Montgomery u Stapleton 02 - Das Labor
optische Harmonie. »Wer sagt das?« fragte Twin.
»Es wird überall auf der Straße herumerzählt. Emmet hat es von einem Dealer am Times Square gehört. Sieht so aus, als würde der Doc von einer der Gangsterbanden aus dem Manhattan Valley von der Upper West Street beschützt.«
»Du meinst, einer von denen hat Reginald kaltgemacht?« fragte Twin ungläubig.
»Wie es aussieht, ja«, erwiderte Phil. »Kopfschuß.« Twin schlug so kräftig mit der Hand auf den Schreibtische, daß die zerfetzten Geldscheine durch die Luft wirbelten. Er sprang auf und lief wütend durch den Raum. Dann trat er mit voller Wucht gegen die Mülltonne.
»Ich glaub’ es nicht«, brüllte er. »Wo, zum Teufel, kommen wir denn da hin? Ich begreif’ das einfach nicht. Die können doch nicht einen Schwarzen umnieten, um einem weißen Doktor den Arsch zu retten. Das macht keinen Sinn. Absolut nicht.«
»Vielleicht tut der Doktor ja irgendwas für sie«, sagte Phil. »Ist mir scheißegal, ob er irgend etwas für sie tut«, schnaubte Twin. Er baute sich vor Phil auf, der zusammenschrak. Wenn Twin in Rage war, konnte er unberechenbar und äußerst brutal sein, und im Augenblick schäumte er vor Wut. Twin ging zurück zu seinem Schreibtisch und hämmerte noch einmal mit der Faust auf die Platte. »Ich kapier’ das zwar alles nicht, aber eins weiß ich. Das können wir uns nicht bieten lassen. Auf keinen Fall! Die machen keinen Black King platt, ohne dafür zu büßen. Das mindeste ist ja wohl, daß wir den Doc kaltmachen, das war abgemacht.«
»Es wird erzählt, daß die Gang für den Doc einen Leibwächter abgestellt hat«, erklärte Phil. »Sie beschützen ihn.«
»Das ist unglaublich«, Twin hockte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. »Aber das macht es einfacher. Dann erledigen wir den Doc und seinen Wächter auf einen Schlag. Aber nicht im Viertel von denen. Wir machen es da, wo der Doc arbeitet.« Er zog die obere Schublade auf und durchwühlte sie. »Wo habe ich den Zettel, verdammt?«
»Rechte Schublade«, sagte Phil.
Twin sah ihn schräg von der Seite an, und Phil zuckte mit den Schultern. Er wollte den Boß nicht verärgern, aber er erinnerte sich nun mal daran, daß Twin das Blatt in diese Schublade gestopft hatte.
Twin nahm den Zettel mit den Notizen heraus und überflog ihn. »Okay«, sagte er. »Hol BJ her! Er ist doch schon ganz heiß auf Action.«
Phil verschwand für zwei Minuten. Als er zurückkam, hatte er BJ im Schlepptau, der schwerfällig in das Büro gestapft kam; sein träger Schritt ließ nicht erkennen, wie flink er normalerweise war.
Twin erläuterte ihm das Problem. »Willst du den Job übernehmen?« fragte er. »Klar«, erwiderte BJ. »Brauchst du Unterstützung?«
»Ach, was. Ich warte einfach, bis die beiden Mistkerle sich zusammen blicken lassen, und dann puste ich sie weg.«
»Du mußt den Doc da erwischen, wo er arbeitet«, erklärte Twin. »Wir können es nicht riskieren, einzeln in das Viertel von denen zu gehen. Kapierst du das?«
»Kein Problem.«
»Hast du eine Maschinenpistole?« fragte Twin. »Nein.«
Twin öffnete die untere Schreibtischschublade und holte eine Tee heraus; vom gleichen Modell, wie er auch Reginald eine gegeben hatte. »Paß auf, daß du sie nicht verlierst!« ermahnte er ihn. »Wir haben nicht so viele davon.«
»Kein Problem.« BJ nahm die Waffe und betrachtete sie ehrfürchtig von allen Seiten. »Worauf wartest du noch?« fragte Twin. »Bist du fertig?« fragte BJ zurück.
»Natürlich bin ich fertig. Oder willst du vielleicht, daß ich mitkomme und Händchen halte? Mach, daß du rauskommst, und laß dich hier erst wieder blicken, wenn du den Job erledigt hast.«
Sosehr Jack sich auch bemühte, er konnte sich einfach nicht auf seine Arbeit konzentrieren. Es war nun schon beinahe Mittag, und er hatte kaum etwas von seinem Aktenstapel abgearbeitet. Pausenlos zermarterte er sich das Hirn über den Influenzafall. Außerdem fragte er sich, was wohl Beth Holderness widerfahren war. Was mochte sie nur herausgefunden haben?
Entnervt knallte er seinen Kugelschreiber auf den Tisch. Am liebsten wäre er sofort ins Manhattan General gefahren, um Cheveau und seinem Labor einen weiteren Besuch abzustatten, aber er wußte, daß er das nicht riskieren konnte. Cheveau würde bestimmt die Marines anfordern, sobald er ihn erblickte, und Bingham würde ihn endgültig vor die Tür setzen. Er mußte wohl oder übel auf die Ergebnisse der Tests von National Biologicals warten,
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