Montgomery u Stapleton 02 - Das Labor
hatte ich die ganze Zeit Angst.«
»Aber zur Zeit kursiert nun mal die Grippe«, wandte Terese ein. »Das liegt an der Jahreszeit.«
»Das sagen alle.«
»Du glaubst also, es steckt etwas anderes dahinter?«
»Sagen wir mal so«, erklärte Jack. »Ich mache mir große Sorgen - vor allem, wenn wir es auch noch mit einem neuartigen Virusstamm zu tun haben sollten. Der Verstorbene war ein junger Mann, gerade mal neunundzwanzig. In Anbetracht all der anderen Krankheiten, die im Manhattan General aufgetreten sind, gibt mir das sehr zu denken.«
»Sehen deine Kollegen das genauso?«
»Im Augenblick bin ich wohl der einzige, der sich Sorgen macht«, gestand Jack.
»Ich glaube, wir können froh sein, daß es jemanden wie dich gibt«, sagte Terese. »Es ist wirklich bewundernswert, wie du dich aufopferst.«
»Danke.« Hoffentlich liege ich mit meinen Vermutungen falsch.«
»Aber du gibst doch nicht auf - oder?«
»Nicht bevor ich über die erforderlichen Beweise verfüge, wie immer sie auch ausfallen mögen. Aber laß uns lieber über dich reden. Ich hoffe, bei dir läuft es besser als bei mir.«
»Danke, daß du fragst«, sagte Terese. »Wir haben es wohl größtenteils dir zu verdanken, daß wir jetzt eine gute, neue Kampagne in Arbeit haben. Außerdem habe ich es geschafft, die hausinterne Präsentation auf Donnerstag zu verschieben. Wir haben also einen ganzen Tag gewonnen. Im Moment hat sich die Lage etwas beruhigt, aber das kann sich in unserer Branche von einer Sekunde auf die andere ändern.«
»Na, dann viel Glück«, sagte Jack. Es drängte ihn, das Telefonat zu beenden.
»Wollen wir heute abend zusammen essen gehen?« fragte Terese. »Ich würde mich riesig freuen, wenn du Zeit hättest. Ein kleines Stück die Straße rauf, auf der Madison Avenue, ist ein netter und gemütlicher Italiener.«
»Eventuell könnte das klappen«, erwiderte Jack. »Aber erst mal abwarten, was heute noch alles passiert.«
»Komm schon, Jack. Etwas essen mußt du doch. Ein bißchen Entspannung in netter Begleitung täte uns beiden ganz gut, da bin ich sicher. Ich höre doch an deiner Stimme, wie gestreßt du bist. Ich bestehe darauf, daß du mitkommst.«
»Okay.« Jack gab sich geschlagen. »Aber vielleicht habe ich nur ein Stündchen Zeit.« Terese hatte recht; ein bißchen Abwechslung konnte ihm wirklich nicht schaden. Doch im Moment fiel es ihm einfach schwer, bis zum Abendessen vorauszuplanen. »Super«, jauchzte Terese. »Ruf mich nachher an, dann besprechen wir, um wieviel Uhr wir uns treffen. Wenn ich nicht in der Agentur bin, erreichst du mich zu Hause. Okay?«
»Ja, ich melde mich«, versprach Jack.
Sie verabschiedeten sich, und Jack legte auf. Ein paar Minuten lang starrte er gedankenverloren den Hörer an. Zwar besagte eine alte Volksweisheit, daß man seine Angst überwinden konnte, indem man darüber sprach. Doch ihm ging es anders: Seitdem er mit Terese über den Influenzafall geredet hatte, war seine innere Unruhe noch gewachsen. Wenigstens waren die Virusproben auf dem Weg zum Center for Disease Control. Und das DNA-Labor arbeitete mit den Tests von National Biologicals. Vielleicht bekam er bald ein paar Antworten.
28. Kapitel
Dienstag, 26. März 1996,10.30 Uhr
Phil öffnete die Tür des verlassenen Gebäudes, das die Black Kings in Besitz genommen hatten. Als Tür diente eine zwei Zentimeter dicke Sperrholzplatte, die mit Schrauben an einem Aluminiumrahmen befestigt war. Er durchquerte den Vorraum, der vom dichten Zigarettenqualm völlig vernebelt war. An den Tischen spielten mehrere Gangmitglieder Karten. Phil eilte nach hinten ins Büro und sah erleichtert, daß Twin an seinem Schreibtisch saß. Er mußte warten, bis Twin das Geld eines ihrer elfjährigen Dealer abgezählt und den Jungen weggeschickt hatte. »Wir haben ein Problem«, sagte er.
»Wir haben immer Probleme«, entgegnete Twin beiläufig, während er die labbrigen Geldscheine, die der Junge abgeliefert hatte, noch einmal nachzählte.
»Diesmal haben wir ein echtes Problem«, fuhr Phil fort. »Reginald ist umgenietet worden.«
Twin sah auf und machte ein Gesicht, als hätte ihm jemand einen kräftigen Schlag in den Magen verpaßt. »Raus hier!« brüllte er. »Wer hat denn diese Scheiße erzählt?«
»Es ist wahr«, sagte Phil, nahm sich einen von den klapprigen Stühlen, die an der Wand standen, und setzte sich rittlings darauf. Zusammen mit der Baseballkappe, die er immer falsch herum aufsetzte, ergab das eine gewisse
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