; und als das Ãl siedend heià war, schöpfte ich einige Kannen voll, um sie alle zu Tode zu brühen und schritt von Schlauch zu Schlauch, in einen jeden das siedende Ãl gieÃend.
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