Menschen und Maechte
deren Beginn für August 1983 vorgesehen ist. Aber hinsichtlich der Frage, ob Ihre Erklärung hätte abgegeben werden sollen, sind wir verschiedener Meinung. Die Erklärung hat in Holland, Belgien und Italien Verwirrung ausgelöst. Ich habe keine Zweifel an Ihrer Absicht, aber ich bedaure Ihre Erklärung und bedaure, daß wir deswegen in solche Auseinandersetzungen geraten sind. Im übrigen ist die amerikanische Haltung nicht von Sorgen wegen des Verteidigungshaushaltes und der Bewilligung von Geldern für die Produktion bestimmt. Der Kongreß will für die Verteidigung sogar mehr Geld ausgeben, als in meinem eigenen Haushaltsentwurf vorgesehen ist.«
Carter kam sodann auf Afghanistan zurück, auf seine verschiedenen Embargomaßnahmen gegen die Sowjetunion und auf die amerikanische Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen. »Manche Verbündete haben uns dabei mehr, andere weniger unterstützt. Wir beide haben keine Meinungsverschiedenheiten in der Sache, aber mit Ihrem Vorgehen stimme ich nicht überein.«
Wenn wir in der Sache übereinstimmten, warf ich ein, dann könne ich seinen Brief wirklich nicht verstehen.
»Ich habe den Brief auf Grund irreführender Presseberichte geschrieben«, räumte Carter ein. »Aber mir liegt daran, klarzustellen, die USA sind zu keiner Zusage bereit, daß sie nicht stationieren
werden. Denn das wäre, wie gesagt, ein Imprimatur für die sowjetischen Stationierungen, und wie stünden wir da, wenn nach Ablauf der drei Jahre die Sowjets vorschlagen, man solle fortfahren zu verhandeln? Das würde uns in eine sehr schwierige Situation bringen …«
»Warum haben Sie aber dann dem Cruise-Missiles-Protokoll bei SALT II zugestimmt?« Das Protokoll sei Teil eines größeren Pakets gewesen, rechtfertigte sich Carter; isoliert und für sich genommen hätte es dem eigenen Vorteil nicht gedient.
»Sie werden sich erinnern«, beharrte ich, »daß ich von diesem Protokoll abgeraten habe. Ich hatte die INF-Gefährdung schon gesehen, als die USA im Zuge der Kuba-Raketenkrise ihre Mittelstreckenraketen in Italien und der Türkei abgebaut haben; 1969 habe ich mich dazu in einem Buch über die Fragen des militärischen Gleichgewichts geäußert.
Ich will bei dieser Gelegenheit auf eines hinweisen: Deutschland ist ein kleines Land; auf einem Territorium, das nur so groß ist wie Ihr Staat Oregon, leben sechzig Millionen Menschen. Zugleich gibt es auf diesem Territorium über 5.000 amerikanische nukleare Sprengköpfe; natürlich stellen sie für die Sowjetunion 5000 Ziele dar. Nun bin ich bereit, notfalls einige weitere hundert Waffen auf diesem dichtbesiedelten Territorium zu stationieren. Sie mit Ihrem riesigen Territorium sind sehr viel besser dran.«
Das Gespräch wandte sich dann der finanziellen Hilfe und der Umschuldungsaktion zugunsten der Türkei zu, ebenso der Umschuldung zugunsten Pakistans. Carter sprach über die enormen Kosten, welche den USA aus ihrer militärischen Präsenz im Indischen Ozean und im Fernen Osten entstünden; jetzt verhandele man über Stützpunkte im Nahen Osten.
Ich machte darauf aufmerksam, daß die Regierungen im Nahen Osten eine Sicherheit haben müßten, nicht in eine Umwälzung zu geraten; aus diesem Grunde hätten wir Europäer uns mit Außenminister Vance geeinigt, daß die neun EG-Staaten eine Initiative zur Erweiterung der Sicherheitsratsresolution 242 ergreifen würden. Doch nun habe Präsident Carter im Fernsehen erklärt, gegen eine solche Resolution im Sicherheitsrat werde er sein Veto
einlegen. »Ähnlich«, fuhr ich fort,»war es vor einigen Monaten hinsichtlich der Olympischen Spiele. Sowohl Mr. Brzezinski als auch Mr. Christopher haben uns wenige Tage vor meiner Regierungserklärung gesagt, eine amerikanische Entscheidung zur Nichtteilnahme an den Olympischen Spielen stehe nicht bevor. Dementsprechend habe ich damals in meiner Regierungserklärung diese Frage nicht erwähnt. Aber am Sonntag darauf haben Sie dann mitteilen lassen, daß Sie sich doch zur Nichtteilnahme entschlossen haben.«
An dieser Stelle schaltete sich Brzezinski ein: »Sie haben gegenüber Senator Biden kritische Bemerkungen über die amerikanische Politik im allgemeinen und Persönlichkeiten der amerikanischen Regierung im besonderen gemacht!«
Schmidt: »Wenn es nötig ist, kann auch ich ein guter Kämpfer sein.«
Brzezinski: »Wir können das auch erwidern.«
Carter beendete diesen Wortwechsel: »Ich habe Sie nie kritisiert. Ich glaube, man wird sich jetzt gegenseitig
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