Montgomery & Stapleton 07 - Die Seuche Gottes
verlieh.
Während er darüber brütete, wie er Amy ansprechen sollte, fiel ihm plötzlich ein, dass er Angelo anrufen könnte, doch dann entschloss er sich, abzuwarten. Er hatte nichts zu berichten, und Angelo war zweifelsohne gerade an der Einfahrt zum oder vielleicht auch schon mitten im Tunnel.
Als er mit seinen Gedanken wieder bei Amy war, dachte er, dass er sie wohl am besten dazu überreden sollte, ihn irgendwohin zu begleiten, wo sie sich ungezwungener unterhalten und auf Angelo warten konnten – ein Anforderungsprofil, das wunderbar auf eine Bar oder Kneipe passte, was den zusätzlichen Vorteil hätte, dass sie dort etwas trinken konnten. Francos Hand glitt automatisch in seine Jacketttasche und vergewisserte sich, dass die Date-Rape-Pillen noch da waren. Als Nächstes stellte sich die Frage, ob er versuchen sollte, schon vor Angelos Eintreffen eine Tablette in Amys Glas zu werfen oder erst danach. Es konnte keinen Zweifel daran geben, dass der Faktor Zeit eine alles entscheidende Rolle spielte.
Bei einem Blick aus dem Fenster erkannte Franco, dass sie die Hauptverkehrsstraße verlassen hatten und nun auf kleineren Stadtstraßen Richtung Norden führen. Er griff nach seinem Handy.
»Wo steckst du?«
»Im Club Twenty-One, bei einem schönen Abendessen«, erwiderte Angelo sarkastisch. »Ich stecke im Stau. Bis jetzt bin ich noch nicht mal im Tunnel.«
»Gut gemacht!« Auch Franco beherrschte die Kunst der sarkastischen Erwiderung. »Hast du mittlerweile rausgekriegt, wohin der 166er fährt?«
»Nicht genau. Der Ort muss irgendwo in Bergen County liegen, irgendwo in der Gegend der George Washington Bridge.«
»Ruf mich wieder an, sobald du den Tunnel hinter dir hast!«
Franco steckte das Handy in seine Innentasche zurück und versuchte erneut zur Ruhe zu kommen. In dem Augenblick, als er es geschafft hatte, erreichte der Bus die erste Haltestelle. Ein paar Leute stiegen aus, aber Amy blieb sitzen.
Franco richtete sich ein wenig auf. Er hatte Angst, einzuschlafen und Amy zu verpassen, und dann wäre ihre ganze Mühe umsonst gewesen. Und er wusste ganz genau, wie Vinnie in so einem Fall reagieren würde.
Zwanzig Minuten später trommelte sein auf Vibrationsalarm gestelltes Handy von innen gegen seine Brust, sodass er schlagartig hellwach war. Das war Angelo, der endlich auf der anderen Seite des Tunnels angekommen war.
»Soll ich die erste Ausfahrt nehmen?«, fragte er mit gehetzter Stimme. Sie kam vermutlich in hohem Tempo näher.
»Hast du dir die gottverdammte Landkarte angeschaut?«
»Natürlich.«
»Dann nimm die erste Abfahrt und fahr nach Norden, Herrgott noch mal. Und bleib dran!« Noch einmal beugte sich Franco zu seinem Sitznachbarn und fragte ihn, ob er wusste, in welcher Ortschaft sie sich gerade befanden. Dann sagte er zu Angelo: »Der Herr neben mit glaubt, dass wir gerade nach Cliffside Park fahren, also setz deinen Arsch in Bewegung, und komm hier hoch.«
Francos Sitznachbar lächelte höflich, als Franco kurz zu ihm hinüberschielte, das machte Franco nervös. Bei der Arbeit wollte er so wenig wie möglich Kontakt haben. Als der Mann ein freundliches Gespräch beginnen wollte, blieb Franco sehr vage und beendet die Konversation so schnell und so sanft wie möglich.
Zehn Minuten später tippte der Mann Franco auf die Schulter. »Bei der nächsten Haltestelle muss ich raus«, sagte er und bedeutete Franco, er möge aufstehen.
Franco stand auf und ließ den Mann vorbei. Als er im Gang stand, fragte ihn Franco, wo sie jetzt waren.
»Ridgefield«, sagte der Mann gleichgültig.
Franco setzte sich und rief Angelo an, um ihm den neuesten Stand mitzuteilen.
»Das heißt, ich habe so ungefähr fünfzehn, zwanzig Minuten Verspätung.«
Als Amy zehn Minuten später ihren Platz verließ und der Bus seine Fahrt verlangsamte, hatte Franco das Gefühl, als seien seine Gebete erhört worden. Hastig zog er sein Handy hervor und beugte sich über den Mittelgang, um die Frau auf der anderen Seite zu fragen, welche Ortschaft das hier sei. Sie sagte, das wüsste sie nicht, aber der Mann neben ihr meinte, es sei Palisades Park.
Schnell rief Franco Angelo an. »Wir sind in Palisades Park.« Er bückte sich ein wenig, während der Bus anhielt, und entdeckte ein Straßenschild. »Broad Avenue, Palisades Park.«
»Verstanden«, sagte Angelo.
Franco machte sich auf den Weg in Richtung Ausgang. Auch andere Leute standen auf und schoben sich zwischen ihn und Amy. Draußen auf der Straße erfasste ihn
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