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Montgomery u Stapleton 01 - Blind

Montgomery u Stapleton 01 - Blind

Titel: Montgomery u Stapleton 01 - Blind Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robin Cook
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schien und so gestärkt war, daß er steif wie ein Brett aussah. Am Ringfinger trug er einen großen goldenen Siegelring.
    Jordan schloß seine Notizen ab und ordnete die Blätter sorgfältig, bevor er die Akte zuklappte. Dann blickte er auf. Er schien wirklich überrascht, daß Lou, den Hut in der Hand, noch mitten im Zimmer stand.
    "Bitte", sagte Jordan. Er erhob sich und wies auf einen der beiden Sessel vor seinem Schreibtisch. "Setzen Sie sich. Entschuldigen Sie, daß ich Sie habe warten lassen, aber ich bin im Moment furchtbar beschäftigt. Eine Menge Operationen. Was kann ich für Sie tun? Ich nehme an, Sie sind wegen meiner Sekretärin Marsha Schulman hier. Tragische Situation. Ich hoffe, die Polizei hat auch ein Auge auf die wahrscheinliche Verstrickung ihres Ehemanns."
    Lous Blick wanderte zu Jordans Gesicht hoch. Es irritierte ihn, daß der Mann so groß war. Er kam sich im Vergleich zu ihm klein vor, obwohl er selbst einsachtzig war.
    "Was wissen Sie über Mr. Schulman?" fragte Lou. Nach Jordans freundlicherer Aufforderung nahm Lou Platz. Jordan ebenfalls. Lou hörte zu, während Jordan alles über Marshas Mann erzählte, was er wußte. Da Lou bereits beträchtlich mehr als Jordan wußte, nützte er die Zeit, den Arzt zu beobachten, wobei ihm unter anderem ein leichter, aber wahrscheinlich aufgesetzter englischer Akzent auffiel. Noch bevor Jordan seinen Bericht über Danny Schulman beendet hatte, war Lou zu dem Schluß gekommen, daß Jordan ein aufgeblasener, affektierter und arroganter Schleimer war. Er konnte nicht begreifen, was eine so realistische Frau wie Laurie an ihm fand.
    Lou beschloß, das Thema zu wechseln. "Was ist mit Paul Cerino?" fragte er.
    Jordan zögerte einen Augenblick. Er war überrascht, daß Cerinos Name genannt wurde. "Entschuldigen Sie, wenn ich frage", sagte er, "aber was soll Mr. Cerino mit alldem zu tun haben?"
    Lou freute sich zu sehen, wie Jordan sich wand. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir alles sagen würden, was Sie über Mr. Cerino wissen."
    "Mr. Cerino ist ein Patient", erwiderte Jordan steif.
    "Das weiß ich schon", sagte Lou. "Mich würde interessieren, wie seine Behandlung verläuft."
    "Ich spreche nicht über meine Patienten", entgegnete Jordan kühl.
    "Wirklich nicht?" fragte Lou, die Augenbrauen hebend. "Da habe ich aber etwas anderes gehört. Tatsächlich weiß ich aus zuverlässiger Quelle, daß Sie sich sehr eingehend über Mr. Cerinos Fall ausgelassen haben."
    Jordans Lippen wurden etwas schmaler.
    "Aber wir können das Thema für den Augenblick lassen", sagte Lou. "Ich wollte Sie außerdem noch fragen, ob Sie oder eine Ihrer Mitarbeiterinnen das Opfer irgendeines Erpressungsversuchs gewesen sind."
    "Mit Sicherheit nicht", wehrte Jordan ab. Er lachte nervös.
    "Warum sollte mich jemand bedrohen?"
    "Wenn man anfängt, sich mit Leuten wie Cerino einzulassen, sind Dinge wie Erpressung keine Seltenheit. Könnte Ihre Sekretärin in irgendeiner Weise bedroht worden sein?"
    "Weswegen?"
    "Ich weiß es nicht", sagte Lou. "Ich wollte es von Ihnen hören."
    "Cerino würde mich oder eine meiner Angestellten bestimmt nicht erpressen wollen. Ich behandle den Mann. Ich helfe ihm."
    "Diese Gangster des organisierten Verbrechens denken anders als normale Menschen", erklärte Lou. "Sie halten sich für etwas Besonderes und glauben, über dem Gesetz zu stehen; eigentlich über allem. Wenn sie nicht genau das bekommen, was sie wollen, bringen sie Sie um. Wenn sie bekommen, was sie wollen, aber zu dem Schluß kommen, daß sie Sie nicht mögen oder Ihnen zuviel Geld schulden, bringen sie Sie um."
    "Ich gebe ihnen ganz bestimmt, was sie haben wollen."
    "Wie Sie meinen, Doktor. Ich versuche nur, alle Winkel zu erkunden. Ihre Sekretärin ist tot, und irgend jemand hat sie auf ziemlich brutale Weise umgebracht. Und wer immer das war, wollte nicht, daß sie so bald identifiziert wird. Ich möchte wissen, warum."
    "Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, daß ich ziemlich sicher bin, daß Marshas Verschwinden oder Tod nichts mit Mr. Cerino zu tun hat. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen, ich muß mich um meine Patienten kümmern. Falls Sie noch weitere Fragen haben, wenden Sie sich vielleicht am besten an meinen Anwalt."
    "Natürlich, Doktor, natürlich", sagte Lou. "Ich bin schon draußen. Aber einen Rat will ich Ihnen noch geben: Ich wäre an Ihrer Stelle äußerst vorsichtig, wo es um Paul Cerino geht. Die Mafia mag ja faszinierend erscheinen, wenn man über sie liest oder einen

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