Mondlaeufer
und Hände. Es dämmerte bereits; Chiana und Halian warteten sicher ungeduldig auf ihn. Mit den Tüchern und ihrem schrecklichen Inhalt in seinen Satteltaschen galoppierte er durch die kühle Abendluft. Sie blies sein Entsetzen davon und fachte seinen Zorn an: Dafür würde Masul sterben und Kiele ebenfalls. Sie hatten einen Lichtläufer ermordet. Er hoffte, Andrade würde so viel Bosheit haben wie sie, wenn sie entschied, wie sie sterben sollten.
Halian und Chiana waren ohne ihn zurückgeritten. Riyan zuckte mit den Schultern, denn es war ihm egal, welche Strafe ihm der Prinz für diese Pflichtvergessenheit auferlegen würde. Er blieb noch in der Residenz, um zwei Becher Wein zu leeren, und ritt dann zum Lager zurück. Er ging geradewegs zum Pavillon des Hoheprinzen.
Wortlos ging er dort an Tallain vorbei, verbeugte sich und sah seinen Vater und Rohan bitter an, die still wurden, als er die Satteltaschen auf den Tisch warf.
»Beweise«, sagte er nur.
Ostvel öffnete die Ledertaschen und hielt den Atem an. Rohan sagte kein Wort, als der Inhalt vor ihm ausgebreitet wurde. Er sah alles lange an und blickte dann Riyan in die Augen.
Seine Geschichte war schnell erzählt. Sein Vater sah danach mordlustig aus. Rohans Augen funkelten vor einer langsam wachsenden Wut, die, war sie einmal freigesetzt, alles zerstören würde, was sich ihm in den Weg stellte.
»Einer von ihnen hat den anderen Ring«, schloss Riyan. »Da bin ich mir sicher. Ich glaube, es war der fünfte, Gold am rechten Daumen, der Lichtläufer-Ring.«
»Zu groß für Kiele«, murmelte Rohan. »Aber er hat sicher Masuls Größe, ja.«
»Wenn er es wagt, ihn zu tragen, haben wir ihn.«
»Vielleicht. Vielleicht.« Rohan faltete die Tücher zusammen und steckte die Bündel wieder in die Satteltaschen. »Euer Vater hat mir alles andere bereits erzählt. Aber jetzt muss ich Euch als Euer Prinz einen Befehl geben, Riyan, etwas, dem Ihr als Lichtläufer vielleicht schwer gehorchen könnt.« Er hielt Riyans Blick mit seinen Augen fest. »Kein Wort davon zu Andrade. Kein Wort.«
Riyan fühlte keinen Widerstreit. »Seit dem Tag meiner Geburt gehöre ich Euch.«
Rohans blonde Brauen hoben sich etwas. »Nicht der kleinste Gewissensbiss? Darüber wird Andrade wenig erfreut sein. Was Ihr auch für mich seid, ein Teil von Euch gebührt ihr.«
»Alles, was ich bin, mein Prinz, ist Euer«, sagte Riyan mit einer Würde, die keine Schauspielerei war.
Rohan nickte langsam. »Ihr ehrt mich, Riyan. Lasst Euch von Tallain zu Cluthas Lager begleiten. Wenn jemand fliegt, soll der sagen, dass ich Euch sofort zu mir gerufen habe, als Ihr ankamt. Das sollte Euch Schwierigkeiten mit Halian ersparen. Und was Eure heutige Abwesenheit angeht …«
»Ich habe Prinz Clutha Rede und Antwort zu stehen, Herr. Nicht Halian.«
»Ich verstehe. Aber lasst es mich wissen, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt.«
»Ja, Herr.« Riyan verbeugte sich und ging zum Zeltausgang. Dort blieb er stehen und drehte sich noch einmal um. »Ich muss Euch um etwas bitten. Werdet Ihr dafür sorgen, dass sie langsam sterben?«
Ostvel gab einen kehligen Laut von sich. Rohan nickte nur. »Ja, Riyan. Beide, Masul und Kiele, werden einen sehr langsamen Tod haben.«
»Danke, Herr.« Zufrieden verbeugte sich Riyan noch einmal, denn er vertraute seinem Prinzen ebenso bedingungslos wie seinem Vater. Dann ging er.
Ostvel hob die Satteltaschen auf und drückte sie an sich. »Ihr wisst, welche Strafe auf Mord an einem Faradhi steht?«
»Ja. Aber darum geht es jetzt noch nicht. Nicht bevor man seinen Anspruch widerlegt hat. Das bindet mir die Hände, Ostvel.« Rohans Fäuste ballten sich, als würden sie sich um Masuls Kehle schließen. »O gütige Göttin«, flüsterte er, »wie gern würde ich ihn jetzt schon töten.« Dann sah er auf. »Er muss sehr sorgfältig bewacht werden. Wenn Masul den geringsten Verdacht schöpft, ist Riyans Leben verspielt. Habt Ihr Freunde unter den Lichtläufern, die mit Andrade gekommen sind?«
Ostvel nickte. »Ich werde es als persönlichen Gefallen hinstellen, nichts, womit sich Andrade persönlich befassen müsste.«
»Gut. Es wird in unserem Sinne weitergehen, mein Freund. Wir sind zu weit gekommen und haben zu viel erreicht, als dass das alles jetzt zerstört werden könnte.«
Ostvel verbeugte sich leicht. »Ich habe nie etwas anderes erwartet, mein Prinz«, sagte er leise.
Nachdem Ostvel mit den Satteltaschen gegangen war, murmelte Rohan: »Ich wünschte, ich könnte
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